Favela Santa Marta in Botafogo, Rio de Janeiro, Brasilien

Die Besichtigung der Favela Santa Marta in Rio de Janeiro, Brasilien, hat Fremdenführer, Wegweiser zu Sehenswürdigkeiten und Jeep-Safaris inklusive - © Skreidzeleu / Shutterstock
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Lange waren die Favelas von Rio de Janeiro, in denen die Ärmsten der Armen leben, nichts weiter als ein stinkender Schandfleck auf den Hügeln der Stadt. Doch die Favela Santa Marta in Botafogo gilt seit 2010 als Sehenswürdigkeit von Rio.

In die Favelas, die Elendsviertel von Rio de Janeiro, wagt man sich als Tourist normalerweise nur als williges Raub- und Mordopfer oder mit unerschütterlichem Gottvertrauen. In der Favela Santa Marta im Stadtteil Botafogo im Süden von Rio hat sich dies allerdings geändert. Sie ist – im wahrsten Sinne des Wortes – die steilste Favela von Rio.

BILDER: Favela Santa Marta in Rio de Janeiro

 

Santa Marta ist eine der 965 in Rio registrierten Favelas und besteht aus rund 5.000 Holzhäusern und 2.000 Ziegelhäusern, in denen an die 8.000 Menschen wohnen. Vier Kindergärten, zwei Sportplätze und eine Sambaschule sorgen für Unterhaltung, drei Bäckereien und ein Supermarkt sichern die Versorgung mit Lebensmitteln. Drei Militäreinheiten gewährleisten die Sicherheit der Bewohner – und der Besucher. Denn mittlerweile sind die Hütten der Favela zu einer Touristenattraktion und ihre Bewohner zu Fremdenführern avanciert.

Seit den 1940er-Jahren wuchs der Santa Marta Slum im Süden von Rio, bis er das gesamte Areal bis zur Spitze des Hügels bedeckte, Brasilien - © Aleksandar Todorovic / Shutterstock
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Santa Marta – Rios Slum als Touristenattraktion mit gratis W-Lan

Seit den 1940er-Jahren wuchs der Santa Marta Slum im Süden von Rio, bis er das gesamte Areal bis zur Spitze des Hügels bedeckte. Die Metamorphose der Favela, auch Dona Marta genannt, begann am 28. November 2008. Santa Marta war damals das erste Armenviertel, in dem die so genannte Befriedungspolitik eingesetzt wurde. Ein enormes Aufgebot an Militärpolizei erreichte innerhalb kürzester Zeit die nahezu vollständige Eindämmung von Drogenhandel und Gewalt. Diese Maßnahme war damals im Hinblick auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und die Olympiade 2016 absolut unerlässlich.

Ein Großteil der Hütten wurde an das Wasser-, Kanal- und Stromnetz von Rio angeschlossen und die Müllabfuhr kümmerte sich nun auch um die engen Gassen auf dem steilen Hügel. Seit 2009 gibt es sogar kostenloses W-Lan für alle, ein Jahr später folgte ein eigener Radiosender, der auf der Frequenz 103,3 MHz ganz Botafogo mit Nachrichten aus der Favela versorgt.

Die Favela Santa Marta in Rio de Janeiro, Brasilien besteht aus rund 5.000 Holzhäusern und 2.000 Ziegelhäusern - © Skreidzeleu / Shutterstock
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Der Grundstein für die Verwandlung von Santa Marta in eine Touristenattraktion war damit gelegt, doch den Großteil seiner Besucher hat die Favela der Gondelbahn zu verdanken, die Touristen hoch über den Dächern von Rio schwebend auf den Hügel von Santa Marta bringt. Am 30. August 2010 weihte der Bürgermeister von Rio das Programm Rio Top Tour ein und Santa Marta gehörte ab sofort zu den offiziellen Sehenswürdigkeiten von Rio de Janeiro.

Besuch von Santa Marta in Rio

Schon auf der Fahrt mit der Standseilbahn bleibt so manchem Besucher vor Staunen der Mund offen stehen. Je höher die Fahrt geht, desto gewaltiger wird das Postkarten-Panorama von Rio. Der Blick fällt über die Dächer der Stadt vom Zuckerhut bis hinunter zur berühmten Copacabana und zum Strand von Ipanema.

Oben angekommen liegen einem die Holz- und Blechdächer der Favela zu Füßen. Kinder spielen in den engen, verwinkelten Gassen und Wäsche trocknet zwischen völlig planlos und teilweise scheinbar übereinander errichteten Häusern.

Je höher die Fahrt auf den Hügel von Santa Marta geht, desto gewaltiger wird das Postkarten-Panorama von Rio de Janeiro, Brasilien - © Skreidzeleu / Shutterstock
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Vor dem Bau der Seilbahn mussten die Bewohner von Santa Marta 788 Treppenstufen an einem Hang mit 40° Steigung bewältigen. Heute funktioniert die Besichtigung der Favela mit größtmöglicher Bequemlichkeit inklusive Fremdenführer, Wegweiser zu Sehenswürdigkeiten und Jeep-Safaris. Es ist hauptsächlich die Neugierde, die Besucher in die engen Gassen des Elendsviertels treibt, denn von zu Hause kennt man so etwas nicht. Die Bewohner von Santa Marta freuen sich zum Großteil über das Interesse, das ihnen plötzlich entgegengebracht wird, etwas, das sie von ihren Landsleuten nicht kennen.

Tipp: Die Einwohner von Santa Marta zeigen den Touristen mit Stolz ihr Zuhause. Es sind allerdings nicht alle damit einverstanden, sich fotografieren zu lassen. Zur Sicherheit vorher kurz fragen.

Michael Jackson und schnelle Autos

Die Favela Santa Marta in Rio de Janeiro, Brasilien, war einer der Drehplätze für Michael Jacksons Musikvideo zu „They don’t care about us“ - © Aleksandar Todorovic / Shutterstock
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Aufmerksame Musikfans kennen unter Umständen die Kulisse von Santa Marta, denn das Armenviertel war im Jahr 1996 einer der Drehplätze für Michael Jacksons Musikvideo zu „They don’t care about us“ mit der berühmten Trommelgruppe Olodoum. Damals musste die Erlaubnis für den Dreh noch beim hiesigen Drogenboss eingeholt werden. Der berühmt-berüchtigte Marcinho VP stellte dem Popstar großzügigerweise einen Leibwächter zur Seite.

Auf dem Balkon, auf dem der King of Pop mehrmals zu sehen ist, erinnert heute eine Statue des Karikaturisten Ique an ihn. Das Michael Jackson Denkmal wurde am 26. Juni 2010, etwa ein Jahr nach seinem Tod, aufgestellt. Ebenfalls in diesem Video zu sehen ist übrigens der Pelourinho. Der heute berühmteste Platz von Salvador da Bahia machte eine ähnliche Verwandlung durch wie die Favela Santa Marta.

Auch große Teile des Blockbusters „Fast and the Furious 5“ wurden in der Favela Santa Marta gedreht.