Weiße Stadt in Tel Aviv, Israel

Die Weiße Stadt in Tel Aviv bezeichnet die Ansammlung von über 4.000 schneeweißen überwiegend im Bauhaus-Stil errichteten Gebäuden in Israels Hauptstadt - © Protasov AN / Shutterstock
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Im Zentrum von Tel Aviv , in der „Weißen Stadt“, ist die weltweit größte Anzahl an schneeweißen Bauten im architektonischen „Bauhaus-Stil“ aus den 1930er Jahren zu finden.

Die Weiße Stadt in Tel Aviv bezeichnet die Ansammlung von über 4.000 schneeweißen Gebäuden in Israels Hauptstadt, von denen der Großteil in den 1930er und 40er Jahren im Bauhaus-Stil errichtet wurde. Die Einzigartigkeit des Stils erkannte auch die UNESCO an, 2003 wurde die Weiße Stadt von Tel Aviv als herausragendes Beispiel der Stadtplanung und Architektur aus dem frühen 20. Jahrhundert zum Weltkulturerbe ernannt.

Die Weiße Stadt wurde in perfekter Harmonie mit den klimatischen Bedingungen sowie den lokalen kulturellen Gegebenheiten geschaffen. Bereits im Jahr 1909 entstand das Konzept einer neuen Stadt, welches auf den Sanddünen nördlich von Jaffa an der Westküste des Mittelmeers entstehen sollte. Aus der Feder des britischen Stadtplaners Patrick Geddes stammt das Design der Straßen und die Größe und Nutzung der Gebäudeblocks, welches 1929 von Tel Avivs erstem Bürgermeister Meir Dizengoff freigegeben wurde.

Zufällige Ansammlung des Bauhaus-Stils

Der Baustil war nicht Teil dieses Konzeptes, doch in den 1930er Jahren flohen viele deutsche Juden vor den Nazis in das Britische Mandat von Palästina und die Architekten unter ihnen verwirklichten sich durch die Errichtung der meisten Gebäude im Bauhaus-Stil, dessen deutsche Schule in Weimar von den Nazis geschlossen wurde. Der Bauhaus-Stil in Tel Aviv zeichnet sich durch gerade Linien, Funktionalität und günstiges Baumaterial aus und wurde noch mit anderen architektonischen Ideen vermischt, die sich teilweise noch in der Testphase befanden. So wurde Tel Aviv zum architektonischen Versuchskaninchen internationaler Baumeister, wodurch sich die Stadt zu einem markanten baulichen Konglomerat entwickelte.

Um die Wüstenhitze auszusperren, wurden in erster Linie kleine, so genannte „Thermometer-Fenster” und helle Fassadenfarben, die das Licht zurückwerfen, verwendet. Lange, schmale Balkonlinien mit Mini-Gärten Richtung Westen zum Meer hin beschatten sich gegenseitig, durch die Pfahlbauten kann die kühle Brise ziehen. Die flachen Dächer der 3-4stöckigen Häuser fungieren in den Abendstunden als kühle Gemeinschaftsplätze. Cafés und Bars lockten die Städter in den angenehmen Abendstunden außer Haus, was sich heute noch am regen Nachtleben in Tel Aviv bemerkbar macht.

1984 wurde Tel Avivs 75. Gründungstag mit einer Ausstellung des Kunstmuseums gefeiert, die mit „White City, International Style Architecture in Israel, Portrait of an Era” betitelt wurde, woher dem Stadtviertel Tel Aviv vermutlich auch die Bezeichnung „Weiße Stadt” blieb.

Das im Jahr 2000 etablierte Bauhaus Zentrum in Tel Aviv bietet Führungen durch die Weiße Stadt an und hat sich der Erhaltung der einzigartigen Bauten verschrieben. Es organisiert immer wieder Ausstellungen, die weltweiten Anklang finden, was 2008 in der Gründung des Bauhaus-Museums gipfelte. Damit können Besucher die Weiße Stadt nicht nur „von außen” erkunden sondern erfahren auch alles über ihre Geschichte, Technik und die Bemühungen der Stadt, sie für die Nachwelt zu erhalten.