Potosí, Bolivien

Die Silberstadt Potosí in Bolivien war im 17. Jahrhundert Münzprägezentrum der Spanier und zählt heute zum UNESCO-Weltkulturerbe - © milosk50 / Shutterstock
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Die Silberstadt Potosí war im 17. Jahrhundert Münzprägezentrum der Spanier und die bedeutendste Minenstadt des amerikanischen Kontinents. Heute zählt sie zum UNESCO-Weltkulturerbe, der Reichtum von damals kann jedoch nur noch erahnt werden.

Potosí ist die größte Stadt im südlichen Bolivien und zählt zu den höchstgelegenen Städten der Welt. Auf 4.090 Metern Seehöhe ist die Luft bereits dünn, die Stadt und ihre Umgebung jedoch – im wahrsten Sinne des Wortes – umso atemberaubender.

BILDER: Potosí

 

Als ehemalige Silberstadt lebt Potosí immer noch hauptsächlich vom Bergbau, gewinnt jedoch auch immer mehr Bedeutung im Tourismus. Vor allem seit 1987, als die Kolonialbauten Potosís von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurden, steigt die Besucherzahl stetig an.

Silberstadt Potosí

Dank der reichen Vorkommen an Silber und Zinn im Cerro del Potosí, der aus diesem Grund auch Cerro Rico („Reicher Berg“) genannt wird, war die Stadt im 17. Jahrhundert weltweit bekannt. Ähnlich wie London, Berlin oder Paris gehörte Potosí damals zu den größten Städten der Erde und war über Jahrhunderte das Münzprägezentrum Spaniens. Bereits die Inkas nutzten die Schätze des Berges, doch die richtige Ausbeutung kam erst mit den spanischen Conquistadores.

Am 10. April 1545 wurde in Bolivien die erste Bergbausiedlung am Cerro Rico gegründet, aus der später die reiche Silberstadt Potosí hervorging - © Matyas Rehak / Shutterstock
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Am 10. April 1545 wurde die erste Bergbausiedlung gegründet. Diese wurde 1572 unter Vizekönig Francisco de Toledo zur Stadt Villa Rica de Potosí, in der die erste Münzpresse entstand. Silber, das nicht direkt in Bolivien verarbeitet wurde, wurde auf Lamas und Mulis an die pazifische Küste transportiert und von dort aus mit den bei Piraten begehrten Schatz-Schiffen der Spanier nach Europa gebracht.

Nach wie vor wird im Cerro Rico Silber, Kupfer und Zinn abgebaut und nach wie vor unter grauenhaften Bedingungen. Die Arbeit unter Tage birgt immer noch überdurchschnittlich viele Gefahren, nahezu alle „Mineros“ leiden an einer Staublunge und so mancher ist schon bei Einstürzen oder Explosionen ums Leben gekommen. Dennoch arbeiten jetzt noch an die 15.000 Indios in den Minen, darunter auch (illegal) Kinder und Jugendliche, denn alternative Arbeitsplätze gibt es so gut wie keine in der Gegend um Potosí.

Sehenswürdigkeiten in Potosí

Nahezu das gesamte Zentrum von Potosí stammt noch aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die sorgfältig restaurierten Palais, Villen und Herrenhäuser zählen zu den prächtigsten Kolonialbauten weltweit und wurden 1987 auf die Weltkulturerbeliste der UNESCO aufgenommen. Folgende Sehenswürdigkeiten sollte man auf seiner Sightseeing-Tour durch Potosí auf keinen Fall versäumen:

Kathedrale von Potosí

Die gewaltige Kathedrale San Luis dominiert mit ihren wuchtigen Glockentürmen das Stadtbild und bietet einen herrlichen Ausblick über Potosí, Bolivien - © Daria Zagraba Tam Wroce / Shutterstock
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Die prächtige San Luis Kathedrale am zentralen Plaza 10 de Noviembre dominiert mit ihren wuchtigen Glockentürmen das Stadtbild von Potosí. Mit ihrer kunstvollen Fassade zählt sie zu den bedeutendsten Kolonialbarockbauten von Lateinamerika. Sehenswert ist außerdem die Aussicht von ihrem Glockenturm.

Kloster Santa Teresa

Die Räumlichkeiten des Klosters Santa Teresa in Potosí zeigen auf beeindruckende Weise, in welcher Abgeschiedenheit die Karmeliter-Nonnen hier einst lebten, Bolivien - © Matyas Rehak / Shutterstock
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Das Karmeliter-Kloster Santa Teresa entstand ab dem Jahr 1685, seine Fertigstellung dauerte 7 Jahre. Damals zählte es zu den angesehensten Klöstern Boliviens. Nur sehr wohlhabende Familien konnten es sich leisten, ihre Töchter hier unterzubringen. Auf einer ausführlichen Tour durch die Klosterräumlichkeiten kann das völlig abgeschottete Leben der Nonnen auf beeindruckende Weise nachvollzogen werden.

Casa Real de la Moneda (Königliches Schatzhaus)

Das Casa Real de la Moneda im Zentrum von Potosí, Bolivien, gilt als eines der schönsten und wichtigsten Zeugnissen spanischer Kolonialarchitektur - © Matyas Rehak / Shutterstock
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Dieser Münzprägeanstalt ist es zu verdanken, dass das koloniale Potosí im 17. Jahrhundert zu einer der weltweit wichtigsten Städte wurde. Das Gebäude zählt zu den schönsten und wichtigsten Zeugnissen spanischer Kolonialarchitektur in ganz Lateinamerika. Noch bis ins 20. Jahrhundert florierte die Münzprägung im Casa de la Moneda. Heute dient der majestätische Kolonialbau als Münz-Museum, in dem anhand von historischen Gerätschaften der Entstehungsprozess einer Münze nachvollzogen werden kann.

Kirche und Kloster San Francisco

Eine Führung durch das Kloster San Francisco führt auch auf das Dach, wo Potosí den Besuchern zu Füßen liegt, Bolivien - © Daria Zagraba Tam Wroce / Shutterstock
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Das San Francisco Kloster wurde im Jahr 1547 von Bruder Gaspar de Valverde als erstes Kloster Boliviens gegründet und ist heute eines der interessantesten Gotteshäuser der Minenstadt Potosí. Für Besucher zugänglich sind die reich dekorierte Klosterkirche, die Klosterräumlichkeiten, die Katakomben und das Dach mit sensationellem Blick über die Stadt.

Iglesia San Lorenzo

Die Iglesia San Lorenzo zählt zu den schönsten Barock-Kirchen und den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Silberstadt Potosí, Bolivien - © saiko3p / Shutterstock
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Die UNESCO listet die Iglesia San Lorenzo als herausragendes Beispiel für behauenen Naturstein im Kolonialbarock. Tatsächlich gehört das Gotteshaus ohne Zweifel zu den schönsten Barock-Kirchen von Potosí. Die steinerne Fassade der Iglesia San Lorenzo ist sogar noch eindrucksvoller als die der San Luis Kathedrale und weist sowohl christliche Symbole als auch indigene Gottheiten auf. Vor allem der filigrane Schmuck des aufwändig dekorierten Eingangsportals im Stil des so genannten Mestizen-Barock verdient genauere Betrachtung!

Iglesia San Martin und Torre de la Compañía

Von der barocken Jesuiten-Kirche La Compañía in Potosí, Bolivien, ist heute nur noch der wunderschön verzierte Glockenturm aus dem Jahr 1707 erhalten - © Matyas Rehak / Shutterstock
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Neben der Franziskus- und Lorenzo-Kirche sind auch die barocken Kirchen San Martín und der La Compañía sehenswert. Letzterer war einst die Jesuitenkirche der Stadt, von der heute nur noch der Torre de la Compañía, ein wunderschön verzierte Glockenturm aus dem Jahr 1707, erhalten ist.

La Capilla de Nuestra Señora de Jerusalén

Die kleine Kapelle am Plaza del Estudiante ist in kaum einem Reiseführer zu finden, zählt jedoch mit ihrer interessanten Entstehungsgeschichte ebenfalls zu den Sehenswürdigkeiten von Potosí. Sie wurde ursprünglich als einfache Gebetsstätte errichtet und der Virgen de Candelaria (Jungfrau der Kerzen) geweiht. Damit sollten die Indios, die in den Minen des Cerro Rico arbeiteten, von der Verehrung des Tío (Teufels) und der Mutter Erde Pachamama abgehalten werden. Die Jungfrau der Kerzen wurde als Symbol der umliegenden Vulkane gewählt, die von den Einheimischen ebenfalls als göttlich verehrt wurden. Im 18. Jahrhundert wurde sie mit wesentlich kunstvollerer und aufwändigerer Architektur neu errichtet.

Mercado de los Mineros

Der “Markt der Minenarbeiter” hält für seine Kunden ganz besondere Waren bereit. Unter anderem ist dies der einzige Markt der Welt, auf dem man legal Dynamit und anderen hochexplosive Mischungen kaufen kann. Auch 96%iger Alkohol ist im Sortiment dieses außergewöhnlichen Marktes vorhanden. Die Mineros, die im Cerro Rico nach Silber schürfen, decken sich hier mit Verpflegung, Koka-Blättern und eben auch Sprengstoff ein.

Der 4.824m hohe Cerro de Potosí ist dank seiner reichen Silbervorkommen bis heute wie ein Schweizer Käse von Stollen durchlöchert, Bolivien - © saiko3p / Shutterstock
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Silberminen im Cerro Rico

Der 4.824m hohe Cerro del Potosí ist bis heute wie ein Schweizer Käse von Stollen durchlöchert. Der nahezu perfekte Kegel ist für die Stadt Fluch und Segen gleichzeitig. Er bietet Arbeit und damit Geld, dessen Preis jedoch viele Minen-Arbeiter mit dem Leben bezahlen. Durch die Minen werden Führungen angeboten, die zwischen einer und drei Stunden dauern. In Schaustollen kann den Mineros sogar bei ihrer harten Arbeit über die Schulter geschaut werden.

Gemeinsam mit den Kolonialbauten von Potosí wurden auch die Industrieanlagen des Cerro Rico zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. In diesem Zusammenhang besonders erwähnenswert sind die künstlichen Seen Kari Kari mit den ausgeklügelten Aufbereitungsanlagen für das Silbererz und die Quartiere der Minen-Arbeiter.

Ausflüge von Potosí

Potosí ist in die typische Kulisse des bolivianischen Hochlandes eingebettet. Karge Ebenen und Geröllfelder mit spärlicher Vegetation dominieren das Landschaftsbild, unterbrochen von hoch aufragenden Gipfeln und den bunten Farbtupfern schimmernder Lagunen.

Tarapaya und Kari Kari

Im Westen von Potosí, Bolivien, ist mit der Hacienda Cayara eine der ältesten Landsitze Südamerikas zu finden - © Matyas Rehak / Shutterstock
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Zu den beliebtesten Ausflugszielen von Potosí gehören die heißen Quellen von Tarapaya, auch „Oje del Inka“ („Auge des Inka“) genannt und die Lagunas Kari Kari. Diese künstlichen Seen wurden für die Wasserversorgung der Bergwerksarbeit künstlich angelegt und befinden sich in östlicher Richtung direkt oberhalb der Stadt.

Hacienda Cayara

Im Westen von Potosí ist mit der Hacienda Cayara einer der ältesten Landsitze Südamerikas zu finden. Das Landgut wurde 1557 nur wenige Jahre nach der Gründung von Potosí von Don Juan de Pendones gegründet und war immer im Besitz einflussreicher Familien. Nicht nur der geschichtliche Hintergrund, sondern auch ein koloniales Museum und ein gehobenes Hotel machen die Hacienda Cayara einen Besuch wert.