Die wichtigsten Festungen von Rio de Janeiro, Brasilien

Das Forte Santa Cruz, die Copacabana-Festung und das Fortaleza São João sind die mächtigen Eckpfeiler einer Kette von Verteidigungsanlagen, die zur Kolonialzeit Brasiliens den Hafen von Rio vor Eindringlingen schützen sollten.

Die Portugiesen und das brasilianische Militär errichteten in den vergangenen Jahrhunderten eine Reihe an gewaltigen Bollwerken in der Guanabara-Bucht. Einige von ihnen können besichtigt werden. Ihre altehrwürdigen Mauern erzählen von den Kaisern und Königen der Kolonialzeit, heiß umkämpften Schatzschiffen und historischen Schlachten.

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Forte Santa Cruz – größte Festung Südamerikas

Als größte Befestigungsanlage Südamerikas thront die Festung Santa Cruz da Barra in Niterói in der Guanabara-Bucht vor Rio de Janeiro, Brasilien - © byvalet / Shutterstock
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Die Santa Cruz-Festung, die größte Festung Südamerikas, befindet sich in unmittelbarer Nähe zu Rio de Janeiro in der Stadt Niterói und ist seit 1939 eines von Brasiliens nationalen Denkmälern.

Gemeinsam mit den Festungen Fortaleza de São João und Forte Tamandaré da Laje bildete die Festung Santa Cruz zur Zeit der Kolonialisierung und des brasilianischen Königreichs die zentrale Verteidigungsanlage für den Hafen von Rio in der Guanabara Bucht.

Erbaut wurde das Fort im Jahr 1584 von den Portugiesen, damals noch unter dem Namen „Bateria de Nossa Senhora da Guia“ (wörtlich: „Festung unserer Lieben Frau der Führung“). Seit 1612 hat es seinen heutigen Namen. In den darauffolgenden Jahrzehnten wurde es ständig erweitert, vor allem um die Gold- und Diamantentransporte aus Minas Gerais nach Lissabon abzusichern.

Zeit seines Betriebs wehrte die Festung Santa Cruz zahlreiche Angriffe ab, darunter vor allem von den Franzosen und Niederländern. In Spitzenzeiten zählten Geschütze und Besatzung 740 Kanonen, 10 Mörser und knapp 6.000 Mann.

Der letzte Kanonenschuss der Festung Santa Cruz fiel im Jahr 1955. Dies war allerdings nur ein Warnschuss, der für den Kreuzer Tamandaré bestimmt war.

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Besuch der Festung Santa Cruz

2002 wurde die Festung Santa Cruz da Barra bei Rio de Janeiro umfassend renoviert und erstrahlt heute in alter Pracht, Brasilien - © Celso Diniz / Shutterstock
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Das Santa Cruz Fort ist bis heute vom Militär besetzt und für Besucher geöffnet. Jeden Monat nutzen dieses Angebot rund 3.500 Besucher, die das mächtige Bollwerk auf seiner markanten Felsnase von innen erleben möchten. Damit ist die Festung hinter dem Museum für zeitgenössische Kunst die meistbesuchte Sehenswürdigkeit von Niterói. Führungen durch das gewaltige Areal von gut 7.000 Quadratmetern finden jede Stunde statt und dauern ca. 45 Minuten.

2002 wurde die Festung Santa Cruz da Barra umfassend renoviert und erstrahlt heute in alter Pracht. Die drei Bauperioden aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert sind immer noch nachvollziehbar.

Die Kapelle Santa Barbara geht auf die erste Periode zurück (der heutige Bau entstand 1912), Wachtürme, die Zisterne und der Kerker auf die zweite und das Magazin, die Höfe und Galerien auf die dritte.

Zu sehen gibt es außerdem eine Sonnenuhr aus dem Jahr 1820, die mit römischen Ziffern in den Kalkstein gemeißelt wurde, eine Folterkammer und die Hinrichtungsmauer.

Berühmte Häftlinge der Festung Santa Cruz von Rio

Die Festung Santa Cruz in der Bucht von Rio de Janeiro diente einst als Gefängnis und hielt große Persönlichkeiten von Brasiliens Geschichte gefangen - © Celso Diniz / Shutterstock
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Auch als Gefängnis diente die Santa Cruz Festung einst, und hielt große Persönlichkeiten der brasilianischen Geschichte gefangen, wie zum Beispiel der italienische Guerillakämpfer Giuseppe Garibaldi, Präsident Juscelino Kubitschek, Forscher und Staatsmann Jose Bonifacio, Rebellenführer Bento Gonçalves, oder den brasilianischen Autor und Militäringenieur Euclides da Cunha.

Im Sommer 1922 lieferten sich die Soldaten von Santa Cruz während der Tenentismo-Aufstände junger Offiziere erbitterte Kämpfe mit dem Copacabana Fort.

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Forte de Copacabana – Rio unter Beschuss

Das geschichtsträchtige Copacabana Fort am berühmten gleichnamigen Strand von Rio de Janeiro fungiert heute als Ausflugsziel und Museum, Brasilien - © f11photo / Shutterstock
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Die geschichtsträchtige Copacabana-Festung befindet sich am südlichen Ende des berühmten Strandes von Copacabana und ist für Besucher geöffnet. Einst stand an ihrer Stelle eine kleine Kapelle, die eine Statue der Jungfrau von Copacabana beherbergte, der Schutzheiligen des „ursprünglichen“ Copacabana in Bolivien.

Bei den Olympischen Sommerspielen 2016 war die Festung in den Rennrad-Bewerb, den Schwimm-Marathon und den Triathlon involviert.

Geschichte des Copacabana-Forts

1987 wurde die Küstenverteidigung von Rio de Janeiro zurückgezogen und damit auch die Besetzung des Copacabana-Forts aufgelöst, Brasilien - © Su Justen / Shutterstock
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1908 errichtete das brasilianische Militär hier eine moderne Verteidigungsanlage zum Schutz des Strandes und der Hafeneinfahrt von Rio de Janeiro. 1914 war der Bau beendet. Die beiden Kanonentürme, genannt „André Vidal“ und „Duque de Caxias“, waren mit Krupp-Kanonen bestückt, deren Schussweite über 20 Kilometer betrug.

Mehrere um 180° schwenkbare Schnellschuss-Kanonen komplettierten das furchteinflößende Waffenarsenal der Copacabana-Festung. Erst 1987 wurde die Küstenverteidigung der Guanabara-Bucht zurückgezogen und damit auch die Besetzung des Copacabana-Forts aufgelöst.

Tenentismo-Aufstände in Rio de Janeiro

Im Sommer 1922 richteten sich die Kanonen des Forts allerdings gegen die Stadt selbst, als am 5. Juli die erste Revolte der Tenentismo-Aufstände geschah. Junge Offiziere, die mit der Situation in der Alten Republik Brasilien unzufrieden waren, richteten die Kanonen auf Rio – die Antwort vom gegenüberliegenden Forte Santa Cruz ließ damals nicht lange auf sich warten.

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Die brasilianische Regierung ließ außerdem ihre beiden Kriegsschiffe São Paulo und Minas Geraes auffahren. Die gemeinsamen Salven, die auf die Festung niedergingen, und mindestens zwei empfindliche Treffer landeten, zwangen die Rebellen nach nur einer halben Stunde zur Kapitulation.

Museu Histórico do Exército (Historisches Heeresmuseum)

Im Copacabana-Fort könnt ihr das Innere einer echten militärischen Festung hautnah erleben und lernt auch etwas über die Geschichte der Armee in Rio. Im Museu Histórico do Exército, dem Heeresmuseum des Copacabana Forts, können die verschiedenen Epochen und Geschehnisse der brasilianischen Armee nachvollzogen werden, obgleich Brasiliens Involvierung in die beiden Weltkriege nur am Rande erwähnt wird. Das Historische Heeresmuseum im Copacabana-Fort zählt zu unseren 10 besten Museen von Rio de Janeiro.

Ebenfalls interessant sind die historischen Artillerie-Geschütze, die in einem idyllischen Park am Meeresufer ausgestellt sind. Gemeinsam mit den Festungen Lage und Imbui ist das Copacabana-Fort außerdem das weltweit einzige, in welchem die Kuppeln mit den Krupp-Kanonen noch besichtigt werden können.

Fortaleza de São João – Geheimtipp mit Ausblick

Die Festung São João bei Rio de Janeiro ist für Besucher zugänglich, allerdings nur nach Voranmeldung und im Zuge von geführten Touren, Brasilien - © Iuliia Timofeeva / Shutterstock
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Die gewaltige Festung São João da Barra zählte einst zu den wichtigsten Verteidigungsanlagen der Guanabara Bucht und der Stadt Rio de Janeiro, ist jedoch im Vergleich zum gut besuchten Forte Santa Cruz in Niterói nahezu ein Geheimtipp.

Das Bollwerk befindet sich in Urca am Fuß des Morro Cara de Cão („Hundskopf-Hügel“) und ist daher auch unter dem Namen „Urca-Festung“ bekannt.

Errichtung der Festung São João da Barra

Das São João Fort in der Bucht von Rio de Janeiro, Brasilien, wird heute noch vom Militär als Trainingszentrum genutzt - © Attila JANDI / Shutterstock
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Die sternenförmige Festung wurde im 16. Jahrhundert auf Geheiß des portugiesischen Königs Sebastian unter der Leitung von Estácio de Sá zum Schutz gegen die Franzosen errichtet. 1872, unter der Regierung von Dom Pedro II, wurde es erweitert, stärker befestigt und mit zusätzlichen Männern und Kanonen ausgestattet. Bis 1991 wurde die Stellung an der Küste verteidigungsbereit gehalten.

Besuch im Fort São João – nur mit Voranmeldung

Die Besichtigungstour durch das São João Fort offenbart faszinierende Einblicke in die Gründungsgeschichte von Rio de Janeiro, Brasilien - © Celso Diniz / Shutterstock
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Für Besucher ist die Festung zugänglich, allerdings nur nach Voranmeldung und im Zuge von geführten Touren. Sowohl Eintritt als auch Führung sind übrigens kostenlos.

São João da Barra ist von der Copacabana und von Ipanema aus mit dem Bus 511 zu erreichen, in Botafogo startet die Linie Nr. 513. Auch Parkplätze stehen am Festungsareal zur Verfügung (die allerdings im Vorfeld angemeldet werden müssen).

Tipp: In der Festung gibt es wenig Schatten, große Teile der Tour finden unter freiem Himmel statt. Aus diesem Grund für einen Besuch des São João Forts am besten die frühen Morgenstunden wählen und in jedem Fall ausreichend Sonnenschutz dabei haben!

Die Besichtigungstour durch das São João Fort dauert etwa 1,5 Stunden und offenbart faszinierende Einblicke in die Gründungsgeschichte von Rio de Janeiro. Von der „Geburtsstätte Rios“ geht es los durch das eindrucksvolle Burgtor in die eigentliche Festung, in der historische Kanonen an die einstigen Verteidigungsanlagen erinnern.

Ausstellungen und ein kleines Museum präsentieren die Geschichte von Festung und Stadt, sowie die jetzige Verwendung des Bollwerks. Es wird heute noch vom Militär als Trainingszentrum genutzt, in dem sich die Soldaten auf die Militär-Olympiade und andere sportliche Wettkämpfe vorbereiten.

Der Ausblick, den die Festung São João zu bieten hat, ist absolut überwältigend. Der Blick fällt über die gesamte Guanabara Bucht, den Corcovado mit der Christusstatue im Tijuca-Wald und die Skylines von Botafogo, Flamengo und der Altstadt von Rio de Janeiro. Der Blick auf Rio ist ähnlich wie vom Zuckerhut, allerdings ist die Stadt um einiges näher.

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Tipp: Den perfekten Abschluss der Besichtigung bildet ein Mittagessen oder ein Kaffee in der Bar Urca, einem kleinen Restaurant im ersten Stock mit herrlicher Aussicht.

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