Palácio Rio Negro in Manaus, Brasilien

Der Palácio Rio Negro in Manaus, Brasilien wurde vom deutschen Kautschuk-Händler Waldemar Scholz im Jahr 1910 errichtet © guentermanaus / Shutterstock

Der Palácio Rio Negro in der brasilianischen Stadt Manaus war einst stattlicher Wohnsitz eines deutschen Kaufmanns, fast ein Jahrhundert Sitz des Gouverneurs in Manaus und fungiert heute als prachtvolles Museum und historisch wertvolles Kulturzentrum.


Der Palácio Rio Negro in der brasilianischen Stadt Manaus stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert und fungierte einst als Sitz der Regierung des Bundesstaates Amazonas und offizielle Residenz des Gouverneurs. Es ist heute das letzte vollständig erhaltene Gebäude aus der Kautschuk-Zeit.

Das prachtvolle Herrenhaus mit der kunstvoll verzierten Fassade im Stil der Eklektik wurde im Jahr 1903 errichtet. Damals war es der Wohnsitz des deutschen Kaufmanns Waldemar Scholz aus Hamburg, auch bekannt unter dem Spitznamen „Kautschuk-Baron". Doch 1911 drohte durch die starke Konkurrenz aus Asien der Kautschuk-Handel im Amazonas einzubrechen. Als dann auch noch aufgrund des Ersten Weltkriegs die Handelsrouten von Manaus nach Hamburg unterbrochen wurden, drohte Scholz der Bankrott. Der Baron musste sein wohlhabendes Leben aufgaben und seinen Palast zum Verkauf anbieten.

1917 wurde der Palácio Rio Negro unter Gouverneur Pedro de Alcantra Bacellar von der Regierung erworben und ein Jahr später zum offiziellen Sitz der Exekutive und Wohnhaus des Gouverneurs umfunktioniert. Bis 1995 blieb es in dieser Funktion, dann wurde der historisch wertvolle Palast in ein Kulturzentrum umgewandelt. Ausgestattet mit Klimaanlage und moderner Technik erhielt der Palácio Negro, nun Centro Cultural Palácio Rio Negro, ein völlig neues Format.

Der Palácio Rio Negro heute

Vom Herrenhaus Scholz wurde das eindrucksvolle Gebäude zu einer Drehscheibe für kulturelle Veranstaltungen, in dem klassische Konzerte, sowie Tanz- und Theatervorstellungen aufgeführt, Lesungen vorgenommen, und Ausstellungen präsentiert werden. Die Expositionen fokussieren sich dabei auf verschiedenste Themen, von einer ethnographischen Sammlung des Amazonas-Gebietes, über Kunstausstellungen bis hin zur Geschichte von Oper, Kino und Zeichentrick. Als Dauerausstellungen werden eine der umfangreichsten Münzsammlungen der südlichen Hemisphäre, eine Kunstgalerie mit brasilianischen Werken und historische Sammlungen des Staates Amazonas gezeigt.

Die kostbare Innenausstattung aus weißem Marmor und dunklem Holz wurde in den 1980er-Jahren renoviert und glänzt wieder in alter Pracht. Unwillkürlich wird hier der Besuch an Reichtum und Geschmack des viktorianischen Zeitalters erinnert.

Auch die Möbel, die einst von der Regierung des Bundestaates Amazonas genutzt wurden, sind heute noch im Museum des Palácio Rio Negro zu sehen, darunter ein wunderbarer englischer Tisch aus dunklem Rosenholz, zwei Bronze-Statuen und ein geschnitzter Stuhl, der mit kunstvollen Blumenmotiven dekoriert ist.

Tipp

Der Prunk des Palácio Rio Negro kann auf eigene Faust erkundet werden, es sind jedoch auch geführte Touren möglich. Diese sind grundsätzlich auf portugiesisch, mit etwas Glück erwischt man jedoch einen englisch-sprachigen Führer.

Der Garten, von dem der Palácio Negro umgeben wird, ist mit Bäumen, Büschen und Blumen aus dem Amazonas bepflanzt, deren sanftes Grün die pfirsichfarbene Fassade mit ihren hellen Säulen und Balustraden so richtig zur Geltung bringt.

Im brasilianischen Frühling und Sommer, etwa von Oktober bis März, ist der Palácio Rio Negro für Besucher geschlossen. Zu dieser Zeit beherbergt er den amtierenden Präsidenten.


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