Twyfelfontein, Namibia

Eines der über 2.500 Felsbilder in Twyfelfontein - es sind überwiegend Jagdszenen dargestellt, in denen Menschen mit Pfeil und Bogen auf Jagd gehen, Namibia - © FRASHO / franks-travelbox
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Im Tal von Twyfelfontein im Nordwesten von Namibia sind auf über 200 Felsplatten an die 2.500 Felszeichnungen eingeritzt. Die ältesten von ihnen reichen bis in die Steinzeit zurück.

Als Twyfelfontein (aus dem afrikaans wörtlich „Zweifelquelle”) werden eine Quelle und ein Tal im extrem trockenen Damara-Bergland im Nordwesten Namibias bezeichnet. Die weißen Farmer, die sich 1947 in der Region Kunene ansiedelten, befanden die Quelle als nicht zuverlässig und nannten sie daher Twyfelfontein. Diese Bezeichnung wurde später auf das gesamte Tal ausgeweitet. Seit 1952 gilt das Tal etwa 90km westlich von Khorixas als Nationales Denkmal von Namibia. 2007 wurde es von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt.

BILDER: Twyfelfontein

 

2500 Felsmalereien und -gravierungen

Die Attraktion von Twyfelfontein ist jedoch nicht seine Quelle, sondern eine Unmenge an Felszeichnungen und -schnitzereien, die zu den ältesten Abbildungen auf dem gesamten afrikanischen Kontinent gehören.

Auf über 200 Felsplatten sind etwa 2.500 Abbildungen eingeritzt oder aufgemalt. Dabei sind überwiegend Jagdszenen dargestellt, in denen mit Pfeil und Bogen ausgerüstete Menschen auf Giraffen, Zebras, Antilopen, Nashörner und Löwen losgehen. Es gibt jedoch auch abstrakte Figuren und menschliche Fußabdrücke. Die bekanntesten Felszeichnungen sind der „Große Elefant”, der „Tanzende Kudu”, ein ca. 20cm großes Fabelwesen, und die „Löwenplatte”, auf der ein Löwe mit mächtigen Pranken und abgeknicktem Schwanz zu sehen ist.

Eine der bekanntesten Felszeichnungen in Twyfelfontein, die „Löwenplatte“, auf der ein Löwe mit mächtigen Pranken und abgeknicktem Schwanz zu sehen ist, Namibia - © FRASHO / franks-travelbox
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Etwas ungewöhnlich ist die Felszeichnung einer Robbe, da das Meer von Twyfelfontein über 100km entfernt ist. Es wird angenommen, dass die Felsbilder keinen rituellen Sinn hatten, sondern vielmehr der Ausbildung von Kindern und Jägern dienten.

Entstehung der Felsbilder von Twyfelfontein

Die spektakulären Felsenbilder stammen von Kulturen aus der Mittel- und Jungsteinzeit und sind viele tausend Jahre alt. Erst 4.000 vor Christus konnte man die Felsbilder an Kulturen festmachen. Diese wurden zuerst der Wilton-Kultur und ab etwa 500 vor Christus den Khoikhoi zugeschrieben. Wer die Abbildungen „entdeckt” bzw. dem europäischen Kulturkreis zugänglich gemacht hat, ist nicht geklärt.

Wer die Felszeichnungen von Twyfelfontein in Namibia „entdeckt" bzw. dem europäischen Kulturkreis zugänglich gemacht hat, ist nicht geklärt - © FRASHO / franks-travelbox
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Auch das Entstehungsalter der Felsbilder festzustellen ist schwierig und kann nur anhand der Oberflächenverwitterung des Gesteins geschätzt werden, da das Eisen im Sand mit der Zeit durch die Oxidation eine immer dunklere Rotfärbung annimmt. Es wird jedoch angenommen, dass die ältesten Graffiti über 10.000 Jahre alt sind und die jüngsten noch aus unserer Zeit stammen.

Hergestellt wurden die Ritzungen vermutlich mit Quarz-Werkzeugen, was ziemlich mühsam gewesen sein muss. Felsmalereien sind deutlich weniger zu finden, vielleicht haben sie aber auch einfach die Jahrtausende nicht so gut überdauert wie die eingeritzten Bilder.

Besichtigung der Felsbilder von Twyfelfontein

Die Felszeichnungen liegen gute zwei Autostunden von der Skelettküste entfernt. Zum Tal von Twyfelfontein biegt man von der C39 auf die D3254 ab. Vorbei an spektakulären Felsformationen führt eine gut befahrbare Piste bis zu einem Parkplatz. Im Besucherzentrum bezahlt man eine kleine Gebühr und kann dann in Begleitung eines Führers das Gelände besichtigen. Eine Erkundung auf eigene Faust ist nicht möglich.

Zur berühmten Felsformation – das Löwenmaul - in Twyfelfontein kommt man nur wenn man den längeren, ca. 2 Stunden dauernden Weg nimmt, Namibia - © FRASHO / franks-travelbox
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Es gibt eine kurze und eine lange Route durch das Gelände. Ein ausgeschilderter Rundwanderweg führt zu den acht schönsten Steinplatten, für den man etwa 2 Stunden Zeit einplanen sollte. Dieser führt auch am steinernen “Löwenmaul” vorbei. Der Weg ist teilweise steil und schwierig zu begehen, gutes Schuhwerk ist daher sehr empfehlenswert. In der Hitze Namibias ist auch an ausreichend Wasser und Sonnenschutz zu denken.

Tipp: Die Führer nehmen überwiegend die kurze Route. Wer alle Felsbilder und auch die berühmte Felsformation – das Löwenmaul – sehen will, sollte auf die lange Route bestehen. Die Führer sprechen hauptsächlich einfaches Englisch.

Die ältesten Felszeichnungen von Twyfelfontein sind an die 4.000 Jahre alt und reichen somit bis in die Steinzeit zurück, Namibia - © FRASHO / franks-travelbox
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Viele der gravierten und bemalten Felsen wurden bereits entwendet, wodurch Twyfelfontein mittlerweile streng geschützt ist. Es ist wohl überflüssig zu erwähnen, dass das Mitnehmen von Steinen aus dem historisch wertvollen Tal nicht gestattet ist. Auch die sonstige Behelligung der Gravuren ist streng verboten.

Tipp: Wer die Felsbilder in aller Ruhe und große Touristenmassen besichtigen möchte, sollte eine Übernachtung im nahegelegenen Aba Huab einlegen. Von dort kann man in der Früh zu den Felsbilder aufbrechen und vermeidet so die Busgruppen.

Auf dem Rückweg von Twyfelfontein sollte man noch einen Abstecher zum „Verbrannten Berg” machen, einem kohlschwarzen Gebilde aus erstarrter Lava, und den “Orgelpfeifen von Namibia“, orgelpfeifenförmigen Basaltsäulen, die ebenfalls ganz in der Nähe liegen. Auch der berühmte „Versteinerte Wald” befindet sich hinter einem Zaun direkt an der Straße nach Khorixas.