Cerro del Potosí (Cerro Rico) in Potosí, Bolivien

Die Arbeit im Cerro Rico in Potosí birgt immer noch überdurchschnittlich viele Gefahren, Sicherheitsvorkehrungen gibt es kaum, Bolivien - © dani3315 / Shutterstock
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Die reichen Silberschätze im Cerro Rico machten Potosí einst zu einer der größten Städte der Welt. Nach wie vor wird in den Minen gearbeitet und nach wie vor zu grauenhaften Bedingungen.

Der Cerro de Potosí, Hausberg der Stadt Potosí im Süden von Bolivien, wird auch Cerro Rico, „reicher Berg“, genannt. Dank seiner ergiebigen Vorkommen an Silber und Zinn war Potosí im 17. Jahrhundert größer als Paris oder London. Bereits die Inkas nutzten die Schätze des Berges, doch die richtige Ausbeutung kam erst mit den spanischen Conquistadores, die Potosí zu ihrem Münzprägezentrum machten. Was nicht direkt in Bolivien verarbeitet wurde, wurde auf Lamas und Mulis an die pazifische Küste transportiert und von dort aus mit den bei Piraten begehrten Schatz-Schiffen der Spanier nach Europa gebracht.

BILDER: Cerro Rico in Potosí

Der 4.824m hohe Cerro de Potosí ist bis heute wie ein Schweizer Käse von Stollen durchlöchert. Der nahezu perfekte Kegel ist für die Stadt Fluch und Segen gleichzeitig, denn er bietet Arbeit und damit Geld, dessen Preis jedoch viele Minen-Arbeiter mit dem Leben bezahlen.

Die heutigen Mineros im Cerro de Potosí

Es arbeiten immer noch an die 15.000 Indios in den Minen, darunter auch (illegal) etwa 1000 Kinder und Jugendliche, denn alternative Arbeitsplätze gibt es so gut wie keine in der Gegend um Potosí. Heutzutage können die Mineros das Silber, das sie abbauen, zumindest selbst verkaufen und arbeiten nicht mehr ausschließlich in die Tasche der Europäer.

Die Arbeit unter Tage birgt immer noch überdurchschnittlich viele Gefahren, Schutzkleidung oder Sicherheitsvorkehrungen gibt es nicht. Nahezu alle „Mineros“ leiden an einer Staublunge und so mancher ist schon bei Einstürzen oder Explosionen ums Leben gekommen.

Bis heute wird am Cerro Rico in Potosí auf einfachste Art und Weise Silber, Kupfer und Zinn abgebaut, Bolivien - © saiko3p / Shutterstock
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Bei den Einheimischen heißt der Cerro Rico deswegen auch „La montaña que come los hombres vivos“, „der Berg, der die lebenden Menschen frisst“. In den gottverlassenen Stollen unter der Erde beten die Mineros zu Tío, dem Teufel, für reiche Funde und unfallfreie Arbeit. Mit Zigaretten, Alkohol und Kokablättern wird nicht nur die eigene Arbeit erleichtert, sondern auch Tío (wörtlich „Onkel“) gnädig gestimmt.

Besuch der Minen im Cerro Rico

Die Industrieanlagen des Cerro Rico, allen voran die künstlichen Seen Kari Kari und die Quartiere der Minen-Arbeiter, zählen seit 1987 zum Weltkulturerbe der UNESCO und tauchen zunehmend auf dem Radar von Touristen auf.

Durch die Minen werden Führungen angeboten, die zwischen einer und drei Stunden dauern. Dazu gehört auch ein Besuch auf dem Mercado de los Mineros, auf dem die Minen-Arbeiter Verpflegung und Sprengstoff (!) kaufen. In Schaustollen kann den Mineros bei ihrer harten Arbeit über die Schulter geschaut werden.

In Schaustollen kann den Mineros von Potosí bei ihrer harten Arbeit im Cerro Rico über die Schulter geschaut werden, Bolivien - © mikluha_maklai / Shutterstock
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Die Besucher können noch halbwegs bequem gehen, obwohl so mancher Stützpfeiler eindeutig schon bessere Zeiten gesehen hat. In manchen der vier Geschoße, in denen abgebaut wird, muss die anstrengende Bergwerksarbeit stundenlang im Liegen vollzogen werden. Ein ebenso unvergesslicher wie niederschmetternder Einblick in die unmenschlichen Arbeitsbedingungen im Cerro del Potosí!