Medina (Altstadt) von Kairouan, Tunesien

Eine typische Straße in der Medina (Altstadt) von Kairouan in Tunesien - © MarcinSylwiaCiesielski/Shutterstock
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Die Medina (Altstadt) der tunesischen Stadt Kairouan hat als viertheiligste Stadt des Islam eine Vielzahl an Schätzen zu bieten. Verwinkelte Gassen, zahlreiche Moscheen und quirlige Märkte formen die typische Atmosphäre einer nordafrikanischen Stadt.

Kairouan, auch Qairawãn oder Kairouan geschrieben, liegt in Tunesien etwa 150km südwestlich der Hauptstadt Tunis. Bis zum 11. Jahrhundert war Kairouan ein bedeutendes Zentrum der islamischen Gelehrsamkeit in Nordafrika. 1988 wurden die Medina von Kairouan, seine Märkte und Moscheen von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Geschichte von Kairouan in aller Kürze

Kairouan (wörtlich „Lager”) wurde als erste islamische Stadt Afrikas im Jahr 670 von ‘Uqba ibn Nãfi’ gegründet, der mit seinem Heer ausgezogen war, um den Islam in der Welt zu verbreiten. Der Legende nach soll er damals, seinen Stock in den nordafrikanischen Staub gestoßen haben, woraufhin eine Quelle entstanden ist. Diese ist heute noch als Bir-Barouta-Brunnen zu sehen, ein braunes Backsteinhaus mit einer mächtigen Kuppel, dessen Wasser herrlich kühl schmeckt.

Kairouan entwickelte sich in den darauffolgenden Jahren zu Nordafrikas Zentrum der arabischen Kultur und Rechtswissenschaften. 909 wurde Kairouan zur Residenz der damals herrschenden Fatimiden, einer schiitischen Gruppe, die aufgrund ihrer Spannung mit den heimischen Sunniten jedoch bald nach Kairo abwanderten. Es folgten weitere Herrscher, darunter die Ibaditen, Ziriden und Malikiten.

Während dieser Zeit wurde Kairouan immer weiter ausgebaut, erhielt prachtvolle Bauwerke und eine ausgeklügelte Wasserversorgung mittels Zisternen und Kanälen aus den umliegenden Bergen.

Seine letzte große Blüte erlebte Kairouan um das Jahr 1000 nach Christus unter den Ziriden. Danach wurde die Stadt in einem Glaubenskrieg zwischen Malikiten und Fatimiden vollständig zerstört. Viele Bewohner Kairouans flüchteten in die marokkanische Stadt Fes, wovon heute noch das Karaouine-Viertel in Fes zeugt. Die Lehrtätigkeit von Kairouan kam zum Erliegen und auch ausländische Studenten und Gelehrte ließen sich auf ihren Studienreisen lieber in anderen Städten nieder. Als dann auch noch die Küstenstadt Tunis immer mehr Bedeutung erlangte, geriet Kairouan zunehmend ins Hintertreffen.

Bunte Türen säumen die Straßen der Medina (Altstadt) von Kairouan in Tunesien - © MarcinSylwiaCiesielski/Shutterstock
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Von den Hafsiden wieder aufgebaut erhielt Kairouan nie wieder seine alte Bedeutung, ist jedoch nach wie vor nach Mekka, Medina und Jerusalem die viertheiligste Stadt des Islam. Vor dem Einmarsch der Franzosen im Jahr 1881 durfte kein Nicht-Muslime die Stadt betreten.

Unterwegs in der Medina von Kairouan

Die Medina von Kairouan wird durch das Haupttor betreten, dahinter breitet sich die Straße des. 7. November aus, die, gesäumt von Souvenir- und Teppichläden direkt zum Tunis-Tor, dem einzig ursprünglichen noch vorhandenen Tor der alten Stadtmauer führt. Ganze Busladungen von Touristen lassen in den Hauptstraßen der Medina von Kairouan Karnevalsstimmung entstehen, doch es lohnt sich auch, die kleinen Gassen und versteckten Läden der Medina zu erkunden. Denn Kairouan bietet so einiges zu entdecken.

Tipp: Bei der Tourismus-Information von Kairouan kann ein Sammelticket für alle wichtigen Sehenswürdigkeiten in Kairouan erstanden werden. Für einen ausgedehnten Erkundungstrip durch Kairouan sollte man sich mindestens einen Tag Zeit nehmen.

Moscheen in der Medina von Kairouan

Kairouan wird zwar etwas übertreiben aber auch nicht ganz zu unrecht als Stadt der 300 Moscheen bezeichnet. Als erste islamische Stadt Afrikas bemühten sich die Herrscher, den neuen Glauben so gut wie möglich zu festigen und errichteten große und kleinste Moscheen, manche davon prachtvoll verziert, aber alle ihre Fassaden mit Koranzitaten versehen. Nicht nur in der Altstadt, auch rundherum trifft man auf ein muslimisches Gotteshaus nach dem anderen.

Große Moschee von Kairouan

Die Große Moschee von Kairouan, auch Djamaa Sidi Oqba genannt, wurde im Jahr 670 vom Gründer Kairouans ‘Uqba ibn Nãfi’ errichtet und gilt heute als Wahrzeichen der Stadt. Sie beherbergt das älteste Minarett der Welt, eine meisterhaft verzierte Gebetsnische, die wie das Minarett aus dem 8. Jahrhundert stammt, einen gewaltigen Innenhof und einen wahren Wald aus kunstvoll verzierten Säulen verschiedenster Architekturstile. Bis auf den monumentalen Gebetssaal kann die Djamaa Sidi Oqba auch von Nicht-Muslimen besichtigt werden.

Der Innenhof der Großen Moschee von Kairouan in Tunesien fasst 200.000 Gläubige - © MarcinSylwiaCiesielsk/Shutterstock
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Moschee der Al-Ansar

Die Moschee der Al-Ansar ist höchstwahrscheinlich die älteste Moschee in Kairouan. Nicht bestätigten Hinweisen zufolge wurde sie bereits im Jahr 668 von Sidi Sahab, dem Freund und Kampfgenosse Mohammeds, auch bekannt unter dem Begriff „Prophetengefährte”, gegründet. Sein Grab befindet sich vor den Stadtmauern Kairouans und zählt ebenfalls zu Kairouans Sehenswürdigkeiten. Sie beherbergt einen offenen Gebetsraum und eine archaische Gebetsnische, die „mihrab”, die in jeder Moschee vorhanden und nach Mekka ausgerichtet ist. 1650 wurde die Moschee der Al-Ansar großzügig renoviert.

Moschee des Mohammed ibn Khairun

Mit ihrer wunderbar geschmückten Fassade zählt die Moschee des Mohammaed ibn Khairun (Drei-Tore-Moschee) zu Kairouans schönsten Beispielen islamischer Architektur, Tunesien - © MarcinSylwiaCiesielski/Shutterstock
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Die kleine Moschee des Mohammed ibn Khairun ist auch als „Drei-Tore-Moschee” bekannt und befindet sich zwischen dem Markt der Wollhändler und der südlichen Stadtmauer. Mit ihrer 7m hohen, mit Koranzitaten und Ornamenten wunderbar geschmückten Fassade zählt sie zu Kairouans schönsten Beispielen islamischer Architektur.

Das nur 12m hohe Minarett kann bestiegen werden und wurde übrigens erst später angebracht, wodurch zwei Buchstaben beschädigt wurden und der Innenraum durch die Treppe zum Minarett in seiner Symmetrie unterbrochen wurde. Auch der Gebetsraum beeindruckt mit knapp 100m² nicht gerade mit seinen Ausmaßen. Normalerweise typische Kanzel („minbar”) und Innenhof der Moschee fehlen völlig.

 

Zaitūna-Moschee

Die Zaitūna-Moschee wurde laut Überlieferung im Jahr 710 gegründet. Ihr Gründer soll neben der Moschee auch einen Markt errichtet haben, weswegen er auch „Kaufmann Gottes” genannt wurde. Während den Umbauarbeiten an der Großen Moschee fungierte die Zaitūna-Moschee als Ersatz-Moschee.

Stadtmauer von Kairouan

Die heutige Stadtmauer von Kairouan stammt aus dem mittleren 18. Jahrhundert und weist 20 Wachtürme auf. Sie misst eine Länge von knapp 4km und ist zwischen vier und acht Metern hoch. Auch die Inschriften, die den Wiederaufbau der Stadtmauer dokumentieren, stammen aus dieser Zeit. Das Tunis-Tor an der Nordmauer ist das einzige der sechs Tore, welches noch von der Ursprungs-Stadtmauer aus dem 8. Jahrhundert erhalten ist. Die anderen Tore, das Bãb asch-schuhadā-Tor (Tor der Märtyrer) im Süden, das Bāb al-Dschadīd (Neutor) im Nordwesten und das Bāb an-nasr (Siegestor) oder Bāb al-Dschāmiʿ (Tor (zur) Hauptmoschee) im Südosten, stammen ebenfalls aus der Zeit der Renovierung um 1750.

Märkte von Kairouan

Wie die meisten nordafrikanischen Städte hat auch Kairouan ein regelrechtes Meer an Märkten (Souks) zu bieten. Die Märkte in der Medina stammen aus dem 8. Jahrhundert und wurden unter der Herrschaft von Yazīd ibn Ḥātim angelegt, der auch die Große Moschee von Kairouan nach ihrer Zerstörung wieder errichten ließ. In den Schriften der vergangenen Jahrhunderte geht hervor, dass damals 12 Märkte angelegt wurden, die alle einer verschiedenen Zunft zugeordnet waren. Damals gab es Lokalhistorikern zufolge einen Markt der Stickereien, der Stoff- und Tuchhändler, der Papierhersteller, der Gerber, der Färber, der Stopfer und Näher, der Lanzen- und Speerhersteller, einen Geflügelmarkt, einen Dattelmarkt und auch einen Judenmarkt im Ḥārat Ḫaibar, dem damaligen Judenviertel. Die jüdische Bevölkerung Kairouans musste ihre Religionszugehörigkeit durch Kleidung und Schilder an ihren Häusern ausweisen und durfte ihre Gotteshäuser nur aus Lehm und nicht aus Ziegeln errichten. Im 10. Jahrhundert betrieben die Juden vor allem Geldgeschäfte.

Der heutige Markt in der Medina von Kairouan ist zwar ebenfalls nach Zünften geordnet, jedoch nicht mehr so streng unterteilt. Er besteht aus vielen verwinkelten Gassen, von denen einige überdacht sind. Am Souk kann die Seele einer orientalischen Stadt so richtig erfasst werden und ein Besuch dieser überwältigenden Mischung aus Gerüchen, Geräuschen, Farben und Waren ist für jeden Tunesien-Reisenden ein absolutes Muss!

Kairouan – Stadt der Teppiche

Was auf jeden Fall bis heute übrig geblieben ist, ist Kairouans Ruf als Stadt der Teppiche. Wunderbar gewebte und geknüpfte Teppiche, „zarbia” genannt, in allen Farben und Größen findet man an jeder Ecke der Medina von Kairouan.

Die gewebten und geknüpften Teppiche Kairouans sind weltweit für ihre ausgezeichnete Qualität bekannt und werden in alle Welt exportiert, Tunesien - © Jakez / Shutterstock
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Die Teppiche Kairouans sind weltweit für ihre ausgezeichnete Qualität bekannt (manche Teppiche weisen bis zu 250.000 Knoten auf, Seidenteppiche sogar die doppelte Anzahl) und werden in alle Welt exportiert. Die Teppiche werden übrigens nur von Frauen geknüpft. Allein das Spektakel, der schreienden und handelnden Teppichverkäufer ist einen Besuch wert. Und wem hartes Verhandeln liegt, kann einen fantastischen Teppich auf einen ebenso fantastischen Preis herunterhandeln. Wer garantiert nichts kaufen möchte, kann dem Teppichmuseum in der Avenue Ali Zouaoui einen Besuch abstatten, in dem alte Teppiche und Haushaltsgeräte ausgestellt sind. Der Eintritt ist frei.

Der perfekte Ausklang einer Entdeckungstour durch Kairouans Altstadt ist ein Besuch in einem typischen Café, wo man „Makroud”, mit Dattelpaste gefüllte Grießkekse, genießen und dem Konzert der Muezzins lauschen kann, die von über 100 Minaretten tönen und die Menschen zum Gebet rufen. Ein wunderbar arabisch-islamisches Altstadt-Ensemble.