Palast der Wunder (Beit-al-Ajaib) in Stone Town, Sansibar, Tansania

Der Palast der Wunder (Beit-el-Ajaib) befindet sich in der Steinernen Stadt auf der Insel Sansibar vor der Küste Tansanias und gehört seit 2000 zum Weltkulturerbe der UNESCO - © meunierd / Shutterstock
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Der Palast der Wunder (Beit-al-Ajaib) auf der Insel Sansibar vor der Küste Tansanias war das erste Gebäude Ostafrikas mit elektrischem Aufzug. Der ehemalige Sultanspalast fungiert heute als Museum.

Der Palast der Wunder (Beit-el-Ajaib) befindet sich in der Steinernen Stadt auf der Insel Sansibar vor der Küste Tansanias im Indischen Ozean. Gemeinsam mit der Steinernen Stadt zählt der Palast der Wunder seit 2000 zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Der Palast der Wunder wurde für die Veranstaltung von Zeremonien und die Abhaltung öffentlicher Empfänge genutzt. Seinen spektakulären Namen erhielt der Palast der Wunder, weil er das erste Gebäude Sansibars war, das mit elektrischem Strom ausgestattet wurde, und das erste Gebäude Ostafrikas, welches einen Aufzug besaß.

Entstehung des Beit-el-Ajaib

Der Beit-el-Ajaib wurde im Jahr 1883 als größter und höchster der sechs Paläste in der Steinernen Stadt von Sultan Barghash bin Said erbaut, dem zweiten Sultan Sansibars, der den schneeweißen Prachtbau zu seiner Residenz machte. Angeblich soll hier im 17. Jahrhundert der Palast von Fatuma, Königin von Zanzibar gestanden haben. Das Design des Beit-el-Ajaib geht auf einen britischen Marine-Ingenieur zurück, der völlig neue Stilelemente auf der ostafrikanischen Insel einführte, wie zum Beispiel die weitläufige Veranda rund um den Palast der Wunder. Tragende Elemente aus Gusseisen ermöglichten erstmals den Bau von unüblich hohen Räumen. Über geschlossene Gänge war der Palast der Wunder mit den benachbarten Palästen Beit-el-Hukum und Beit-el-Sahel verbunden, damit die königlichen Damen ungesehen hin und her gehen konnten. Das Hauptportal des Palastes war groß genug, dass der Sultan auf seinem Elefanten passieren konnte. Die gigantischen geschnitzten Tore waren angeblich die größten Ostafrikas. Vor dem Eingang waren wilde Tiere angekettet.

Der Uhrturm des Beit-el-Ajaib wurde erst nachträglich im Jahr 1897 eingebaut, nachdem der Palast der Wunder im Anglo-Sansibarischen-Krieg beschädigt wurde. 1911 wurde der Sultanspalast zum Sitz der Regierung und des britischen Sekretariats umfunktioniert. Nach der Sansibar-Revolution im Jahr 1964 wurde es zur Schule und zum Museum. In den frühen 1990er-Jahren wurde das Museum weiter ausgebaut.


Der kürzeste Krieg der Weltgeschichte

1890 erlangten die Briten durch den Helgoland-Sansibar-Vertrag das Protektorat über Sansibar und beschränkten die Sultane in ihrer Macht. Als der fünfte Sultan von Sansibar im Jahr 1896 verstarb, bezog Khalid bin Barghash gegen den Willen der Briten den Palast. Darauf wurde der Palast von der britischen Marine beschossen, worauf der unrechtmäßige Sultan nach nur 38min in die deutsche Botschaft flüchtete. Die beiden benachbarten Gebäude trafen die Zerstörungen noch schlimmer als den Beit-el-Ajaib. Dieses Ereignis ging als der Anglo-Sansibarische Krieg in die ostafrikanische Geschichte ein.


Besuch des Beit-el-Ajaib

Der Palast der Wunder befindet sich heute an der Mizingani Road zwischen der Alten Festung und dem Beit-el-Sahel, der heute als Palastmuseum genutzt wird. Er beherbergt das kunst- und kulturhistorische Museum von Sansibar und der Suaheli-Küste und zählt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Steinernen Stadt in Sansibar.

Das Innere des Beit-el-Ajaib ässt seine damalige Pracht erahnen. Großzügige Innenhöfe werden von malerischen Galerien umsäumt und die Räumlichkeiten sind mit Marmorböden, Silberschmuck und kunstvollen Holzschnitzereien ausgestattet. Der Palast der Wunder beherbergt einige Dauerausstellungen über die ostafrikanische Kultur, deren Highlight sicherlich die lebensgroße Mtepe darstellt, ein Suaheli-Segelboot, das in einem der Innenhöfe thront. Rund um den Innenhof breiten sich auf drei Stöcken weitere Exponate aus, die unter anderem Fischerei-Werkzeuge, Stücke der Palastmöblierung, zwei portugiesische Kanonen aus dem 16. Jahrhundert, das Herrscher-Fahrzeug von Präsident Abeid Karume, zeremonielle Kangas (ein vielfältig verwendbares afrikanisches Tuch) und Porträts der Sultane und anderer wichtiger Persönlichkeiten der vergangenen Jahrhunderte.

Alle Ausstellungsstücke sind in Suaheli und Englisch beschriftet und geben den Besuchern einen faszinierenden Einblick in die ostafrikanische Kultur. Der Beit-el-Ajaib ist übrigens auf dem 5.000er-Schein und dem 10.000er-Schein des Tansanischen Shillings zu sehen.

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