Katakomben von San Callisto in Rom, Italien

Vor der Befreiung des Christentums wurden die Christen in Rom heimlich in den riesigen Katakomben von San Callisto bestattet, Italien - © GerardM,CC BY-SA3.0/Wiki
© GerardM,CC BY-SA3.0/Wiki

Die Katakomben von San Callisto waren die erste heimliche Begräbnisstätte der frühen Christen. 16 Päpste, 100 Märtyrer und rund eine Million Christen wurden in dem unterirdischen Labyrinth bestattet. Knochen gibt es keine mehr zu sehen, doch die engen Gänge mit den unzähligen einst reich verzierten Grabnischen sind in jedem Fall einen Besuch wert.

Die Katakomben von San Callisto, auch Callixtus-Katakomben genannt, befinden sich im Südosten Roms ca. 10 Autominuten vom Stadtzentrum entfernt und sind eines der 60 unterirdischen Grablabyrinthe in Rom.

Vor der Befreiung des Christentums im Jahr 313 waren die Anhänger des neuen Glaubens gezwungen, die religiöse Bestattung ihrer Toten heimlich durchzuführen. Callixtus, ein reicher römischer Bürger, der zum Christentum übertrat, stellte sein Anwesen für die Errichtung eines unterirdischen Friedhofs zur Verfügung, in dem sich jeder Christ kostenlos bestatten lassen konnte. Im Lauf der Jahrhunderte entstand so ein unterirdisches Labyrinth aus Gängen und Schächten, in deren Wände die Gräber eingelassen waren.

Auf vier Ebenen in einer Tiefe bis zu 20 Metern und mit einer Ausdehnung von 20km Länge wurden in den Katakomben von San Callisto in 300 Jahren an die 370.000 Grabstätten in das weiche Tuffgestein gegraben. Da die Gräber oftmals mehrfach verwendet wurden, schätzt man die Zahl der Bestattungen auf etwa eine Million, darunter laut Überlieferungen ca. 100 Märtyrer und 16 Päpste. 9 davon sind ein einem einzigen Raum begraben, der damit die größte Papstgrabesstätte außerhalb des Vatikans ist.

Nach der Befreiung des Christentums unter Kaiser Konstantin war die unterirdische Bestattung nicht mehr nötig und die Katakomben von San Callisto wurden zu einer Pilgerstätte, an der die Gräber der Märtyrer besucht werden konnten. Inschriften und Gravuren an den Wänden zeugen noch heute von derartigen Besuchen.

Im 9. Jahrhundert überfielen die Sarazenen auf der Suche nach Gold die Stadt Rom und machten auch vor den Katakomben nicht halt. Die Kerzenhalter aus Gold, in den Räumen, in denen Messen abgehalten wurden, waren jedoch das einzige, was es wert war, gestohlen zu werden. Auch wenn die Barbaren die erhofften Goldschätze nicht fanden, die Gräber wurden zerstört und ihr Inhalt vernichtet. Die Gebeine der Päpste hatte man vorher innerhalb der Stadtmauern in Sicherheit gebracht.

Aus diesem Grund gibt es heute in den Katakomben von San Callisto weder Knochen noch Totenschädel zu sehen. Alle Grabkammern sind leer. Dies schmälert jedoch die beeindruckende Aura, die von den Katakomben ausgeht, keineswegs. Die Wände der engen dunklen Gängen sind regelrecht übersät mit Nischen, in denen man noch genau sehen kann, wo die Schultern und wo die Füße lagen, größere Nischen, die als Familiengräber genutzt wurden, und so genannte Cubiculae, Schlafzimmer, in denen die schlafenden Toten auf die Auferstehung warteten. Teilweise sind die kunstvollen Malereien auf Keramik noch erhalten, die ursprünglich die gesamte unterirdische Anlage zierten. Die beeindruckenden Fresken in dem unterirdischen Grablabyrinth sind bis zu 1.700 Jahre alt.

Tipp: In den Katakomben liegt die Temperatur bei etwa 13°C, Führungen durch den unterirdischen Teil dauern an die 20-30 Minuten, bei Bedarf sollte warme Kleidung mitgenommen werden.

Die Leichname wurden nur mit einem Leintuch bekleidet in ihre letzte Ruhestätte gebettet und die Nischen zugemauert und dadurch hermetisch versiegelt. An den Wänden neben den Grabnischen sind noch heute die Löcher für die Öllämpchen sichtbar, einige davon wurden eingemauert. Neben Öllämpchen wurden auch Vasen, Muscheln und anderer Gegenstände gefunden, mit denen die frühen Christen die Gräber ihrer Angehörigen schmückten, auf einer Tafel sind Dankeswörter des ersten freien Papstes eingraviert, die sich an die Märtyrer in den Katakomben von San Callisto richten.

In den Katakomben von San Callisto wird eine Grabstätte von einer Statue der heiligen Caecilia geschmückt, die im Alter von 15 Jahren aufgrund ihres Glaubens zum Tode verurteilt wurde. Ihr unversehrter Leichnam wurde im Jahr 1600 an dieser Stelle in den Katakomben entdeckt und das Wunder in einer liegenden Statue von Stefano Maderno verewigt. Das Original der Skulptur befindet sich in der Kirche Santa Cecilia im römischen Stadtviertel Trastevere.

Anreise: Der Weg zu den Katakomben von San Callisto ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln Roms eher mühsam. Der Bus 118 fährt vom Johannesplatz aus weg, mit der Metro sind sie nicht zu erreichen. Zu empfehlen ist eine Fahrt mit dem Mietauto oder dem Taxi, die nicht mehr als 15 Euro kosten sollte (Preis sicherheitshalber vorher erfragen!).