Ruinen von Karthago, Tunesien

Die Überreste der prächtigen Großstadt von Karthago sind nach zweimaliger Zerstörung der Handelsmetropole in einem Vorort von Tunis in Tunesien zu sehen - © Andrey Starostin / Shutterstock
© Andrey Starostin / Shutterstock

Karthago, die bedeutendste römische Metropole Afrikas im heutigen Tunesien, wurde im 7. Jahrhundert zerstört. Zwischen den Überresten der einstigen Großstadt kann heute noch Geschichte geschnuppert werden.

Die Ruinen der Stadt Karthago befinden sich in Nordafrika nahe der tunesischen Hauptstadt Tunis. Karthago war in der Antike eine bedeutende Großstadt und Hauptstadt der nordafrikanischen See- und Handelsmacht Karthago. Die Ruinen der einstigen Metropole sind heute ein Vorort von Tunis und eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Tunesiens. Seit 1979 zählt die Ausgrabungsstätte von Karthago zum Weltkulturerbe der UNESCO.

BILDER: Ruinen von Karthago

 

Geschichte Karthagos

Karthago wurde ungefähr im 8. Jahrhundert vor Christus gegründet und 539 vor Christus von den Persern erobert. Karthago hatte zwei erstklassige Häfen, perfektionierte die Schifffahrt und unterstützte die Perser in ihren Kriegen. Bald unterhielt Karthago Kolonien im gesamten Mittelmeerraum von Sizilien bis Südspanien. Ihre Einwohner, von den Römern als Punier bezeichnet, schwelgten im 4. und 3. Jahrhundert vor Christus in allem nur erdenklichen Luxus, denn Karthago war durch den Aufschwung des Seehandels zur reichsten Stadt am Mittelmeer aufgestiegen.

Doch dann kamen die drei Punischen Kriege gegen Rom, der zweite vom berühmten karthagischen Feldherrn Hannibal geführt, der es bis vor die Tore Roms schaffte. 146 vor Christus, zum Ende des dritten Punischen Krieges, wurde Karthago von den Römern erobert und völlig niedergebrannt. Erst etwa ein Jahrhundert später, unter dem bekannten Imperator Gaius Julius Cäsar und später dem römischen Kaiser Augustus wurde Karthago neu gegründet und entwickelte sich erneut zu einer Metropole. Dank des regen Getreidehandels mit Rom wurde Karthago damals nach Rom, Antiocha und Alexandria zur viertgrößten Stadt des Römischen Reiches.

Karthago war einst die wichtigste römische Stadt Nordafrikas. Ihre Ruinen sind heute in einem Vorort von Tunis in Tunesien zu besichtigen - © Dereje / Shutterstock
© Dereje / Shutterstock

Im 4. Jahrhundert wurde Karthago vom Volk der Vandalen erobert, die Karthago zur neuen Hauptstadt des Vandalenreiches machten. 533 zwar von den Römern zurückerobert, war es mit der Blütezeit Karthagos nahezu vorbei. Um 600 wurden zwar noch einmal einige Gebäude renoviert, doch als dann Mitte des 7. Jahrhunderts die Araber nach Nordafrika einfielen und ihre erste afrikanische Stadt Kairouan gründeten, dauerte es bis zur Zerstörung Karthagos durch die Araber Ende des 7. Jahrhunderts nicht mehr lange. Das nahe gelegene Tunis wurde das neue Verwaltungszentrum und Karthago diente ab sofort als Steinbruch für die nahe gelegenen Städte Tunis, Kairouan und Sousse.

Besuch der Ruinen von Karthago

Das ehemalige Karthago liegt heute etwa 15km westlich von Tunis und kann in einer halben Stunde bequem mit der Schnellbahn TGM erreicht werden. Erreicht man das heutige Villenviertel Carthage, glaubt man beim Anblick der maurischen Paläste und palmenbewährten Gärten nicht, dass man eigentlich auf historischem Boden wandelt.

Die katholische Kathedrale St. Louis befindet sich auf dem Byrsa-Hügel inmitten der Ruinen von Karthago in Tunesien - © WitR / Shutterstock
© WitR / Shutterstock

Die Araber gingen bei der Zerstörung von Karthago äußerst gründlich vor. So sind von den einst prächtigen römischen Wohnanlagen, Villen und Thermalbädern Karthagos heute leider nur noch einige Grundmauern und Säulenreste zu sehen. Von den punischen Bauten ist nach dem letzten punischen Krieg gar nichts mehr übrig geblieben. Die Ausgrabungen sind jedoch noch nicht abgeschlossen und vielleicht verbirgt sich unter der Erde noch der eine oder andere karthagische Schatz.

Die freigelegten Überreste römischer und punischer Geschichte sind in insgesamt sechs archäologischen Stätten zu bestaunen.

Tipp: Für eine Besichtigung der Ruinen von Karthago sollte man mehrere Stunden bis hin zu einem ganzen Tag einplanen, denn die einzelnen Ausgrabungsstätten liegen etwa 15 Gehminuten auseinander. Man sollte sich also auf einen langen Fußmarsch einstellen und dementsprechend feste Schuhe anziehen. Wer dem entgehen will, kann die einzelnen Stationen Karthagos auch mit der TGM-Schnellbahn abklappern.

Sehenswertes in den Ruinen von Karthago

Amphitheater

Eines der Highlights von Karthago ist das römische Amphitheater. Seine gewaltigen Ausmaße lassen sich heute noch erahnen. Anscheinend bot es zu seiner Blütezeit mit Steh- und Sitzplätzen bis zu 50.000 Zuschauern Platz. Damals war es nach dem Amphitheater in El Jem das größte afrikanische Amphitheater des Römischen Reiches. Heute wird das Amphitheater von Karthago für sommerliche Musik- und Theaterveranstaltungen und Festivals genutzt.

Das gewaltige Amphitheater in Karthago war nach jenem in El Jem das größte Amphitheater Afrikas, Tunesien - © amidala76 / Shutterstock
© amidala76 / Shutterstock

Antonius-Pius-Therme

Direkt oberhalb der Küste liegt die beeindruckende Antonius-Pius-Therme aus dem Jahr 162 nach Christus. Die Römer waren ja bekannt, für ihre luxuriösen Bäder und ein Hauch dieses einstigen Prunks kann hier noch erahnt werden. Damals zählte die Antonius-Pius-Therme zu den größten und schönsten Wellnesstempeln des Römischen Reiches. Mit einer Länge von 200m und einer Höhe von 20m, heute noch durch einer 15m hohe wieder aufgerichtete Säule des Frigidariums eindrucksvoll zur Schau gestellt, war der luxuriöse Bau die größte römische Therme außerhalb Roms.

Quartier Magnon

Südlich der Therme schließt sich der archäologische Park Quartier Magnon an, in dem wunderschöne römische Villen mit kunstvollen Mosaiken und Springbrunnen der wohlhabenden Römer bestaunt werden können.

Kultstätte von Tophet

Wer ein Faible für Gruseliges hat, wird in der weltbekannten Kultstätte von Tophet ein interessantes Ausflugsziel finden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden hier in Form von tausender Knochen und Urnen eindeutige Hinweise gefunden, dass hier von den Karthagern Menschenopfer erbracht wurden. Um die Götter gnädig zu stimmen, mussten sogar Kinder ihr Leben lassen.

Kathedrale St. Louis

Den besten Überblick über die Ruinen von Karthago hat man vom Byrsa-Hügel aus. Direkt dort befindet sich die imposante Kathedrale St. Louis, die 1890 von den Franzosen errichtet wurde.

In einem ehemaligen Kloster auf der Rückseite der Kathedrale St. Louis in Karthago befindet sich das Nationalmuseum von Tunesien - © amidala76 / Shutterstock
© amidala76 / Shutterstock

Im ehemaligen Kloster auf deren Rückseite wurde das tunesische Nationalmuseum eingerichtet, welches in Form von Skulpturen und Schmuck vor allem die punische Kultur präsentiert und in jedem Fall einen Besuch wert ist!

Tipp: Auf dem Ausgrabungsfeld von Karthago gibt es so gut wie keinen Schatten, daher unbedingt an ausreichend Sonnenschutz, genügend Trinkwasser und eine Kopfbedeckung denken!

Rund um Karthago

Bevor man die Ruinen von Karthago wieder verlässt, sollte man unbedingt der atemberaubenden Küstenregion einen Besuch abstatten, die zu den schönsten ganz Tunesiens zählt. Die fantastische Landschaft kleidet sich im Frühjahr in ein berauschendes Blütenmeer und bietet im Sommer idyllische Bademöglichkeiten. Weitere Ausflugsmöglichkeiten von Karthago aus sind das malerische Künstlerdorf Sidi Bou Said und die traumhafte Küstenstadt La Marsa.