Ardèche: Spektakuläre Schluchten und faszinierende Unterwelt

Ardèche: Spektakuläre Schluchten und faszinierende Unterwelt in Frankreich - © rz_photo / stock.adobe.com
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Urlaub in Frankreich? Da fallen Menschen in erster Linie die romantische Hauptstadt Paris, die sonnige Côte d’Azur oder die Berge in den Alpen ein. Doch die stolze Republik im Westen Europa hat noch viel mehr zu bieten. Längst mehr als ein Geheimtipp ist die Ardèche.

Die Region südwestlich von Lyon lockt mit atemberaubenden Schluchten, Zeugnissen der Menschheitsgeschichte, einer faszinierenden Unterwelt und einem großen Angebot für Aktivurlauber. Ob mit dem Kanu auf dem Fluss, dem Rad auf den Straßen oder dem Rucksack auf dem Rücken beim Wandern: Nahezu jeder Outdoor-Sportler kann in der Ardèche zu spannenden Touren aufbrechen und die wildromantische und teilweise unberührte Natur genießen.

Der französische Grand Canyon

Der Fluss Ardèche hat dem Département in der zum Zentralmassiv gehörenden Region Auvergne-Rhône-Alpes nicht nur ihren Namen gegeben, sondern auch in Millionen von Jahren einen tiefen Canyon in die Berglandschaft eingegraben.

Zwischen Vallon-Pont-d‘Arc und Saint-Martin d’Ardèche schlängelt sich der 125 Kilometer lange Nebenfluss der Rhône in den Schluchten der „Gorges de l’Ardèche“ besonders eindrucksvoll durch die Landschaft. An den Ufern ragen Kalkfelsen bis zu 300 Meter in die Höhe. Das Geo-Magazin bezeichnet das Ardèche-Tal sogar als „den französischen Grand Canyon“.

Eine natürlich geformte Steinbrücke, der Pont-d’arc, ist nicht nur der Startpunkt der Schluchten, er ist auch zum Wahrzeichen der südfranzösischen Region geworden. Im Sommer können Urlauber rund um den 35 Meter hohen Bogen an einem Sandstrand entspannen.

Baden in den Wildflüssen

Überhaupt laden Wildflüsse der Region, zu denen neben der Ardèche noch der Chassezac und der Beaume gehören, wegen des relativ sauberen Wassers zum Baden ein. Auch die Temperaturen sind zum „planschen“ wegen des im Sommer vorherrschenden Mittelmeerklimas bestens geeignet. Dabei sollten Badende allerdings stets den Himmel im Auge behalten: Aufgrund der gebirgigen Lage besteht eine erhöhte Gewitterneigung.

Ausflug mit dem Kanu

Für Sportler bietet sich rund um den Pont d’Arc ein Ausflug mit dem Kanu an. Dabei werden mehrere Parcours mit Streckenlängen von acht Kilometern für Anfänger und bis zu 32 Kilometern für Fortgeschrittene angeboten. Wer kein Kanu hat, dem bietet sich bei zahlreichen Verleih-Stationen die Möglichkeit ein solches zu mieten. Eine kurze Einführung in die Techniken des Sports, eine Schwimmweste, ein Schutzhelm und eine Abholung vom Zielort sind meist inklusive.

Spektakuläre Panoramastraße

Vor dem Pont d’Arc beginnt auch die schönste Straßen-Touristikroute durch die Schluchten der Ardèche. Diese lässt sich nicht nur mit dem Auto, sondern auch herrlich mit dem Fahrrad erkunden. Die Aussichtspunkte entlang der Strecke, wie der Serre de Tourre, der Balkon, der Tempelritter oder Ranc-Pointu laden Reisende auf zwei Rädern zu Pausen ein. Hier lassen sich spektakuläre Fotos für das Urlaubsalbum schießen.

Der Fluss Ardèche hat in Millionen von Jahren einen tiefen Canyon in die Berglandschaft eingegraben, Frankreich - © Gaelfphoto / stock.adobe.com
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Wer auf seinem Bike noch sportlicher unterwegs sein möchte, hat die Möglichkeit Teilstrecken oder ganze Etappen der Tour de France nachzufahren. Beim bedeutendsten Radrennen der Welt durchqueren die Stars der Szene regelmäßig das Département.

Der Schweizer Radprofi Stefan Klüng bezeichnete die Etappe durch die Schluchten der Ardèche im vergangenen Jahr als besonderes Erlebnis. „Die Etappe nach Mende durch die Ardèche war superschön, das habe ich mir definitiv für einen späteren Besuch notiert“ wird Klüng zitiert.

6.000 Kilometer Wandernetz

Nicht nur auf zwei Rädern, sondern auch auf zwei Beinen lässt sich die Ardèche erkunden. Das Wandernetz der Region umfasst rund 6.000 Kilometer. Fünf zwischen 60 und 250 Kilometer lange Rundwanderwege können erkundet werden. Lokale Wanderwege für Tagestouren oder Spaziergänge runden das Angebot ab.

Mehrere Fernwanderwege wie der E4 von Österreich nach Spanien durchqueren die Ardèche. Der 252 Kilometer lange Fernwanderweg GR70 schlängelt sich entlang der Route, die der weltbekannte Literat Robert Louis Stevenson (Dr. Jekyll und Mister Hyde) als Vorlage für sein Reisebuch „Wanderung mit einem Esel in den Cevennen“ zurücklegte.

Die Ardèche, die dabei ebenfalls durchwandert wurde, gehört geografisch zwar zu den Cevennen, wird allerdings dennoch aus kulturhistorischen Gründen nicht immer dazu gezählt. Der Grund hierfür: Die Cevennen umfassen gemäß Definition evangelisch geprägte Gebiete. Die Menschen in der Ardèche sind dagegen überwiegend Katholiken.

Unberührte und geschützte Natur

Die Natur im 325.000 Einwohner zählenden Département Ardèche ist auch die Heimat zahlreicher seltener Insekten, Reptilien und Vögel geworden. Rund 180.000 Hektar Fläche sind im Naturpark Monts d’Ardèche unter besonderen Schutz gestellt. Der Naturpark wurde 2001 gegründet und liegt zwischen Lamastre und Les Vans.

Weiter westlich befindet sich der 321.000 Hektar große Nationalpark Cevennen mit Bergen (Mont Lozère, Mont Aigoual) und Hochplateaus (Causse Méjean), sowie einer sehr abwechslungsreichen und artenreichen Flora und Fauna.

Der südliche Teil der Ardèche, in dem sich die „Gorges de l’Ardèche“ befinden, liegt nur zwischen 180 und 500 Metern über dem Meeresspiegel. Der nördliche Teil hingegen besteht aus einer Gebirgslandschaft mit bis zu 1.700 Meter hohen Gipfeln.

„Grotte Chauvet“ ist UNESCO-Weltkulturerbe

Im Süden der Region liegt die seit 2014 als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannte „Grotte Chauvet“. Die erst vor 25 Jahren entdeckte Höhle gehört zu den weltweit bedeutendsten archäologischen Fundplätzen mit Höhlenmalereien und Ritzzeichnungen. Über 400 Wandbilder mit rund 1.000 gemalten und gravierten Tier- und Symboldarstellungen können dort bestaunt werden. Gemalt wurden sie vor Urzeiten mit Holzkohlen. Die ältesten Zeichnungen entstanden laut Experten vor über 37.000 Jahren.

Zu einer Reise unter die Erdoberfläche lädt auch die Tropfsteinhöhle von Orgnac ein. In mehreren „Sälen“ sind dort beeindruckende Steinformationen und Konkretionen zu sehen. Im 121 Meter unter der Erdoberfläche gelegenen „roten Saal“ werden diese mit einer Licht- und Ton-Schau eindrucksvoll in Szene gesetzt.

Die Höhle von Orgnac ist derzeit ein Anwärter auf eine Aufnahme ins UNESCO-Weltkulturerbe. Neben dieser finden geologisch interessierte Reisende in zahlreichen weiteren Höhlen (Cocalière, Madelaine, Saint-Marcel oder Trabuc) beeindruckende Formationen und Konkretionen.

Malerisches Balazuc

Hoch über der Erde auf einem Felsen liegt dagegen der malerische Ort Balazuc. Die Kleinstadt mit einer durch das Mittelalter geprägten Vergangenheit zählt zu den schönsten Dörfern Frankreichs. Bei einem Spaziergang durch verschlungene Gassen, Gewölbepassagen, Bögen und Treppen lässt sich die historische Architektur am besten genießen.

Hoch über der Erde auf einem Felsen liegt der malerische Ort Balazuc und zählt zu den schönsten Dörfern Frankreichs - © Richard Semik / stock.adobe.com
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Die denkmalgeschützte feudale Burg von Balazuc und die ebenfalls unter Denkmalschutz stehende romanische Kirche Sainte-Madeleine sollten dabei nicht ausgelassen werden. Passiert man die Brücke über den Fluss Ardèche, hat man einen freien Blick über den Ort.

Eintauchen in die französische Lebensart

Die französische Lebensart lässt sich in der Ardèche am besten auf den zahlreichen Märkten der Region erleben. Der für die Region typische Ziegenkäse „Picodon“ wird dort ebenso angeboten, wie reife und saftige Früchte aller Art oder herzhafte Schinken- und Salami-Spezialitäten. Marktbesucher sollten Frühaufsteher sein, denn die meisten sind nur von 9:00 bis 13:00 Uhr geöffnet.

Essen wie Gott in Frankreich können Reisende auch in den zahlreichen Restaurants der Städte und Dörfer. Sich für eines der angebotenen Menüs statt Einzelgerichten zu entscheiden, ist hier oft die preisgünstigste und beste Wahl.

Die zahlreichen Bäckereien bieten zudem selbst gebackene Frühstücksspezialitäten wie Croissants oder Flûtes an. Qualitativ hochwertige Weine werden ebenfalls in der Region hergestellt. Die Ardèche zählt dabei zu den Anbaugebieten Côtes du Rhônes und Côtes du Vivarais.

Während der Weinanbau weiter ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der dünn besiedelten Region (59 Einwohner pro Quadratkilometer) ist, spielen die Landwirtschaft und die früher bedeutende Seidenproduktion mittlerweile kaum noch eine Rolle. Lavendel wird dagegen, ebenso wie Oliven und Esskastanien, immer noch angebaut und verarbeitet.

Campingplätze direkt an den Flüssen

Neben Hotels und Ferienhäusern finden sich in der Ardèche zahlreiche Campingplätze, oft traumhaft schön direkt an Flüssen, gelegen. Aufgrund der verkehrsgünstigen Lage lässt sich ein Besuch des Départements auch prima mit Reisen zu anderen Zielen verbinden.

Marseille mit seinen zahlreichen Sehenswürdigkeiten ist von dort ebenso schnell über die A7 zu erreichen, wie Montpellier über die A9. Ebenfalls bequem für in binnen kurzer Zeit anzureisen, sind die malerischen Landschaften der Camargue sowie die südfranzösische Mittelmeerküste. In östlicher Richtung sind die französischen Alpen nur etwas mehr als 100 Kilometer entfernt.