Ali Sadr Höhle, Iran

Die Ali Sadr Höhle im Nordwesten des Iran zählt zu den spektakulärsten Schauhöhlen der Welt - © Valery Shanin / Shutterstock
© Valery Shanin / Shutterstock

Die Ali Sadr Höhle im Nordwesten des Iran zählt zu den spektakulärsten Schauhöhlen der Welt. Auf unterirdischen Flüssen und Seen bewegen sich die Besucher in Tretbooten durch eine skurrile Wunderwelt aus Stalagmiten, Stalaktiten und farbenprächtigen Kalzitformationen.

Die Ali Sadr Höhle liegt, gut 75km nördlich der iranischen Stadt Hamedan und knapp 400km westlich der Hauptstadt Teheran.

Sie ist die weltweit größte Wasserhöhle, die einzige Schauhöhle im Iran und wohl einer der spektakulärsten Orte, die man sich vorstellen kann. Durch ihre Nähe zur Hauptstadt Teheran und der berühmten heiligen Stadt Qom zählt die Ali Sadr Höhle jedes Jahr einige Millionen Besucher.

Das Besondere an der Ali Sadr Höhle ist einerseits ihre enorme Größe von 11 Kilometern Länge und andererseits ihr gesamtes fantastisches Erscheinungsbild. Die größte Halle der Ali Sadr Höhle ist 100 Meter lang, 50 Meter breit und 40 Meter hoch. Die Höhle ist zum Großteil von pechschwarzen Seen und ruhig dahinfließenden Wasserläufen bedeckt. Das stille Wasser ermöglichte die Bildung von Kalzitkristallen an den Wänden, die in allen möglichen Farben und Formen als skurrile Gebilde im Schein der Lampen auftauchen. Das kristallklare Wasser offenbart die Kalzitformationen bis in eine Tiefe von 5 Metern unter der Wasseroberfläche. Daneben sind im Lauf der Jahrtausende Unmengen an Stalaktiten und Stalagmiten entstanden, die wie mächtige Säulen aus dem Boden aufragen, oder gleich gigantischen Tentakeln an den Wänden herabgleiten. Ihre Farbschattierungen reichen von braun und grün über blau und violett bis hin zu einem tiefen Rot.

Durch die Höhle mit dem Tretboot

Auch die Art, mit der sich die Besucher in der Höhle fortbewegen, ist extravagant. Werden die meisten bekannten Schauhöhlen zu Fuß erforscht, steigt man in der Ali Sadr Höhle in ein Tretboot und strampelt sich auf ruhigem, glasklarem Wasser durch die einmalige unterirdische Welt. Die vielen unterirdischen Seen und die 2m bis zu 50m breiten Flussläufe, die die Ali Sadr Höhle durchziehen, ermöglichen so den besten Eindruck der atemberaubenden Wasserhöhle. Alle Wasserwege münden schließlich an „Der Insel”, einer im Zentrum der Höhle gelegenen Halle. Hier kann man kurz aussteigen und sich die Beine vertreten.

Tipp: Ali Sadr ist ein sehr bezeichnender Name für die Höhle. Die Mischung aus „saad” („Stausee”) und „saard” („kalt”) beschreibt ziemlich präzise, womit man es zu tun hat, wenn man den Eingang zu dem fantastischen Höhlensystem einmal passiert hat. Gegen die niedrigen Temperaturen sollte man sicherheitshalber einen Pullover dabeihaben.

Betreten wird die Ali Sadr Höhle im Süden des gleichnamigen Ortes von einem Hügel namens Sari Ghiyeh aus, der auch noch den Eingang zu zwei anderen Höhlen, Sarab und Soubashi, die 7 bzw. 11 km von der Ali Sadr Höhle entfernt liegen.

Geschichte der Ali Sadr Höhle

In der Ali Sadr Höhle haben sich bereits vor 12.000 Jahren die ersten Menschen aufgehalten, was sich aufgrund von historischen Höhlenmalereien, die Tiere und Jagdszenen darstellen, Krügen und anderen Gefäßen vermuten lässt. Die Höhle selbst stammt aus der Jura-Zeit und ist an die 130 Millionen Jahre alt. Laut einer alten Inschrift am Eingang wurde die Höhle spätestens zur Herrschaft des persischen Achämeniden-Königs Darius I., von 521 bis 485 vor Christus, genutzt. Dies war vermutlich auch die Zeit, in der der Höhleneingang künstlich vergrößert wurde.

In jedem Fall geriet die Existenz der Höhle aus unerklärlichen Gründen in Vergessenheit. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts wurde sie wiederentdeckt. Von wem, weiß niemand so genau. Einige sprechen von einem Hirten, der auf der Suche nach einer verlorenen Ziege war, wieder andere von einem Dorfbewohner, der dem Rätsel, warum die Quelle in Ali Sadr plötzlich am Versiegen war, auf den Grund gehen wollte. Fakt ist, dass im Jahr 1963 iranische Bergsteiger auf den Höhleneingang stießen und die dunklen Hallen seit vielen Jahrhunderten als Menschen wieder betraten. 1975 wurde sie für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.