Nationalpark Canaima, Venezuela

Die Lagune von Canaima im gleichnamigen Nationalpark ist ein wahrlich märchenhafter Ort, der zu den schönsten Plätzen Venezuelas zählt - © Alice Nerr / Shutterstock
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Der Nationalpark Canaima liegt im Südosten Venezuelas und ist der sechstgrößte Nationalpark der Welt. Unter seinen spektakulären Sehenswürdigkeiten befinden sich zahlreiche uralte Tafelberge, Dschungellagunen und gigantische Wasserfälle, darunter der Salto Angel, der höchste Wasserfall der Welt.

Der Canaima Nationalpark liegt im Südosten Venezuelas an der Grenze zu Brasilien und Guyana in der venezolanischen Provinz Bolivar. Mit einer Fläche von etwa 30.000km2, was etwa dem Staatsgebiet von Belgien entspricht, ist er nach dem Parima-Tapirapecó der zweitgrößte Nationalpark Venezuelas und der sechstgrößte weltweit.

BILDER: Nationalpark Canaima

 

Dominiert wird der Canaima Nationalpark von so genannten Tepuis, mächtigen Millionen von Jahren alten Tafelbergen mit steilen Flanken und flachen Hochebenen anstatt Gipfeln, die auf etwa 65% der Parkfläche die einzigartige Landschaft ausmachen. Für die eingeborenen Pemon-Indianer gelten die uralten Riesen als heiliger Sitz der „Mawari-Geister”. Von den knapp 50 Tafelbergen zählen zu den berühmtesten und höchsten der Mount Roraima (2.800m), bei Bergsteigern aufgrund seiner relativ leichten Besteigung beliebt, sowie sein Zwillings-Tepui Kukenan (2.600m), dessen Steilwand von den Kukenan-Fällen durchbrochen wird, der Auyan-Tepui (2.400m), von dem aus die spektakulären Angel Falls, der höchste Wasserfall der Welt, in die Tiefe stürzt und der Chimata (2.700m).

Den Tafelbergen ist es auch zu einem Großteil zu verdanken, dass der Canaima Nationalpark 1994 von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt wurde.

Den Tafelbergen ist es zum Großteil zu verdanken, dass der Canaima Nationalpark 1994 von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt wurde, Venezuela - © ANDRE DIB / Shutterstock
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Durch die hohe landschaftliche Diversität und die verschiedenen Höhen ist der Canaima Nationalpark von einer Vielzahl exotischer Tiere bevölkert. Im dichten Unterholz des Dschungels, der über 300 endemische (einzigartige) Pflanzenarten beherbergt, verbergen sich Puma, Jaguar, Ameisenbär, Zweizehenfaultier, Saki (eine Affenart), Kolibris, Tukane, Papageien, Iguanas und seltene Geschöpfe wie das Große Gürteltier, die Riesenotter, der nachtaktive südamerikanische Buschmeister (eine Schlange), tödliche Pfeilgiftfrösche und die gewaltige Harpyie, einer der größten und stärksten Greifvögel der Welt.

Sehenswürdigkeiten im Canaima Nationalpark

Der Nationalpark ist in eine West- und einen Ostsektor unterteilt. Hier alle Sehenswürdigkeiten aufzuführen würde den Rahmen sprengen, deshalb nur die absoluten Highlights.

Die einheimischen Pemon-Indianer nannten die Angel Falls im Canaima Nationalpark in Venezuela Kerepakupai Vená, Fall des tiefsten Ortes - © Alice Nerr / Shutterstock
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Allen Sehenswürdigkeiten voran führt natürlich der höchste Wasserfall der Welt, der 979m hohe Angel Falls (Salto Angel), der über die Kante des Auyan-Tepui in die Tiefe stürzt und einen unvergesslichen Anblick bietet. Der ebenfalls gewaltige aber um 370m niedrigere Kukenan-Fall wirkt dagegen beinahe klein. Ein Tafelberg ohne Wasserfall, und dennoch eine der spektakulärsten der Welt ist der 2.800m hohe Mount Roraima.

BILDER: Mount Roraima

 

Die Lagune von Canaima ist ein wahrlich märchenhafter Ort, der zu den schönsten Plätzen Venezuelas zählt. Das berühmte Foto der drei Palmen, die an einem weißen Sandstrand im tiefblauem Wasser stehen, drei Tafelberge im Hintergrund, stammt aus dieser malerischen Lagune. Sie ist außerdem Schauplatz des beeindruckenden Wasserfalls El Hacha. Ein Bad in dieser einzigartigen Kulisse stellt ein wahrlich unvergessliches Erlebnis dar.

Sapo und Sapito-Fälle in der Lagune von Canaima im Canaima-Nationalpark, Venezuela - © dmitriy_rnd / Fotolia
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In die Lagune ergießen sich die beiden mächtigen Wasserfälle Sapo und Sapito („Frosch und Fröschchen”). Der Sapo-Fall reißt vor einer atemberaubenden landschaftlichen Kulisse aus tiefblauem Fluss, sanft grüner Savanne und drei mächtigen Tafelbergen eine gewaltige Menge an Wasser mit sich. Durchquert man den Sapo-Fall (während der Trockenzeit im Fluss, während der Regenzeit um einiges spektakulärer hinter den Fällen), gelangt man zum Sapito-Fall, der vor allem durch sein durch Mineralien blutrot gefärbtes Wasser beeindruckt.

Neben den landschaftlichen Naturwundern sind auch die Dörfer der Pemon-Indianer sehenswert, von denen an die 10.000 im Nationalpark leben. Viele davon halten an ihrer traditionellen Lebensweise und Kultur fest. Zu besuchen gibt es zum Beispiel die Indianerdörfer Paraitepui, Wonkén, Avak oder Kamarata, sowie die Mission von Kavanayen.

Infrastruktur im Nationalpark Canaima

Die Erreichbarkeit des Parks und die Weiterreise innerhalb ist aufgrund der wenigen Straßen eher mühsam und wird meist mit einem Kleinflugzeug bewerkstelligt. “Touristenumschlagplatz” ist dabei in erster Linie Canaima, welches sich in letzter Zeit von einem verschlafenen Indianerdorf zur Besucherhochburg entwickelt hat. Somit ist die Anreise allein schon ein Abenteuer. Aus der Luft ist der Zauber dieses faszinierenden Nationalparks bereits spürbar, wenn aus dem scheinbar undurchdringlichen Dschungel immer wieder glitzernde Lagunen, mächtige Tafelberge und weiß sprühende Wasserfälle auftauchen. Kürze Distanzen werden zu Fuß oder mit dem Kanu auf einigen der unzähligen Wasseradern, die den Canamia Nationalpark durchziehen, zurückgelegt.

Eine Fahrt auf dem Rio Caroni ist dabei nicht nur zu empfehlen, um von A nach B zu gelangen. Neben dem Orinoco der zweitwichtigste Fluss Venezuelas bietet der Rio Caroni ein Flussbett von unglaublicher Schönheit. In einem Kanu gleitet man auf teilweise glasklarem Wasser durch spektakuläre Dschungel- und Savannenlandschaften, vorbei an atemberaubenden Wasserfällen, wie zum Beispiel dem Aponguao, pinkfarbenen sandigen Uferbänken, tiefen Schluchten und hoch aufragenden Tafelbergen, wie die beiden mächtigen Riesen Mount Roraima und Kukenan. Übernachtungsmöglichkeiten bestehen in einigen zum Großteil von Pemon Indianer geführten Camps mit allen Abstufungen von Luxus.