Nationalpark Canaima und Angel Falls, Venezuela

Der Nationalpark Canaima liegt im Südosten Venezuelas und ist der sechstgrößte Nationalpark der Welt. Zu seinen spektakulären Sehenswürdigkeiten gehören uralte Tafelberge, Dschungellagunen und der höchste Wasserfall der Welt.

Der Canaima Nationalpark liegt im Südosten Venezuelas an der Grenze zu Brasilien und Guyana in der venezolanischen Provinz Bolivar. Mit einer Fläche von etwa 30.000 Quadratkilometern, was etwa dem Staatsgebiet von Belgien entspricht, ist er nach dem Parima-Tapirapecó der zweitgrößte Nationalpark Venezuelas und der sechstgrößte weltweit. Mit seiner landschaftlichen Faszination steht er auf unserer Liste der Top 10 Sehenswürdigkeiten von Venezuela ganz oben.

Anzeige

BILDER: Nationalpark Canaima

Fotogalerie: Nationalpark Canaima

Wie kommt man in den Nationalpark Canaima?

Der Nationalpark Canaima liegt im Südosten Venezuelas und ist der sechstgrößte Nationalpark der Welt - © javarman / Fotolia
© javarman / Fotolia

Die Erreichbarkeit des Parks und die Weiterreise innerhalb ist aufgrund der wenigen Straßen eher mühsam und wird meist mit einem Kleinflugzeug bewerkstelligt. „Touristenumschlagplatz“ ist dabei in erster Linie Canaima, welches sich in letzter Zeit von einem verschlafenen Indianerdorf zur Besucherhochburg entwickelt hat. Somit ist die Anreise allein schon ein Abenteuer.

Aus der Luft ist der Zauber dieses faszinierenden Nationalparks bereits spürbar, wenn aus dem scheinbar undurchdringlichen Dschungel immer wieder glitzernde Lagunen, mächtige Tafelberge und weiß sprühende Wasserfälle auftauchen. Kürzere Distanzen werden zu Fuß oder mit dem Kanu auf einigen der unzähligen Wasseradern, die den Canamia Nationalpark durchziehen, zurückgelegt.

Eine Fahrt auf dem Rio Caroni ist dabei nicht nur zu empfehlen, um von A nach B zu gelangen. Neben dem Orinoco der zweitwichtigste Fluss Venezuelas bietet der Rio Caroni ein Flussbett von unglaublicher Schönheit.

In einem Kanu gleitet man auf teilweise glasklarem Wasser durch spektakuläre Dschungel- und Savannenlandschaften, vorbei an atemberaubenden Wasserfällen, wie zum Beispiel dem Aponguao, pinkfarbenen sandigen Uferbänken, tiefen Schluchten und hoch aufragenden Tafelbergen, wie die beiden mächtigen Riesen Mount Roraima und Kukenan. Übernachtungsmöglichkeiten bestehen in einigen zum Großteil von Pemon Indianer geführten Camps mit allen Abstufungen von Luxus.

Tepuis: Jahrmillionen alte Tafelberge

Den Tafelbergen ist es zum Großteil zu verdanken, dass der Canaima Nationalpark 1994 von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt wurde, Venezuela - © ANDRE DIB / Shutterstock
© ANDRE DIB / Shutterstock

Unumstrittene Herrscher des Canaima Nationalparks sind die so genannten Tepuis mit steilen Flanken und flachen Hochebenen anstatt Gipfeln. Die mächtigen Millionen von Jahren alten Tafelberge machen auf etwa 65% der Parkfläche die einzigartige Landschaft aus. Für die eingeborenen Pemon-Indianer gelten die uralten Riesen als heiliger Sitz der „Mawari-Geister“.

Den Tafelbergen ist es auch zu einem Großteil zu verdanken, dass der Canaima Nationalpark 1994 von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt wurde.

Anzeige

Von den knapp 50 Tafelbergen zählen zu den berühmtesten und höchsten der Mount Roraima (2.800m), bei Bergsteigern aufgrund seiner relativ leichten Besteigung beliebt, sowie sein Zwillings-Tepui Kukenan (2.600m), dessen Steilwand von den Kukenan-Fällen durchbrochen wird, der Auyan-Tepui (2.400m), von dem aus die spektakulären Angel Falls, der höchste Wasserfall der Welt, in die Tiefe stürzt und der Chimata (2.700m).

Salto Angel – höchster Wasserfall der Welt

Die einheimischen Pemon-Indianer nannten die Angel Falls im Canaima Nationalpark in Venezuela Kerepakupai Vená, Fall des tiefsten Ortes - © Alice Nerr / Shutterstock
© Alice Nerr / Shutterstock

Allen Sehenswürdigkeiten voran führt natürlich der höchste Wasserfall der Welt, der 979 Meter hohe Angel Falls (Salto Angel). Über die Kante des Auyan-Tepui („Berg des Gottes des Bösen“) in die Tiefe stürzend bietet er einen absolut unvergesslichen Anblick und zählt zu unseren 10 schönsten Wasserfällen der Welt. Der ebenfalls gewaltige aber um 370m niedrigere Kukenan-Fall wirkt dagegen beinahe klein.

Neben seiner Höhe ist die Faszination des Salto Angel, dass er weder von einem Fluss noch einem Gletscher oder ähnlichem gespeist wird – es ist regelrecht das Regenwasser, welches sich auf dem Hochplateau des Tafelbergs sammelt und anschließend tosend über die Klippe rauscht.

Entdeckung der Angel Falls

Ihren Namen erhielten die Angel Falls nicht von ihrer himmlischen Höhe sondern vom nordamerikanischen Buschpiloten Jimmy Angel, der im Jahr 1933 den spektakulären Wasserfall im dichten Dschungel Venezuelas auf der Suche nach Gold als erster Weißer erblickte – und zwar wohl näher als ihm lieb war, denn er war gemeinsam mit seinen drei Begleitern zu einer Notlandung auf dem Auyan-Tepui gezwungen, von der die Gruppe knapp zwei Wochen in die Zivilisation zurück wandern musste. Sein beschädigtes Flugzeug wurde erst 33 Jahre nach der Bruchlandung per Helikopter geborgen und ziert nun den Vorplatz des Flughafens in Ciudad Bolivar.

Die Angel Falls im Nationalpark Canaima, Venezuela - © rm / Fotolia
© rm / Fotolia

Vor der Entdeckung durch Jimmy Angel gab es einige unbestätigte Gerüchte, dass auch der britische Abenteurer und Entdecker Sir Walter Raleigh den mächtigen Tafelberg und seinen Wasserfall bereits zu Gesicht bekommen hat.

Auch der spanische Gouverneur Fernando de Berrío oder der Venezolaner Ernesto Sánchez La Cruz hatten die Fälle angeblich vor Jimmy Angel entdeckt. Wie auch immer, die Sichtung bekannt machte Angel und daher wurden die gigantischen Wasserfälle auch nach ihm benannt.

Die einheimischen Pemon-Indianer nannten die Angel Falls Kerepakupai Vená, „Fall des tiefsten Ortes“. 2009 wurde unter Präsident Hugo Chávez kurz überlegt, den offiziellen Namen des Salto Angel wieder in den ursprünglichen authentischer klingenden Namen zu verändern, dies wurde jedoch nicht durchgesetzt.

1971 wurde die steile Klippe entlang des Salto Angel das erste Mal über einen Zeitraum von 9,5 Tagen erklommen.

Anzeige

Wie kommt man zu den Angel Falls?

Durch seine abgeschiedene Lage mitten im undurchdringlichen Dickicht des südamerikanischen Dschungels ist die Erreichbarkeit der Angel Falls eher kompliziert. Von Puerto Ordaz oder Ciudad Bolivar aus gibt es eine Flugverbindung nach Canaima, von wo aus die Reise etwa drei Stunden mit dem Boot auf dem Rio Churún weitergeht. Dies ist nur von Juni bis Dezember möglich, wenn die Flüsse genug Wasser führen, um befahren zu werden. In der Regenzeit zeigt sich auch der Wasserfall von seiner imposantesten Seite.

Den Abschluss der meist von Indianer geführten Tour bietet eine im feuchten Urwaldklima relativ anstrengende etwa einstündige Wanderung über steile unwegsame Wurzelpfade. Die beschwerliche Anreise wird jedoch mit einem Anblick belohnt, der einem schier die Sprache verschlägt. Wer sich die Strapazen ersparen möchte, kann auch einen relativ teuren Rundflug über die Angel Falls buchen. Von der Insel Ratón aus ist der Wasserfall aus der Ferne als mächtiges weißes Band vor dem dunklen Hintergrund des Auyan-Tepui zu sehen.

Im Dokumentarfilm „Unsere Erde“ wird der Salto Angel spektakulär in Szene gesetzt; für den Animationsfilm „Oben“ war er eindeutig Vorbild für den „Paradise Fall“.

Mount Roraima

Ein Tafelberg ohne Wasserfall, und dennoch eine der spektakulärsten der Welt ist der 2.800m hohe Mount Roraima genau am südamerikanischen Dreiländereck zwischen Guyana, Venezuela und Brasilien. Sein höchster Punkt, der Maverick Rock auf dem Staatsgebiet von Venezuela, liegt 2.800 Meter über dem Meeresspiegel. Damit ist der Mount Roraima der höchste Berg der Pakaraima-Kette, des guyanischen Hochlandes und des brasilianischen Bundesstaates Roraima.

BILDER: Mount Roraima, Brasilien, Venezuela, Guyana

Fotogalerie: Mount Roraima in Brasilien, Venezuela und Guyana

Mount Roraima: Uralter Gesteinsriese

Die 400m hohen senkrecht abfallenden Steilwände des Mount Roraima wurden im Jahr 1884 das erste Mal bezwungen - © Karin Wassmer / Shutterstock
© Karin Wassmer / Shutterstock

Der Mount Roraima zählt zu den ältesten geologischen Formationen unseres Planeten. Sein Alter wird auf unglaubliche 2 Milliarden (!) Jahre geschätzt, demnach ist er im Zeitalter des Präkambrium noch sehr sehr lange vor den ersten Dinosauriern entstanden.

Das Einzugsgebiet des Mount Roraima umfasst über 30 Quadratkilometer und wird an allen Rändern von bis zu 400 Meter hohen nahezu senkrecht abfallenden Steilklippen begrenzt. Dennoch war er der erste „Tepui“ („Tafelberg“), der 1884 bestiegen wurde. Der Pionier war Sir Everard im Thurn, die damalig benutzte Route kann auch heute noch von Wanderern erklommen werden.

Der mystische uralte Berg ist Teil vieler Geschichten und Legenden der indigenen Bevölkerung. Der Sage nach soll der Roraima einst ein mächtiger Baum gewesen sein, der alle Früchte der Welt auf seinen Ästen trug. Der Gott Makunaima fällte ihn jedoch und löste damit die größte Flut aller Zeiten aus – daher sein Name. Roroi bedeutet „grünblau“ und Ma „riesig“.

Aufstieg auf den Mount Roraima

Die Strecken auf den Mount Roraima von Brasilien und Guyana aus beinhalten extrem steile, teilweise überhängende Klippen, die nur von ausgezeichneten Felskletterern bezwungen werden können - © Karin Wassmer / Shutterstock
© Karin Wassmer / Shutterstock

Heute ist der Mount Roraima ein beliebtes Ziel für Wanderer und Rucksack-Touristen. Eine Besteigung erfolgt meistens von der venezolanischen Seite aus mit Unterstützung eines Pemon-indianischen Führers. Denn obwohl die Pfade zu Gipfel beschildert sind, kann man sich in den weiten der Hochplateaus und Steilhänge leicht verirren. Dazu kann es passieren, dass man plötzlich die Hand nicht mehr vor Augen sieht, weil der Berg vom einen Moment auf den anderen in eine Wolke gehüllt ist.

Start in Paraitepui

Die unglaubliche Felsformation "fliegende Schildkröte" am Hochplateau des Mount Roraima - © Harald Toepfer / Shutterstock
© Harald Toepfer / Shutterstock

Eine Tour von Paraitepui aus dauert im Normalfall fünf Tage, 2 Tage für den Aufstieg, einen um den Gipfel zu genießen und 2 Tage für den Rückweg. Dies ist auch die einzige Route, welche ohne Kletterausrüstung bewältigt werden kann.

Vor allem die Strecken von Brasilien und Guyana aus beinhalten extrem steile, teilweise überhängende Klippen, die nur von ausgezeichneten Felskletterern bezwungen werden können. Ein weiterer möglicher Ausgangspunkt in Venezuela ist das Städtchen Santa Elena de Uairén an der Grenze zu Brasilien.

Natürlich sind auch längere Touren möglich, vor allem der nördliche in Guyana gelegene Teil hält einige prachtvolle Naturwunder bereit, wie zum Beispiel den in eine steinerne, flechtenbewachsene Ebene gebetteten Lake Gladys. Die weniger erschlossenen Gebiete des Mount Roraima halten jedoch auch einige Gefahren bereit und sollten nur in Gruppen und mit erfahrenen Führern erkundet werden.

Einzigartiges Klima – endemische Tier- und Pflanzenwelt

Trotz der nahezu täglichen Regenfälle sind die Hänge und Hochplateaus des Mount Roraima eher spärlich bewachsen - © Vladimir Melnik / Shutterstock
© Vladimir Melnik / Shutterstock

Durch die mehrere hunderte Meter hohen Steilwände rund um den Mount Roraima entstehen eigene klimatische Bedingungen auf dem uralten Berg. Dadurch sind 80% der faszinierenden Tier- und Pflanzenwelt des Mount Roraima weltweit einzigartig. Trotz der nahezu täglichen Regenfälle sind die Hänge und Hochplateaus eher spärlich bewachsen.

Nahezu die gesamte Bergkette besteht aus nacktem Sandstein, zerklüfteten Felsen, tiefen Schluchten oder sandigem Sumpf, auf dem ein paar Büsche, Gräser, Flechten und die eine oder andere fleischfressende Pflanze wachsen.

Nährstoffreicher Boden wird an den steilen Hängen rasch weggeblasen oder weggespült, einige der höchsten Wasserfälle der Welt rauschen am Mount Roraima in die Tiefe. Zwischendurch findet man die eine oder andere seltene Glockenblume oder Orchidee oder Heidegewächse. Größere Tiere gibt es kaum, die Fauna besteht überwiegend aus Vögeln, Mäusen, Lurchen und Insekten.

Der Mount Roraima als Filmstar

Blick auf den Mount Roraima an der Grenze zwischen Brasilien, Venezuela und Guyana - © Harald Toepfer / Shutterstock
© Harald Toepfer / Shutterstock

Der Mount Roraima inspirierte Sir Arthur Conan Doyle 1912 zu seinem Roman „The Lost World“. 2006 fungierte er als Schauplatz für die zweistündige Dokumentation „The Real Lost World“. Außerdem holten sich die Macher von „Jurassic Park“ und der Disney/Pixar-Produktion „Oben“ Inspiration auf dem uralten Berg. Die Besteigung ist auf der Blu-Ray von „Oben“ in einem Kurzfilm festgehalten.

BILDER: Mount Roraima

Lagune von Canaima

Die Lagune von Canaima im gleichnamigen Nationalpark ist ein wahrlich märchenhafter Ort, der zu den schönsten Plätzen Venezuelas zählt - © Alice Nerr / Shutterstock
© Alice Nerr / Shutterstock

Die Lagune von Canaima ist ein wahrlich märchenhafter Ort, der zu den schönsten Plätzen Venezuelas zählt. Das berühmte Foto der drei Palmen, die an einem weißen Sandstrand im tiefblauem Wasser stehen, drei Tafelberge im Hintergrund, stammt aus dieser malerischen Lagune. Sie ist außerdem Schauplatz des beeindruckenden Wasserfalls El Hacha. Ein Bad in dieser einzigartigen Kulisse stellt ein wahrlich unvergessliches Erlebnis dar.

In die Lagune ergießen sich die beiden mächtigen Wasserfälle Sapo und Sapito („Frosch und Fröschchen“). Der Sapo-Fall reißt vor einer atemberaubenden landschaftlichen Kulisse aus tiefblauem Fluss, sanft grüner Savanne und drei mächtigen Tafelbergen eine gewaltige Menge an Wasser mit sich. Durchquert man den Sapo-Fall (während der Trockenzeit im Fluss, während der Regenzeit um einiges spektakulärer hinter den Fällen), gelangt man zum Sapito-Fall, der vor allem durch sein durch Mineralien blutrot gefärbtes Wasser beeindruckt.

Flora und Fauna im Canaima Nationalpark

Die Lagune Canaima im Canaima Nationalpark ist Schauplatz des beeindruckenden Wasserfalls El Hacha, Venezuela - © Vadim Petrakov / Shutterstock
© Vadim Petrakov / Shutterstock

Durch die hohe landschaftliche Diversität und die verschiedenen Höhen ist der Canaima Nationalpark von einer Vielzahl exotischer Tiere bevölkert. Im dichten Unterholz des Dschungels, der über 300 endemische (einzigartige) Pflanzenarten beherbergt, verbergen sich Puma, Jaguar, Ameisenbär, Zweizehenfaultier, Saki (eine Affenart), Kolibris, Tukane, Papageien, Iguanas und seltene Geschöpfe wie das Große Gürteltier, die Riesenotter, der nachtaktive südamerikanische Buschmeister (eine Schlange), tödliche Pfeilgiftfrösche und die gewaltige Harpyie, einer der größten und stärksten Greifvögel der Welt.

Volk der Pemon-Indianer

Viele der rund 10.000 Indianer im Canaima Nationalpark von Venezuela halten an ihrer traditionellen Lebensweise und Kultur fest - © Vadim Petrakov / Shutterstock
© Vadim Petrakov / Shutterstock

Neben den landschaftlichen Naturwundern sind auch die Dörfer der Pemon-Indianer sehenswert, von denen an die 10.000 im Nationalpark leben. Viele davon halten an ihrer traditionellen Lebensweise und Kultur fest. Zu besuchen gibt es zum Beispiel die traditionellen Dörfer Paraitepui, Wonkén, Avak oder Kamarata, sowie die Mission von Kavanayen.

Weiterführende Links:

Website mit Informationen zu den Angel Falls

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige