Plaza Murillo in La Paz, Bolivien

Mit dem Regierungspalast, dem Kongress und der Kathedrale sowie als beliebter Treffpunkt für die Stadtbewohner und Touristen zählt der zentrale Plaza Murillo zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von La Paz.

Als Sitz der Regierung von Bolivien ist der Plaza Murillo in der Altstadt von La Paz nicht nur Hauptplatz, sondern auch politisches Zentrum der Stadt und zählt zu unseren Top 10 Sehenswürdigkeiten von La Paz. Begrenzt wird er von Socabaya-Straße im Westen, der Ayacucho-Straße im Osten, der Comercio Straße im Süden und den beiden Straßen Ingavi und Ballivan im Norden.

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Zu Zeiten der Kolonisation wuchsen um den Plaza Murillo Eukalyptusbäume, die unter anderem mit dem Neptunbrunnen die wichtigste Trinkwasserquelle der Stadt umrahmten. Damit war der Platz schon damals Zentrum des sozialen Lebens und ein beliebter Treffpunkt für die Einwohner von La Paz.

Als Herz der historischen Altstadt „Casco Viejo“ wird der Plaza Murillo heute von mehreren prächtigen Baudenkmälern umrahmt und eignet sich perfekt als Ausgangspunkt für eine Stadtbesichtigung.

Regierungspalast von La Paz

Das ehemalige Rathaus und heute Sitz des Präsidenten von Bolivien in La Paz heißt auch Palacio Quemado, Verbrannter Palast - © saiko3p / Shutterstock
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Der Sitz des Präsidenten von Bolivien wurde im Lauf seiner Geschichte viele Male neu errichtet, erweitert, umgestaltet und modernisiert. Ein Großteil von Architektur und Interieur stammt nach wir vor vom Neubau aus dem Jahr 1853 und von der Umgestaltung im Jahr 1923.

Heute misst das neoklassizistische Gebäude etwa 37 mal 39 Meter. Seine erdfarbene Fassade ist mit griechisch anmutenden Fenstergiebeln und schneeweißen dorischen Säulen geschmückt. Auch ionische und korinthische Kapitelle wurden als Dekoration verwendet.

Besuch des Regierungspalastes von La Paz

Im Inneren des Palastes umrahmen dorische Säulen die Lobby mit bemalter Glasdecke, von der aus eine elegante Marmortreppe in die oberen Stockwerke führt. Kostbares Rokoko-Mobiliar, Samtvorhänge, Stuck und Blattgold zieren die Räumlichkeiten des Regierungspalastes, die jedoch leider zum Großteil nicht besichtigt werden können.

In der ersten Etage dominieren ionische Säulen und gelb-schwarzer Marmor und in den Wänden wurden Steine aus der 50km entfernten Ruinenstätte Tiwanaku verbaut. In der Gemäldegalerie mit rotem Teppich sind die Präsidenten Boliviens verewigt und auch historische Uniformen, Flaggen und eine kleine Bibliothek sind im ersten Stock zu finden. Die privaten Amts- und Wohnräumlichkeiten des Präsidenten sind im obersten Stock eingerichtet.

Die Wachen außerhalb des Regierungspalastes tragen rote Uniformen, als Erinnerung an die Soldaten im Pazifik-Krieg des späten 19. Jahrhunderts, als Bolivien die südamerikanische Küstenlinie an Chile abtreten musste. Jeden Donnerstag am Morgen werden 15minütige Führungen durch den Palast angeboten, allerdings nur in spanischer Sprache.

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Geschichte des Regierungspalastes

Zeit seines Bestehens erhielt der Präsidentenpalast von La Paz zahlreiche Namen. Das erste Gebäude wurde als „El Cabildo de La Paz“ („der Rat von La Paz“) 1559 fertiggestellt. Zum Regierungsgebäude Boliviens wurde es am 6. August 1825, als Freiheitskämpfer Simon Bolivar das Land, dem er seinen Namen gab, in die Unabhängigkeit von Spanien führte. Bis 1846 überdauerte der Palacio de Gobierno von damals, dann entschied der damalige Präsident José Ballivián seine Neu-Errichtung.

Palacio Quemada – der Verbrannte Palast

Seinen bekanntesten und auch jetzt noch gebräuchlichen Namen „Palacio Quemado“  („Verbrannter Palast“) erhielt das Regierungsgebäude nachdem es am 20. März 1875 von Aufständischen niedergebrannt wurde. Seither wurde es zwar schon wieder ein paar Mal neu errichtet, doch der Name blieb. 1899 wurde er offiziell zum Sitz des Präsidenten, der zuvor im Nationalpalast in der bolivianischen Hauptstadt Sucre amtierte.

Sturz des Präsidenten

1946 war es wieder ein wütender Mob, der am Plaza Murillo Schlagzeilen machte. Der damals noch amtierende Präsident Gualberto Villarroel wurde 1946 aus seinem Palast gezerrt und an einem Laternenpfahl am Plaza Murillo erhängt. Eine Büste des Präsidenten erinnert seit 1979 an diese Gewalttat und auch der Laternenpfahl existiert noch.

Der Legende zufolge schwirren die Gefallenen in den Revolten von 1875 und 1946 immer noch als Geister um den Verbrannten Palast und spät in der Nacht sind in den dunklen Straßen um den Plaza Murillo ihre Schreie zu hören…

Kathedrale von La Paz

Die Kathedrale von La Paz am Plaza Murillo wurde erst im Jahr 1987 fertiggestellt, gerade rechtzeitig für den Besuch von Papst Paul Johannes II. in Bolivien - © saiko3p / Shutterstock
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Die neoklassizistische Kathedrale am Plaza Murillo thront als wichtigste Kirche von La Paz und eindrucksvoller Blickfang gleich neben dem Regierungspalast. Dank ihres Standortes auch Murillo-Kathedrale genannt, beeindruckt das Gotteshaus vor allem durch seine pompöse Kolonialarchitektur und die kunstvollen Glasfenster aus dem 19. Jahrhundert. Sie wurde auf einem steilen Hügel errichtet, ihr Eingangsportal am Plaza Murillo liegt daher ganze 12 Meter höher, als ihre Fundamente an der Calle Potosi.

Besuch der Kathedrale von La Paz

Unter der Woche ist die Kathedrale am späten Nachmittag für Besucher geöffnet, am Wochenende am Morgen.

Hinter den korinthischen Säulen und den bronzenen Türen werden Besucher und Gläubige von einem langen Gang empfangen, der von mächtigen Säulenreihen und Gewölben gestützt zum Hauptaltar führt. Die eindrucksvollen Glasmalereien auf den Fenstern hinter dem eher schlicht gehaltenen Altar aus italienischem Marmor zeigen ehemalige bolivianische Präsidenten. In der Mitte des Ganges fällt der Blick nach oben in die 12m im Durchmesser messende Kuppel.

Auch die Grabstätte von Andrés de Santa Cruz y Calahumana, einem bolivianischen General und in den 1830er-Jahren auch Präsident von Bolivien, ist in der Kathedrale von La Paz zu finden.

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Entstehung der Kathedrale von La Paz

Die neoklassizistische Kathedrale am Plaza Murillo in La Paz, Bolivien, wurde über einen Zeitraum von 152 Jahren errichtet - © Rafal Cichawa / Shutterstock
© Rafal Cichawa / Shutterstock

Die fünfschiffige Catedral Basílica de Nuestra Señora de La Paz, wie sie mit vollem Namen heißt, wurde ab dem 24. März 1835 unter der Leitung von Manual Sanahuja errichtet und 1925 eingeweiht. Die Weihe erfolgte im Zuge der 100-Jahr-Feierlichkeiten von Boliviens Unabhängigkeit.

Zuvor stand an ihrer Stelle eine Kathedrale aus dem Jahr 1692, an der auch schon 70 Jahre lang gebaut wurde. Aufgrund von Einsturzgefahr (das Pfarrhaus war sogar tatsächlich eingestürzt) musste sie jedoch 1831 vollständig abgerissen werden. Um die jährlich benötigten 30.000 Pesos für den Neubau zu lukrieren wurden ein Jahr vor Baubeginn sogar einige neue Steuern eingeführt.

Das heutige Gotteshaus weist in seiner neoklassizistischen Architektur auch barocke Elemente auf. Die Gestaltung des Interieurs dauerte noch bis 1932. Die beiden Türme links und rechts wurden gar erst 1989 fertiggestellt, pünktlich zum Besuch von Papst Johannes Paul II. in La Paz.

Grand Hotel Paris und Kongressgebäude

Das Kongressgebäude am Plaza Murillo in La Paz war seit seiner Errichtung bereits ein Kloster, ein Gefängnis und eine Universität, Bolivien - © Elzbieta Sekowska / Shutterstock
© Elzbieta Sekowska / Shutterstock

Gegenüber bzw. im rechten Winkel zur Kathedrale und dem Regierungspalast thront das Grand Hotel Paris, welches 1911 als erstes Kino von Bolivien eröffnet wurde, und das Kongressgebäude an der Calle Bolivar im Südwesten des Platzes. Letzteres war seit seiner Errichtung bereits ein Kloster, ein Gefängnis und eine Universität.

Der monumentale Palacio Legislativo beherbergt das Parlament von Bolivien und komplettiert das geistliche und weltliche Zentrum von La Paz. Das Zweikammerparlament besteht aus dem Senat und dem Abgeordnetenhaus und ging im Jahr 2009 aus dem Nationalkongress hervor.

Am Dach des Kongressgebäudes weht die Flagge von Bolivien und auf seinem Giebel befindet sich eine Uhr, die bereits für Kontroversen im ganzen Land sorgte.

In La Paz ticken die Uhren anders

Die Zeiger am Kongressgebäude am Plaza Murillo in La Paz, Bolivien, bewegen sich gegen den Uhrzeigersinn - © Diego Grandi / Shutterstock
© Diego Grandi / Shutterstock

Auf den ersten Blick fällt es gar nicht auf, doch an der Uhr am Giebel des Kongressgebäudes von La Paz laufen die Zeiger gegen den Uhrzeigersinn. Die Eins steht demnach links, statt wie gewohnt rechts von der Ziffer Zwölf.

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Die Regierung sieht diese ungewöhnliche Zeitmessung, die seit Juni 2014 besteht, als Aufbruch in ein neues Zeitalter, um die letzten Spuren der Kolonisation zu tilgen. Das Zeitverständnis der Aymara, des indigenen Volkes der bolivianischen Anden, ist dem europäischen nämlich genau entgegengesetzt.

Außenminister David Choquehuanca bezeichnete die Umstellung der Parlaments-Uhr als logischen Schritt, da auf der Südhalbkugel ja auch das Wasser links herum in den Abfluss läuft und die Sonne von links nach rechts über den Himmel wandert – warum also nicht die Zeiger aller Uhren an diese „verkehrte Welt“ anpassen? Präsident Evo Morales, selbst ein Aymara und erster indigener Präsident Boliviens, der sich stark für die Rechte der Ureinwohner einsetzt, begrüßt diese Idee ebenfalls.

Noch ist der Vorschlag, alle Uhren öffentlicher Gebäude auf links zu drehen, nicht umgesetzt. Vielleicht auch aufgrund der kritischen Stimmen, die behaupten, die Entwicklung in Bolivien liefe rückwärts…

Entstehung des Plaza Murillo

Der Neptunbrunnen am zentralen Plaza Murillo war zur Kolinialzeit die wichtigste Trinkwasserquelle von La Paz, Bolivien - © Jess Kraft / Shutterstock
© Jess Kraft / Shutterstock

Gemeinsam mit dem symmetrischen Schachbrettmuster von La Paz wurde der Plaza Murillo im Jahr 1558 von Juan Gutiérrez Paniagua angelegt, der mit der Städteplanung beauftragt wurde. Die Kathedrale und der Regierungspalast stammen ebenfalls noch aus dieser Zeit.

Zeit seines Bestehens war der Plaza Murillo Schauplatz politischer Debatten, Demonstrationen und Revolutionen. Zahlreiche Unabhängigkeitskämpfer wurden direkt auf dem Plaza Murillo oder in unmittelbarer Nähe davon hingerichtet, darunter auch Pedro Domingo Murillo, dem der Hauptplatz von La Paz seinen heutigen Namen verdankt. Erst 1946 wurde der damalige Präsident Gualberto Villarroel von einem Balkon gestürzt und an einem Laternenpfahl erhängt.

Kurz nach seiner Entstehung hieß der Platz noch Plaza Mayor bzw. Plaza de Armas, wie in nahezu jeder südamerikanischen Hauptstadt einer zu finden ist. Nachdem Bolivien unabhängig wurde hieß der Plaza Murillo kurzfristig Plaza de 16 Julio bis er am 3. Februar 1903 zu Ehren des peruanischen Patrioten benannt wurde, der 1810 von den spanischen Truppen gehängt wurde.

BILDER: Plaza Murillo in La Paz

Fotogalerie: Plaza Murillo in La Paz

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