Geburtskirche in Betlehem, Israel

Die Geburtskirche („Church of Nativity“) in Betlehem ist eines der wenigen Gebäude aus der frühchristlichen Zeit, das nie zerstört wurde und bis heute vollkommen erhalten ist, Israel - © 2bears / Shutterstock
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Die Geburtskirche in Betlehem wurde über der Stelle errichtet, an der Christus geboren wurde. Der Platz der Krippe in der Geburtsgrotte unter der Kirche ist mit einem silbernen Stern markiert.

Die Geburtskirche („Church of Nativity”) in Betlehem ist eines der wenigen Gebäude aus der frühchristlichen Zeit, das nie zerstört wurde und bis heute vollkommen erhalten ist. Sie befindet sich in Betlehem, dem Geburtsort Christi, und wurde 2012 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Errichtung der Geburtskirche in Betlehem

Die Geburtskirche wurde nach der Befreiung des Christentums 333 nach Christus vom ersten christlichen Kaiser Konstantin der Große errichtet. Ihr Standort liegt über der Höhle, die bereits seit dem 2. Jahrhundert als Geburtsort Christi verehrt wurde, was auch Kaiser Hadrian nicht unterbinden konnte. Die fünfschiffige Basilika war 27m lang und mit kostbaren Mosaikböden ausgestattet, in denen eine vier Meter breite Öffnung Einblick in die Grotte von Jesu Geburt gewährte. Diese wurde bereits im 46. Brief von Hieronymus erwähnt, der 386 Betlehem besuchte.

Im 5. Jahrhundert wurde die Geburtskirche vergrößert, der Mosaikboden durch einen Steinboden ersetzt und eine Treppe errichtet, die Pilger Zugang zur Geburtsgrotte gewährte. Nach dem Samariteraufstand im 6. Jahrhundert wurde sie von Kaiser Justinian renoviert, dies war das letzte Mal, als die Geburtskirche größere gewalttätige Schäden davontrug. Vermutungen nach wurde die Kirche aufgrund eines Reliefs der Drei Heiligen Könige über dem Portal von den anrückenden Persern verschont und so ist die Geburtskirche die älteste Kirche im Heiligen Land und wurde seit ihrer Erbauung ununterbrochen genutzt.

Die nächste Renovierung erfolgte im 12. Jahrhundert durch die Kreuzfahrer. Die Türken zerstörten die Geburtskirche zwar nicht, entwendeten jedoch die Marmorverkleidung, wodurch die Basilika zunehmend verfiel und erst Ende des 17. Jahrhunderts von der griechisch-orthodoxen Kirche wieder renoviert wurde. Die katholische Kirche errichtete einen silbernen Stern in der Geburtsgrotte mit der Inschrift über die Geburt Jesu durch die Jungfrau Maria, der inzwischen entwendet und ersetzt wurde und somit heute noch besichtigt werden kann. Rechts daneben soll angeblich die Krippe des Jesuskindes gestanden haben.

Teilung und Auseinandersetzungen in der Geburtskirche

Nach Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Konfessionen wurde die Kirche unter den Griechen, Armeniern und Lateinern aufgeteilt, wobei der Hauptteil an die Griechisch-Orthodoxen ging. Dies wurde im Berliner Kongress 1878 noch einmal bestätigt wurde. Noch heute kommt es zu Streitigkeiten zwischen den einzelnen Parteien, 2007 und 2011 kam es bei der traditionellen Kirchenreinigung vor dem orthodoxen Weihnachtsfest zu Raufereien zwischen armenischen und griechisch-orthodoxen Priestern, die von der Polizei beendet werden mussten. Die längst überfällige Dachrenovierung konnte noch nicht durchgeführt werden, weil man sich über die Finanzierung nicht einigen kann.

Die burgähnlich anmutende Geburtskirche in Betlehem ist sowohl außen als auch innen relativ schlicht gehalten, Israel - © AleksandarTodorovic/Shutterstock
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Heutiges Erscheinungsbild der Geburtskirche

Die burgähnlich anmutende Geburtskirche ist sowohl außen als auch innen relativ schlicht gehalten. Das Eingangsportal ist nur mehr 1,20 Meter hoch, man muss sich bücken, um in die Kirche zu gelangen. Dadurch sollten die Mameluken davon abgehalten werden, die Basilika zu Pferd zu betreten. Der fünfschiffige beinahe unscheinbare Steinbau mit dem kleinen weißen Turm beherbergt einen Drei-Konchen-Chor mit Querschiff und quadratischer Vierung, der hölzerne Dachstuhl ist einsehbar und die Säulen bestehen nicht aus Marmor, sondern einem dolomitischen Gestein aus Palästina.

Unter den Bodenplatten befinden sich noch Reste von Mosaiken aus dem 4. Jahrhundert, die mit Holzplatten geschützt werden. Die Mosaike an den Wänden stammen von den Kreuzfahrern aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Rechts grenzt das griechisch-orthodoxe Kloster an, links gelangt man in die römisch-katholische Katharinen-Kirche, in der auch das Weihnachtszeremonielle stattfindet, das lediglich mit einem Besuch in der Geburtsgrotte verbunden ist.

Tipp: Der Eintritt in die Geburtskirche ist frei, es muss jedoch mit Massen von Pilgern gerechnet werden, vor allem vor der Geburtsgrotte sind die Warteschlangen enorm. Lokale Führer bieten Touren an, vorher sollte man sich jedoch auf den Preis einigen!