Ai-Ais/Richtersveld Nationalpark, Südafrika und Namibia

Der Oranje, der Grenzfluss zwischen Namibia und Südafrika, läuft mitten durch den Ai-Ais/Richtersveld Nationalpark hindurch - © FRASHO / franks-travelbox
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Wer auf totale Einsamkeit in freier Natur aus ist, wird den Ai-Ais/Richtersveld Nationalpark lieben! Der grenzübergreifende Park zwischen Namibia und Südafrika lockt mit einer menschenleeren Gebirgswüste und einer überraschend vielfältigen Flora und Fauna.

Der Ai-Ais/Richtersveld Transfrontier Park liegt im Süden von Afrika zwischen Namibia und Südafrika. Der grenzüberschreitende Friedenspark entstand im Jahr 2003 aus dem Zusammenschluss des Richtersveld-Nationalparks in Südafrika und des Gebietes Ai-Ais/Hunsberge in Namibia. Der Oranje, der Grenzfluss zwischen den beiden Ländern, läuft mitten durch den Nationalpark hindurch.

Die Gebirgswüste im Ai-Ais/Richtersveld Nationalpark zeichnet sich durch wilde, ursprüngliche Landschaft, traumhafte Ruhe und absolute Menschenleere aus. Die Routen, die durch den Nationalpark führen, sind teilweise ziemlich abenteuerlich und erfordern unbedingt ein Fahrzeug mit Allradantrieb.

Flora und Fauna im Ai-Ais/Richtersveld Nationalpark

Durch die spärliche Besiedlung konnte sich im Ai-Ais/Richtersveld Nationalpark trotz der Trockenheit eine beeindruckende Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten entwickeln. Im auf den ersten Blick kargen Pflanzenreich sind vor allem die Sukkulenten, niedere Bodenpflanzen, die auch auf Felsen gedeihen, vertreten, von denen viele Arten sonst nirgendwo auf der Welt vorkommen. Hier findet man zum Beispiel den skurrilen „Halbmenschen”, eine etwa 4m hohe Mischung aus Kaktus und Baum, deren kurze Äste und gekräuselte Blätter an der Spitze an einen Kopf erinnern.

Zu den größeren Tieren gehören Bergzebra, Springböcke, Rehantilopen, Steinböcke, Paviana und Klippspringer, als größtes Raubtier ist der scheue Leopard vertreten. Die Mondlandschaft des Ai-Ais/Richtersveld Nationalparks gilt daher als artenreichste Wüste der Welt.

Tipp: Vor allem am Ende der Trockenzeit von Jänner bis Februar ziehen sich die Tiere an die lebensspendende Wasserader des Oranje River zurück, wo sie ideal beobachtet werden können.

Besuch des Ai-Ais/Richtersveld Nationalparks

Im Ai-Ais/Richtersveld Nationalpark herrscht alles andere als Massentourismus. Das liegt schon einmal daran, dass das relativ abgelegene Gebiet am besten mit dem Flugzeug erreicht werden kann. Von Kapstadt in Südafrika oder Windhoek in Namibia benötigt man mit dem Auto nahezu einen ganzen Tag (9-10 Stunden). Die wildromantischen Hänge des Naturschutzgebietes werden hauptsächlich von Naturforschern und Südafrika-Kennern durchstreift.

Wilde, ursprüngliche Landschaft, traumhafte Ruhe und absolute Menschenleere findet man im im Ai-Ais/Richtersveld Nationalpark in Namibia - © FRASHO / franks-travelbox
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Beste Reisezeit für den Ai-Ais/Richtersveld Nationalpark

Das wüstenartige Klima im Ai-Ais/Richtersveld Nationalpark ist hohen Schwankungen unterworfen. Im Sommer von Oktober bis Februar ist es heiß und trocken, mit extremen Temperaturen von bis zu 50°C. Nachts ist es hingegen kühl und im Winter von April bis September kann es sogar zu Bodenfrost kommen. Die lebensspendende Feuchtigkeit kommt überwiegend vom Morgennebel, der vom kalten Atlantik über die Bergwüste zieht.

Unterwegs im Ai-Ais/Richtersveld Nationalpark

Die Rundreise durch den Ai-Ais/Richtersveld Nationalpark erfolgt am besten mit dem Auto, das auf den sandigen bis steinigen Pisten mit Allradantrieb und großer Bodenfreiheit ausgestattet sein muss. Normale PKWs dürfen den Nationalpark gar nicht befahren. Weichsandige Flussbetten und steile Bergpässe erfordern einige Erfahrung im Offroad-Fahren.

Tipp: Vor allem Offroad-Anfänger sollten sich nicht allein, sondern nur im Konvoi oder zumindest mit einem zweiten Fahrzeug auf die abenteuerlichen Pisten des Ai-Ais/Richtersveld Nationalparks wagen. Im gesamten Park gibt es keinen Handy-Empfang!

Der Parkeingang und das Parkbüro liegen in Sendelingsdrift nahe der namibischen Grenze. Hier gibt es auch eine letzte Möglichkeit, einzukaufen und zu tanken. Frisches Obst und Gemüse sollte allerdings schon vorher besorgt worden sein.

Bei Einbruch der Dunkelheit muss jedes Fahrzeug den Nationalpark entweder verlassen haben, oder in einem der Campsites eingekehrt sein, Nachtfahrten sind strikt untersagt. Mögliche Camps sind Sendelingsdrift (gleich am westlichen Parkeingang und richtig luxuriös mit Klimaanlage und Swimmingpool), Tatasberg und Ganakouriep. Lediglich Campingplätze ohne Hütten sind Potjiespram, De Hoop, Richtersberg, Kokerboomkloof, Hakkiesdoring und das Hiking Trails Base Camp.

Tipp: In den Camps im Ai-Ais/Richtersveld Nationalpark gibt es keinerlei Shops, Trinkwasser, Proviant und auch Feuerholz müssen mitgebracht werden. In Sendelingsdrift gibt es Snacks, Getränke und Sprit – allerdings nicht am Wochenende.

Sehenswertes im Ai-Ais/Richtersveld Nationalpark

Fish River Canyon

Hauptattraktion des Ai-Ais/Richtersveld Nationalpark ist der zweitgrößte Canyon der Welt, eine spektakuläre, 350 Millionen Jahre alte Schlucht. Mehrere Aussichtspunkte bieten sensationelle Ausblicke über den Fish River Canyon. Im Zuge von geführten Touren, die bis zu mehreren Tagen dauern können, kann dieser atemberaubende Naturschauplatz erkundet werden. Eine gewisse körperliche Fitness ist dafür allerdings Voraussetzung.

Blick in den Fish River Canyon im Süden Namibias - mit einer Länge von 160km und bis zu 27km Breite ist er der zweitgrößte Canyon der Welt - © FRASHO / franks-travelbox
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Ai Ais – Thermalbad in der Wüste

In der Ortschaft von Ai Ais, im südlichen Tal des Fish River Canyons nutzt ein Thermalbad die dort vorkommenden heißen Quellen. Das Wasser in den Becken ist um die 60°C heiß, was allerdings im Sommer bei Außentemperaturen von 45-50°C nicht unbedingt verlockend ist. So wird das staatlich geführte Thermalbad, dessen mineralstoffreiches Wasser gegen Rheuma wirkt, hauptsächlich im Winter als Erholungszentrum genutzt. Die Hotelräumlichkeiten und der Campingplatz fungieren außerdem als Ausgangspunkt für Touren in den Fish River Canyon oder in die Hunsberge.

Kulturlandschaft Richtersveld – Heimat der Nama

Im Süden des Ai-Ais/Richtersveld Nationalparks schließt die Kulturlandschaft Richtersveld an, in der die Nama, die Ureinwohner Südafrikas, beheimatet sind. Sie leben noch heute in traditionellen Hütten, die wie Iglus aussehen. Früher nur aus Holz und Binsen gefertigt, sind sie heute mit Segeltuch und Plastikfolien schon ordentlich wetterfest. Das letzte Rückzugsgebiet dieses Nomadenvolkes zählt seit 2007 zum Weltkulturerbe der UNESCO, damit die Nama ihr Vieh ungehindert von Weideplatz zu Weideplatz führen können. Die Ziegen-, Esel- und Schafsherden der Wanderhirten tragen zur Erhaltung der Vegetation bei, ein Gleichgewicht, das sich in den letzten zweitausend Jahren entwickelt hat.

Weiterführende Links:

Website des Ai-Ais-Richtersveld-Nationalparks (englisch)
Buchungsmöglichkeit für Campingplätze im Ai-Ais-Richtersveld-Nationalpark (englisch)