Totes Meer, Israel und Jordanien

Blick auf das Ufer des Toten Meeres bei Sonnenuntergang, Israel/Jordanien - © frag / Fotolia
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Das Tote Meer faszinierte die Menschen schon seit Jahrhunderten durch seinen hohen Salzgehalt von über 300g pro Liter Wasser. Der Mensch geht auf der Wasseroberfläche des riesigen Salzsees am tiefsten Ort der Erde nicht unter und die Mineralien in Schlamm und Wasser des Toten Meers spielen eine wichtige Rolle in der Medizin und Kosmetikindustrie.

Das Tote Meer ist eigentlich ein 800km² großer See, der von den Staaten Israel und Jordanien eingegrenzt wird. Das Tote Meer ist der tiefstgelegene See der Erde und unterscheidet sich von anderen Gewässern vor allem durch seinen extrem hohen Salzgehalt. Durch die Halbinsel Lisan auf der Höhe der Festung Masada wird das Tote Meer in einen kleineren Süd- und einen großeren Nordteil getrennt, die durch einen 13km langen regulierten Kanal und einigen kaum wasserführenden Rinnsalen miteinander verbunden sind.

See der Rekorde

Der abflusslose See wird vom Jordan gespeist und hat viele Namen. Neben „Salzsee”, „Meer des Todes” oder „Asphaltsee” hat sich im 4. Jahrhundert der Begriff „Totes Meer” eingebürgert. Der enorme Salzsee liegt 422 unter dem Meeresspiegel, sein Ufer ist damit die tiefste Stelle der Erde, die nicht von Wasser oder Eis bedeckt ist.

Eine Besucherin liest ein Buch während sie im Toten Meer schwimmt, Israel/Jordanien - © vicspacewalker / Fotolia
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Doch damit nicht genug der Rekorde. Das Tote Meer ist eines der salzigsten Gewässer der Welt, es enthält fast zehnmal so viel Salz wie das Mittelmeer. Mit einem Salzgehalt von durchschnittlich 28% und bis zu 33% ist das Wasser tatsächlich so „dicht”, dass ein Mensch darin nicht untergeht. Zeitunglesende Urlauber und Schwimmer mit Händen und Füßen in der Luft sind ein beliebtes Fotomotiv am Toten Meer. Noch salzigere Gewässer gibt es in Dschibuti, in Turkmenistan und in der Antarktis.

Tierwelt am Toten Meer

Entgegen seinem Namen ist das Tote Meer nicht wirklich tot. Die Lebewesen in der extrem salzigen Umgebung beschränken sich jedoch auf Mikroorganismen, Algen und Bakterien sowie einige salzliebende Pflanzen, die so genannten Halophyten. Rund um das Tote Meer wimmelt es geradezu von Tieren. In den Bergen leben Kamele, wilde Ziegen und Hasen, Schakale, Wüstenfüchse und sogar Leoparden. Der Himmel wird von hunderten Vogelarten bevölkert. Jordanien und Israel haben um das Tote Meer Nationalparks errichtet, um die vielfältige Tierwelt zu schützen.

In der Umgebung des Toten Meers, vermutlich am Südwestufer, befanden sich auch die beiden biblischen Städte Sodom und Gomorra, die laut dem Buch Genesis zur Zeit Abrahams zerstört wurden. Am Berg Sodom ist noch heute ein Steinpfeiler zu sehen, der als „Lots Frau” bezeichnet wird, die nach der biblichen Erzählung zur Salzsäule erstarrte. Weiters ist das Tote Meer von vielen Höhlen umgeben, in denen sich früher jüdische Sekten angesiedelt hatten, darunter die Sekte der Essener in der Nähe der Siedlung Qumran, der in einer Theorie die Erstellung der berühmten Schriftrollen vom Toten Meer zugeordnet wird.

Da das Tote Meer keinen Abfluss hat, verdunstet das stehende Gewässer nach und nach im hießen Wüstenklima und lässt an seinen Rändern Salze und Mineralien zurück. Außerdem wird der Wasserspiegel noch zusätzlich durch die künstliche Verdunstung zur Salzgewinnung gesenkt.

Jahrtausendealter Tourismus am Toten Meer

Das Tote Meer war seit tausenden von Jahren erfolgreicher Besuchermagnet. Der bliblische König David nutzte es als erholsamen Rückzugsort und für König Herodes war es der erste Kurresort der Welt. Natürlich ist der Badetourismus auch heute eine attraktive Einnahmequelle am Toten Meer. Aus der ganzen Welt nutzen Urlauber die Gelegenheit, im Wasser tatsächlich einmal auf der faulen Haut zu liegen oder ohne Luftmatratze Zeitung zu lesen. Wer vom schweben auf der Wasseroberfläche genug hat, kann sich einer Jeeptour durch die Wüste anschließen, oder authentischer einen Trip auf dem Kamel angehen.

Tipp: Das Wasser verursacht bereits bei kleinsten Schnittverletzungen auf der Haut brennende Schmerzen und sollte auf keinen Fall in die Augen gelangen, in der Lunge ist das salzhaltige Wasser sogar lebensgefährlich. Auch die Salzverkrustungen am Ufer können scharfkantig sein und zu empfindlichen Verletzungen führen.

Auch die Zusammensetzung der Salze ist anders als bei anderen Meeren, was immer mehr für den Gesundheits- und Wellnessbereich genutzt wird. Vor allem bei Hauerkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte wird die heilende Wirkung des Toten-Meer-Salzes genutzt, welches sich auch im mineralhaltigen Schlamm befindet. In vielen Kosmetikprodukten ist Salz aus dem Toten Meer enthalten, auch für die Küche wird es verwendet.

Die Rettung des Toten Meeres

Seit den 1980er Jahren sinkt der Wasserspiegel des nördlichen Toten Meers jedoch etwa jedes Jahr um einen Meter, da der Jordan aufgrund der Abzweigung von Wasser zur Wasserversorgung immer weniger Wasser mit sich führt, die Verdunstungsmenge jedoch gleich bleibt. Salzkrusten am Grund lassen Forscher vermuten, dass das Tote Meer vor etwa 125.000 Jahren schon einmal vollständig ausgetrocknet war. Um zu verhindern, dass dies wieder passiert, ist angedacht, einen 300km langen und 5 Milliarden US-Dollar teuren Kanal vom Golf von Akaba im Roten Meer bis zum Toten Meer zu graben. Das natürliche Gefälle könnte zur Energiegewinnung genutzt werden. Experten warnen jedoch vor diesem Vorhaben, da sich durch die Vermischung des kalziumreichen Wassers des Toten und des sulfathaltigen Wassers des Roten Meeres Gips bilden könnte.

Im Gegensatz dazu steigt der Wasserspiegel des südlichen Toten Meeres jährlich um 20cm durch künstliche Salzablagerungen, die als Nebenprodukt der Mineraliengewinnung von Jod, Kalium, Magnesium und Brom erzeugt werden. Im südlichen Teil ist es soweit, dass in 10-15 Jahren das Tote Meer die Hotellobbies an den Badestränden überfluten würde.

Weiterführende Links:

Offizielle Touristeninformation zum Toten Meer (englisch)