Ichkeul-Nationalpark, Tunesien

Hunderttausende Zugvögel nutzen den Ichkeul Nationalpark im Norden Tunesiens als Zwischenstop nach ihrer Reise über das Mittelmeer - © Sabine Schmidt / Shutterstock
© Sabine Schmidt / Shutterstock

Der Feucht- und Seengebiete des Ichkeul-Nationalparks im Norden Tunesiens stellen einen wichtigen Rastplatz für Millionen von Zugvögeln dar, die nach ihrer Reise über das Mittelmeer eine Pause einlegen.

Der Ichkeul Nationalpark liegt im Norden Tunesiens und umfasst eine Fläche von etwa 12.600 Hektar. 1988 wurde der Ichkeul Nationalpark von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt.

Im Ichkeul-Nationalpark liegen der Ichkeul-See und der Djebel Ichkeul. Der See ist durch einen Fluss mit der Salzwasser-Lagune Lac de Bizerte verbunden. Im Sommer, wenn der Regen ausbleibt, kann es vorkommen, dass ein Ungleichgewicht entsteht und das Salzwasser über den Flusslauf bis in den Ichkeul-See kommt. Im Juli bis Oktober ist der Wasserstand des Sees am niedrigsten und der Salzgehalt am höchsten. Die im Herbst einsetzenden Regengüsse bringen jedoch wieder frisches Süßwasser.

Neben dem Ichkeul-See ist der Berg „Djebel Ichkeul” die zweite Attraktion des Nationalparks. Er besteht aus Kalkstein und ist vermutlich in den Zeitaltern von Trias und Jura entstanden, als die Dinosaurier unseren Planeten beherrschten.

Rastplatz hunderttausender Zugvögel

Die Gründung des Ichkeul Nationalparks erfolgte vor allem, um die dort heimische Vogelwelt zu schützen. Die Feuchtgebiete um den Ichkeul-See im nördlichen Tunesien sind eine wichtige Station für die Zugvögel auf ihrem Weg nach Europa bzw. Afrika. Hunderttausende Enten, Gänse, Störche, Flamingos und weiteres Federvieh lassen sich hier nach ihrer anstrengenden Reise über das Mittelmeer nieder und bereiten sich auf den Weiterflug vor. Hier gibt es Futter, Nistplätze und dank des Ichkeul-Sees auch genügend Trinkwasser.

Zu Spitzenzeiten lassen sich hier bis zu 400.000 Vögel gleichzeitig nieder, insgesamt 226 verschiedene Arten, von denen knapp 40 auch zum Brüten bleiben. Die übrigen ziehen noch weiter in den afrikanischen Süden und kommen erst im Frühling wieder zurück. Zu den häufigsten zählen Pfeifenten, Tafelenten, Krickenten, Spießenten, Blesshühner, Löffelenten, Stelzenläufer und Graugänse. Auch einige bedrohte Arten, wie die Weißkopfruderente oder die Marmelente finden hier ein geschütztes Rückzugsgebiet. Im Sommer finden sich hier auch Flamingos ein.

Aus der Gruppe der Säugetiere sind im Ichkeul-Nationalpark hauptsächlich Wildschweine und Wasserbüffel vertreten, es kommen jedoch auch Schakale, Wildkatzen, Ginsterkatzen, Mungos und vier verschiedene Fledermausarten vor. Früher waren auch Otter im Ichkeul-Nationalpark verbreitet, sie wurden jedoch aufgrund ihres Fleisches nahezu ausgerottet. Seit Gründung des Nationalparks erholt sich ihr Bestand langsam wieder.

Geschichte des Ichkeul-Nationalparks

Bereits im Jahr 1240 nutzten die Hafsiden das Gebiet des heutigen Nationalparks als Jagdrevier. Mitte der 1960er-Jahre wurde man auf die Bedeutung dieser Region für die Tierwelt aufmerksam. 1974 wurde es das erste Mal unter Schutz gestellt und 6 Jahre später zum Nationalpark erklärt.

Bedrohung des Ichkeul-Nationalparks

Das kostbare Trinkwasser des Ichkeul-Sees benötigen auch die Menschen und so wurden im Nationalpark Dämme errichtet und Wasser abgezweigt. Dies führte dazu, dass das Wasser im Nationalpark durch den Überschuss an Meerwasser, das durch den Fluss zulief, zunehmend salziger wurde, wodurch sich auch die Pflanzenwelt gravierend veränderte. Kurzfristig wurde der Ichkeul-Nationalpark daher auf der Roten Liste des UNESCO Welterbes geführt.

Mittlerweile haben die Behörden Tunesiens jedoch Maßnahmen ergriffen, um die Versalzung des Ichkeul-Nationalparks zu stoppen. Ob sich das Gebiet jäh wieder ganz von den menschlichen Eingriffen erholt, ist noch unklar.