Amphitheater in El Jem (El Djem), Tunesien

Das antike Amphitheater von El Jem in Tunesien ist das größte römische Monument Nordafrikas - © Vaughan Sam / Shutterstock
© Vaughan Sam / Shutterstock

Das Amphitheater in der tunesischen Kleinstadt El Jem ist das drittgrößte Amphitheater des Römischen Reiches. Bis heute ist seine gesamte Architektur außergewöhnlich gut erhalten.

Das Amphitheater in El Jem (El Djem) im Zentrum von Tunesien ist das drittgrößte römische Amphitheater der Welt und das größte römische Monument Afrikas. Mit einem gewaltigen Fassungsvermögen von 35.000 Sitzplätzen wird es nur vom Kolosseum in Rom und dem Amphitheater in Capua geschlagen. Seit 1979 zählt das Amphitheater von El Jem zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Geschichte des Amphitheaters von El Jem

Die Stadt El Jem wurde auf den Ruinen der antiken Stadt Thysdrus errichtet. Damals siedelte der römische Feldherr und Herrscher Julius Cäsar im Jahr 45 vor Christus in Thysdrus seine Veteranen an. Der wirtschaftliche Aufschwung von Thysdrus ging unter Kaiser Hadrian mit der Produktion von Olivenöl einher. Thysdrus war damals hinter Karthago die zweitwichtigste Stadt im römischen Nordafrika.

Das Amphitheater des heutigen El Jem entstand im Jahr 238 unter Prokonsul Gordianus I. Es wurde jedoch nicht von den Römern, sondern von den Bewohnern El Jems finanziert und erbaut, da ihnen die beiden vorhergehenden Amphitheater mit lediglich 2.000 und 8.000 Sitzplätzen zu klein waren. Auch die Ruinen der anderen Amphitheater sind übrigens noch sichtbar.

Aufgrund heftiger politischer Auseinandersetzungen, die zum Selbstmord des Prokonsuls führten, wurde das imposante Amphitheater vermutlich nie vollendet. Im Gegenteil: Als sich die wohlhabenden Bewohner El Jems in ihrem Amphitheater vor den römischen Steuereintreibern verbarrikadierten, rissen die Römer eine ganze Wand nieder, was heute noch deutlich zu sehen ist (manche Quellen behaupten, dass dies erst im 17. Jahrhundert passierte, als sich Rebellen im Amphitheater verschanzten). So wurden auch die unterirdischen Löwengruben und Gefängniszellen freigelegt. Es ist umstritten, ob das Amphitheater von El Jem je für die üblichen Zwecke wie öffentliche Hinrichtungen, Gladiatorenkämpfe und andere Zirkusspiele genutzt wurde.

Nach der Zerstörung durch die Römer wurde das Amphitheater in den darauffolgenden Jahrhunderten als Steinbruch für weitere Bauten in der Nähe genutzt, darunter auch die berühmte Große Moschee in Kairouan. Den Berbern diente es als letzte Festung gegen die einfallenden Araber. Trotzdem ist das Amphitheater bis heute noch erstaunlich gut erhalten und zählt zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Tunesiens.

Besichtigung des Amphitheaters von El Jem

Das prachtvolle Gebäude ist 36m hoch, etwa 150m lang und 120m breit und lockt Besucher aus aller Welt ins verschlafene El Jem. Ende der 1970er-Jahre wurde das Amphitheater großzügig renoviert und erscheint nun beinahe noch eindrucksvoller als das römische Kolosseum. Das mag wohl daran liegen, dass die mächtigen Mauern nicht von einer Großstadt umschlossen sind, sondern bereits von weitem sichtbar in den Himmel ragen. Denn nach der Zerstörung durch die Römer ist El Jem heute nicht mehr als ein Dorf.

Innenanschicht des Amphitheaters von El Jem in Tunsien, dem drittgrößten Amphitheater des Römischen Reiches - © Marques / Shutterstock
© Marques / Shutterstock

Die Galerien, auf denen einst die Zuschauertribünen aufgereiht waren, die Löwengruben und die Zellen der Gefangenen sowie die Schächte, durch die Gerätschaften, Tiere und Menschen aus den Tiefen des Amphitheaters auftauchten, sind heute noch gut zu sehen und können – im Gegensatz zum Kolosseum in Rom – ohne zusätzlichen Eintritt besichtigt werden. Sogar die ursprüngliche Dekoration der Mauern des Amphitheaters ist noch sichtbar.

Kleine Snack-Bars sorgen für das leibliche Wohl, wobei das „Hotel” in der Nähe des Parkplatzes sicherlich am günstigsten ist.

Anreise nach El Jem

Die kleine Stadt El Jem befindet sich ganz in der Nähe der Verbindungsstraße zwischen Sousse uns Sfax und ist gut ausgeschildert. Die Anfahrt nach El Jem kann auch mittels einer idyllischen Zugreise von Tunis aus erfolgen, die durch Wüste und endlose Olivenhaine führt. Die Anreise mit dem Taxi ist ebenfalls möglich, jedoch am kostspieligsten; der Preis sollte in jedem Fall vor Antritt der Reise ausgehandelt werden.

Tipp: Die ideale Tageszeit, das Amphitheater zu besichtigen, ist bei Sonnenauf- oder Sonnenuntergang. Zu dieser Tageszeit sind auch die spektakulärsten Fotos möglich. Auch wenn das Amphitheater von El Jem am Tagesrand geschlossen ist – Außenaufnahmen können jederzeit gemacht werden.

Das Amphitheater von El Jem ist wie jedes andere römische Amphitheater für seine außergewöhnliche Akustik bekannt. Diese wird heute noch im Zuge von Konzerten mit Musikstars aus aller Welt und einem alljährlichen Jazz-Festival zur Geltung gebracht.

Das Ticket zum Amphitheater berechtigt auch zum Besuch des zugehörigen Museums, in dem Artefakte ausgestellt sind, die in der Nähe des Theaters gefunden wurden. Außerdem hält es kunstvolle Mosaike und den Nachbau einer gesamten typisch römischen Villa bereit.

Das Amphitheater von El Jem in der Filmwelt: Einige Szenen des Monty Python-Films „Das Leben des Brian” sowie des Oscar-preisgekrönten Films „Gladiator” entstanden im Amphitheater von El Jem.

Weiterführende Links:

Anreise zum Amphitheater von El Jem per Zug – Fahrpläne