Skelett-Küste, Namibia

Wie verfaulte Zähne ragen die Überreste der verunglückten Schiffe aus dem Sand der Skelettküste in Namibia - © Valdecasas / Shutterstock
© Valdecasas / Shutterstock

Die Skelett-Küste im Westen von Namibia ist der größte Schiffsfriedhof der Welt. Doch in der unwirtlichen Umgebung zwischen gefährlicher Brandung und endloser Wüste sind auch prachtvolle Naturschönheiten und faszinierende Lebewesen zu finden.

Die Skelettküste ist jener Teil der Wüste Namib in Namibia, der im Westen an den Atlantik grenzt und zählt zu den lebensfeindlichsten Gebieten der Erde. Mit einem Alter von 1,5 Milliarden Jahren ist sie noch dazu eine der ältesten Gesteinsformationen unseres Planeten.

Ihren Namen hat die Skelettküste von hunderten Schiffswracks und Walknochen, die seit Jahrhunderten im heißen Sand verrotten. Dichte Nebelschwaden durch den kalten Benguela-Strom, eine heftige Brandung und heimtückische Strömungen wurden sowohl Seefahrern und Piloten als auch vorbeiziehenden Walen zum Verhängnis. Schiffbrüchige, die sich an die Küste retten konnten, waren nicht wirklich gerettet – in der hunderte Kilometer langen Sandwüste hinter der Küste gab es keine Überlebenschance.

BILDER: Skelettküste

 


Leben an der Skelettküste?

Man mag es kaum glauben, doch auch an der Skelettküste gibt es Leben. Das fischreiche Meer hat riesige Kolonien von Ohrenrobben angelockt, die sich in Gruppen bis zu 100.000 Tieren über Namibias Atlantikküste verteilen. Die meisten sind im unzugänglichen Diamantensperrgebiet im Süden zu finden, doch am Kreuzkap etwa 70km nördlich von Hentiesbucht können die Robbenkolonien besichtigt werden.

Ebenfalls von den Fischen ernähren sich Kapkormorane, die eine alte Ölbohrstation nördlich des Huab-Rivers zu ihrem Brutplatz auserkoren haben.

Neben Robben und Vögeln leben noch Wüstenlöwen, Schabrackenschakale, Schabrackenhyänen, Giraffen, Nashörner, Gemsböcke, Zebras und Kudus an der Skelettküste. Zu den nur hier vorkommenden Arten zählen die Sandschildechse und der Nebeltrinkkäfer. Die Kuriosität unter den Pflanzen sind die so genannten „Lebenden Steine”, mehrere Zentimeter große, kugelförmige Pflanzen, die scheinbar keine Blätter haben und vollständig in der Erde verschwinden können.

Eine weitere Kuriosität sind die sagenumwobenen Wüsten-Elefanten. Von Einheimischen immer wieder gesichtet, glaubten Wissenschaftler lange nicht an ihre Existenz, denn Elefanten brauchen viel mehr Wasser und Nahrung als an der Skelettküste vorhanden. Mittlerweile haben jedoch Tierfilmer, allen voran Des und Jen Bartlett, den Gegenbeweis erbracht. Es leben tatsächlich Elefanten an der Skelettküste, allerdings ist nicht sicher, ob diese eine Unterart der Afrikanischen Elefanten sind. Die Dickhäuter der Namib haben sich perfekt an das raue Leben in der Wüste angepasst. Sie sind kleiner und haben breitere Füße, wodurch sie auf der Suche nach Futter mit 70 Kilometern etwa die siebenfache Strecke ihrer afrikanischen Artgenossen zurücklegen können. Noch dazu können sie vier Tage ohne Wasser auskommen, während „normale” Elefanten an die 160 Liter pro Tag trinken müssen.


 

Die Skelettküste reicht von Swakopmund bis zum Kunene, dem Grenzfluss zu Angola und etwa 30-40km ins Landesinnere hinein. Im Süden wurde ein öffentliches Naherholungsgebiet eingerichtet, in dem seine reichen Fischvorkommen mehrere Anglercamps entstehen ließen. Hentiesbucht hat sich dabei zu einer regelrechten Stadt entwickelt. Der nördliche Teil der Skelettküste steht als Skeleton Coast National Park unter Naturschutz.

So schön die Skelettküste in Namibia sein mag, so tödlich war früher ihr Hinterland - © Pichugin Dmitry / Shutterstock
© Pichugin Dmitry / Shutterstock

Der Skeleton Coast National Park wurde im Jahr 1971 gegründet und erstreckt sich vom Ugab River bis zum Kunene an der Grenze zu Angola. 2009 wurde er in den Namib-Skelettküste-Nationalpark eingegliedert und ist nun mit einer Fläche von 16.000km² der drittgrößte Nationalpark des Landes.

Besuch des Namib-Skelettküste-Nationalparks

Der Skeleton Coast National Park kann in zwei Zonen unterteilt werden. Die südliche ist mit einem Erlaubnisschein frei zugänglich, die nördliche kann nur im Zuge von Führungen besucht werden. Die beste Zeit für einen Besuch ist April bis Juni. In diesen Monaten gibt es weder heftige Niederschläge noch sichttrübende Nebelschwaden.

Das Eingangstor zum Park liegt vor dem Ugab River wenige Kilometer nördlich der Meile 108 und ist unübersehbar mit zwei Totenköpfen gekennzeichnet. Individualreisende benötigen eine Erlaubnis für den Besuch des Nationalparks und müssen um 17 Uhr den Park entweder wieder verlassen haben, oder in einer Unterkunft eingekehrt sein. Nach 15 Uhr werden keine Fahrzeuge mehr in den Park gelassen.

Tipp: Die Pisten im Namib-Skelettküste-Nationalpark sind zwar gut befahrbar, ein Allradfahrzeug ist jedoch zu empfehlen, da man immer wieder auf sandiges Gelände stößt.

Zwei Seelöwen an der unwirtlichen Skelettküste in Namibia - © Jiri Haureljuk / Shutterstock
© Jiri Haureljuk / Shutterstock

Als Übernachtungsmöglichkeiten bietet sich Terrace Bay an, wo es neben Schlafplätzen auch einen kleinen Shop und eine Tankstelle gibt. Auf dem Weg dorthin kommt man in Torra Bay vorbei, ein Paradies für passionierte Fischer, in dem es außerhalb der Angelsaison im Dezember angenehm ruhig ist. Schlafen kann man hier jedoch nur im Dezember und Jänner. Wenige Kilometer nördlich von Torra Bay liegt das ausgebleichte Wrack der „Atlantic Pride” im heißen Wüstensand.

Die Skelettküste aus der Luft

So grausam und gefährlich die Skelettküste auch ist, so atemberaubend ist ihre überbordende Schönheit. Die unwirtliche Weite der Skelettküste kann am besten aus der Luft erlebt werden. Im Zuge der so genannten „Fly-in-Safaris” bewegt man sich in sicherer Höhe über die spektakuläre und doch so tödliche Landschaft. Mit dem Flugzeug kann auch der ansonsten unzugängliche Norden besichtigt werden, an dem die meisten Schiffswracks liegen. Der größte private Anbieter für derartige Ausflüge ist die Schoeman-Familie mit ihren Skeleton Coast Safaris, die Besuchern (gegen nicht wenig Geld) die Schönheit der Skelettküste sowohl mit dem Flugzeug als auch mit dem Geländewagen näher bringt.

Weitere Attraktionen an der Skelettküste

Neben den atemberaubenden Eindrücken der Küstenregion gibt es im Namib-Skelettküste-Nationalpark noch andere Attraktionen zu entdecken. Zu den fantastischsten zählt wohl ein Wasserfall mitten in der Wüste, der in einem farbenprächtigen Sandstein-Canyon zu finden ist. In der Nähe des Hoarusib-Flusses im nördlichen Teil des Namib-Skelettküste-Nationalparks sind die so genannten „Röhrenden Dünen von Terracebucht” zu finden. Hier erzeugen je nach Windrichtung und -stärke „Sandlawinen” ein donnerndes Geräusch, das einem Flugzeuggeschwader Konkurrenz macht und über viele Kilometer zu hören ist.

Sanddünen Panorama an der Skelettküste in Namibia - © Watchtheworld / Shutterstock
© Watchtheworld / Shutterstock

Passionierte Wanderer können sich auf die Ugab River Hiking Route wagen, die drei Tage lang etwa 50km am Fluss entlang führt. Wie auch bei Wanderungen im Fish River Canyon ist hier ein ärztliches Attest erforderlich, denn für die Wanderung ist eine gewisse Fitness erforderlich. Proviant und Ausrüstung muss selbst mitgebracht und getragen werden. Wem dies zu anstrengend ist, der kann auf den weniger fordernden Uniab Delta Walk zurückgreifen, ein Tagesausflug, der sich hervorragend für Tierbeobachtung eignet.

Weitere Ziele in der näheren Umgebung sind der „Verbrannte Berg“, ein pechschwarzer Felsen aus orgelpfeifenähnlichen Basaltpfeilern, oder die jahrtausendealten Felsbilder von Twyfelfontein.

Weiterführende Links:

Offizielle Website der Skeleton Coast Safaris (englisch)