Große Moschee von Kairouan, Tunesien

Die Djamaa Sidi Oqba ist die Hauptmoschee von Kairouan, Tunesien und viertwichtigste Pilgerstätte der islamischen Welt - © Marques / Shutterstock
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Die Große Moschee von Kairouan ist das Wahrzeichen der Stadt. Ihre wuchtigen Mauern beherbergen das älteste Minarett der Welt, einen gewaltigen Gebetssaal und einen eindrucksvollen Säulenwald.

Die Große Moschee der tunesischen Stadt Kairouan, auch Djamaa Sidi Oqba genannt, ist die Hauptmoschee von Kairouan und gilt als Wahrzeichen der Stadt. In der „Stadt der 300 Moscheen” sticht die Djamaa Sidi Oqba im Nordosten der Medina (Altstadt) von Kairouan durch ihre Größe und ihr wuchtiges Erscheinungsbild hervor. Gemeinsam mit der Medina von Kairouan zählt die Djamaa Sidi Oqba seit 1988 zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Die Große Moschee von Kairouan ist nach Mekka, Medina und Jerusalem das viertwichtigste Pilgerziel der islamischen Welt. Ein siebenmaliger Besuch der Djamaa Sidi Oqba ist gleichbedeutend mit einem Besuch in der al-Haram-Moschee in Mekka.

BILDER: Hauptmoschee von Kairouan

Errichtung der Großen Moschee von Kairouan

Die Djamaa Sidi Oqba wurde im Jahr 670 durch den muslimischen Eroberer ‘Uqba ibn Nãfi’ errichtet, der auch die Stadt Kairouan gründetet. Damals stand die Große Moschee noch direkt neben dem Militärlager seines Heeres. Im Zuge der Eroberung Karthagos durch die Araber wurde die Moschee zerstört und Anfang des 8. Jahrhunderts von den Aghlabiden wieder aufgebaut. Auf diese Zeit gehen die bis heute erhaltenen ältesten Bauteile der Djamaa Sidi Oqba zurück, zu denen zum Beispiel die „Mihrab”, die Gebetsnische, und das „Minbar”, die aus kostbarem Teakholz geschnitzte Kanzel der Moschee, gehören. Letzteres ist vermutlich das älteste heute erhaltene Minbar der Welt, denn im Jahr 774 wurde die Moschee abermals zerstört, nur die Mihrab und das Minarett blieben erhalten. Der Wiederaufbau erfolgte unter Yazīd ibn Ḥātim.

Mystisch: Zwischen der Mihrab und dem Minbar befindet sich ein Säulenpaar, das besonders eng zusammen steht. Wer sich durch diesen Spalt quetscht kann der Legende nach direkt ins Paradies eintreten.

Die Gebetshalle der Großen Moschee von Kairouan, Tunesien ist durch Säulenreihen in 17 Längsschiffe geteilt - © MarcinSylwiaCiesielski/Shutterstock
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In den darauffolgenden Jahrhunderten wurde die Große Moschee von Kairouan von den jeweiligen Herrschern in großem Stil umgebaut, erweitert und kunstvoll geschmückt. Ende des 13. Jahrhunderts wurden umfassende Renovierungen vorgenommen, so wie auch im Zeitraum vom 17. bis zum 19. Jahrhundert, doch der strukturelle Kern der Djamaa Sibi Oqba ist in seiner ursprünglichen Form noch bis heute erhalten.

Die Djamaa Sidi Oqba ist aus rötlich- bis ocker-farbenen Ziegeln errichtet, umfasst eine Fläche von 9.000m² und hat einen Umfang von 415 Metern. 6 Kuppeln krönen ihr Dach, von denen die Mihrab-Kuppel, jene über der Gebetsnische, am reichsten verziert ist.

 

 

Gigantischer Innenhof der Großen Moschee von Kairouan

Der riesige Innenhof der Moschee fordert mit erdfarbenen, fast schmucklosen Mauern und geraden Linien zur Ruhe und Besinnung auf. Er ist von Arkaden mit einem wahren Wald von 414 Säulen umgeben, die in die arabische Architektur auch korinthische, ionische, römische und byzantinische Elementen einfließen lassen. Auf seiner Fläche von 95 mal bis zu 67 Metern bietet der Innenhof der Djamaa Sidi Oqba Platz für 200.000 Gläubige.

Früher war er mit Keramikfliesen ausgelegt. Die heutigen Marmorplatten wurden erst im 19. Jahrhundert verlegt, doch das feine Gitter in der Mitte des Hofs, welches das Regenwasser filtert, bevor es in die Zisternen unter de Moschee geleitet wird, ist heute noch zu sehen.

Die Sonnenuhr im Hof zeigt die Stunden für die Gebete an.

Imposantes Minarett der Großen Moschee von Kairouan

Das 35m hohe Minarett der Djamaa Sidi Oqba in Kairouan, Tunesien gilt als ältestes Minarett der Welt - © MarcinSylwiaCiesielsk/Shutterstock
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Ebenfalls aus dem 8. Jahrhundert stammt das wuchtige Minarett der Großen Moschee von Kairouan. Damit gilt es als ältestes Minarett der Welt. Im Gegensatz zu der schlanken Form vieler anderer Minarette wirkt jenes der Djamaa Sidi Oqba beinahe wie ein Wehrturm mit Schießscharten. Es ragt gegenüber dem Gebetssaal 35m in den Himmel und kann über 129 Stufen erklommen werden.

Kolossaler Gebetssaal der Djamaa Sidi Oqba

Zwei der vielen wunderbar verzierten Tore führen vom Innenhof aus in den monumentalen Gebetssaal der Großen Moschee von Kairouan. Das prächtigste ist jenes im Südosten, das Lalla-Rihana-Tor aus dem Jahr 1294.

Mehrere prachtvolle Tore führen vom Innenhof ins Innere der Djamaa Sidi Oqba in Kairouan, Tunesien - © bumihills / Shutterstock
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Der Gebetssaal der Moschee besteht aus insgesamt 17 Längsschiffen, die alle durch marmorne Reihen von insgesamt 420 Säulen in einer eigenen Hierarchie getrennt sind.

Die Gebetsnische, die Mihrab, ist das Punkstück des Gebetssaals. Sie weicht eigentlich um 31 Grad von der tatsächlichen Gebetsrichtung nach Mekka ab. Aufgrund der kostbaren Marmorverkleidung mit den kunstvollen kalligrafischen Inschriften und dem wertvollen rotem Porphyr-Vorbogen aus dem 8. Jahrhundert wurde die Gebetsnische jedoch nicht verlegt. Die kunstvollen Zedernholz-Schnitzereien, die die Seitenwände der Djamaa Sidi Oqba zieren, stammen noch aus dem 9. Jahrhundert und auch die Gebetsgravuren und Koranzitate der Säulen an den Toren und im Gebetssaal sind mehrere hundert Jahre alt.

 

Bibliothek der Djamaa Sidi Oqba

Gleich neben dem Mihrab wurde in der Djamaa Sidi Oqba ein eigener Raum gefunden, in dem massenhaft kostbare Handschriften aufbewahrt wurden. Erst Ende des 19. Jahrhunderts begannen die Forscher mit der detaillierten Katalogisierung und stießen auf unbezahlbare Schätze auf Pergament, darunter die weltweit älteste Rechtsliteratur der Malikiten im 9. Jahrhundert und uralte Fragmente aus dem so genannten „Blauen Koran”, die auf kobaltblauem Pergament noch in der archaischen Kufi-Schrift aus Gold verfasst wurden. Die literarischen Kostbarkeiten aus der Großen Moschee werden heute in der ehemaligen Sommerresidenz des Präsidenten Habib Bourguiba im 12 km entfernten Raqqada restauriert und aufbewahrt, der auch ein kleines Museum angeschlossen ist. Manche Handschriften gingen auch in private Sammlungen über.

Besuch der Großen Moschee von Kairouan

Touristen dürfen – ohne Schuhe und mit einem großen weißen Tuch verhüllt – zwar die Djamaa Sidi Oqba besichtigen, den Gebetssaal selbst jedoch nicht betreten. Dieser ist den Muslimen vorenthalten, die sich eine Gebetsmatte nehmen und in vollkommener Ruhe ihre Gebeten sprechen. Ein Besuch dieses atemberaubenden Bauwerks ist dennoch ein absolutes Muss für jeden Tunesien-Reisenden. Tickets könne direkt bei der Moschee erstanden werden.