Gerasa (Jerash), Jordanien

Gerasa (Jerash) im Norden von Jordanien zählt mit ihren knapp 2.000 Jahre alten Bauten zu den am besten erhaltenen Provinzstädten des römischen Reiches  - © flog / franks-travelbox
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Die jordanische Handelsstadt Gerasa (Jerash) erfuhr unter den Römern seine Hochblüte und zählt heute zu den am besten erhaltenen Provinzstädten des römischen Reiches, in der immer noch knapp 2.000 Jahre alte Tempel, Straßen und Kirchen zu sehen sind.

In seinem Norden hält Jordanien für seine Besucher ein faszinierendes historisches Juwel bereit. Die antike Stadt Gerasa, die heute neben der modernen Stadt Jerash liegt, war einst ebenso wie das heutige Umm Qais Teil der so genannten Dekapolis (griechisch für „zehn Städte“), die Alexander der Große nach seinen Eroberungen im Nahen Osten gegründet oder nach griechischem Vorbild umgestaltet hat. Die faszinierende Ruinenstadt wird auch als „Pompeji des Ostens“ bezeichnet.

BILDER: Gerasa (Jerash)

Geschichte von Gerasa

Die ersten Spuren von menschlicher Besiedlung in Gerasa stammen aus der Bronze- und Eisenzeit, reichen also bis etwa 6.000 Jahre vor Christus zurück. Ihre Hochblüte erreichte die Stadt unter den Römern, die Gerasa zu einer Handelsstadt ausbauten, die an Bedeutung fast schon das um einige tausend Jahre ältere Petra übertraf. Nach dem Fall des Römischen Reiches ging allerdings auch die Bedeutung von Gerasa zurück.

Auf den Straßen von Gerasa in Norden Jordaniens wandelten schon Alexander der Große und der römische Kaiser Hadrian - © flog / franks-travelbox
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Das Christentum hielt in der antiken Stadt Einzug und es wurden einige Kirchen errichtet, unter anderem die Kathedrale von Gerasa, die jedoch bei mehreren Erdbeben schwer beschädigt wurde. Anfang des 8. Jahrhunderts wurde Gerasa vollständig verlassen und verschwand nach und nach im Wüstensand. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Stadt wiederentdeckt und ihre erstaunlich gut konservierten Überreste Stück für Stück freigelegt.

Sehenswerte Bauten von Gerasa

Im ersten Jahrhundert nach Christus entstanden aufgrund des großen Wohlstandes zahlreiche Baudenkmäler, deren Überreste noch heute prächtig anzusehen sind. Neben den römischen Tempeln, Badehäusern und Theatern sind auch die zahlreichen römischen und byzantinischen Kirchen mit ihren teilweise erstaunlich gut erhaltenen Mosaikböden sehenswert, von denen der Drei-Kirchen-Komplex mit der Georgskirche, der Johanneskirche und die Kirche St. Cosmas- und Damian zu den eindrucksvollsten zählt.

Kunstvolles Bodenmosaik in der Jahrtausende alten Stadt Gerasa im Norden Jordaniens - © flog / franks-travelbox
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Tipp: Die Monumentalbauten von Gerasa können ausschließlich zu Fuß erkundet werden. Es gibt zwischen den Gebäuden kaum Schatten, daher unbedingt für Sonnenschutz sorgen! Ein kleines Restaurant ist innerhalb des Geländes vorhanden.

Triumphbogen

Der majestätische Triumphbogen von Gerasa wurde zu Ehren des römischen Kaisers Hadrian errichtet, der im Winter des Jahres 129 nach Christus der damals bedeutenden Handelsstadt einen Besuch abstattete. Er liegt etwas außerhalb der eigentlichen Siedlung und sollte wohl als Stadttor dienen. Seit der Restaurierung im Jahr 2008, die Teils mit originalen Bauteilen durchgeführt wurde, erstrahlt der Triumphbogen mit einer Höhe von 21 und Breite von 25 Metern wieder in seiner alten Pracht

Nymphäum

Das den Wassernymphen geweihte Nymphäum stammt aus dem 2. Jahrhundert nach Christus und zählt zu den schönsten und besterhaltenen Gebäuden von Gerasa. Das 22 Meter breite Heiligtum ist mit kunstvollen Fresken verziert und war einst mit Marmor verkleidet. In der Mitte stand ein prächtiger, mit Löwenköpfen bestückter Brunnen, der über Statuen gespeist wurde, die in den umliegenden Nischen platziert waren.

Das den Wassernymphen geweihte Nymphäum stammt aus dem 2. Jahrhundert nach Christus und zählt zu den schönsten und besterhaltenen Gebäuden von Gerasa - © flog / franks-travelbox
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Jupitertempel

Der mächtige Jupitertempel wurde wahrscheinlich schon unter den Griechen als Zeustempel errichtet, da er nicht hundertprozentig ins typisch römische Stadtbild passt. Die eindrucksvollen Säulen und Teile der einst 10 Meter hohen Tempelmauer, die bis heute erhalten geblieben sind, stammen aus dem 2. Jahrhundert. Drei der Säulen sind über die Jahrhunderte noch immer nicht eingestürzt, die übrigen wurden im Zuge der Restaurierung wieder aufgestellt.

Ovales Forum

Dem Jupitertempel zu Füßen liegt das ovale Forum, ein von Kolonnaden gesäumter Platz, der vermutlich als Versammlungs- oder Opferplatz genutzt wurde. Am Forum mündet die prachtvolle gepflasterte Straße Cardo Maximus, von deren eindrucksvoller Säulenallee noch an die 500 Säulen erhalten sind.

Die säulenbewährte Hauptstraße der antiken Stadt Gerasa führt zum imposanten ovalen Forum, Jordanien - © flog / franks-travelbox
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Artemis-Tempel

Aufgrund seiner Größe (die Tempelmauer war 160 lang 120 breit) war der Artemis-Tempel aus dem 2. Jahrhundert wohl eines der bedeutendsten Gebäude von Gerasa. Von seinen 32 korinthischen Säulen, die von kunstvoll verzierten Kapitellen gekrönt wurden, ragen heute noch elf in den Himmel. Auch die Prachtstraße, die von der Stadt direkt zum Tempel führt, deutet auf seine Wichtigkeit hin.

Von den 32 korinthischen Säulen des Artemis-Tempels in Gerasa, Jordanien, ragen heute noch elf in den Himmel - © flog / franks-travelbox
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Südliches und nördliches Amphitheater

Das südliche Amphitheater westlich des Jupitertempels wurde Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus errichtet und bot auf 32 Rängen bis zu 5.000 Zuschauern Platz. Es war nach Norden ausgerichtet, damit die Zuschauer nicht geblendet werden können und bietet heute einen prachtvollen Rundblick über das gesamte Gelände. Als Pendant zum Südtheater wurde in Gerasa auch ein Nordtheater errichtet, dessen Auditorium allerdings nur 800 Plätze fasste.