Kolmanskop, Namibia

In der Geisterstadt Kolmanskop im südlichen Namibia wurden einst prächtige Herrenhäuser nach deutschem Vorbild errichtet, hier das Haus des Minenverwalters - © Reinhard Tiburzy / Shutterstock
© Reinhard Tiburzy / Shutterstock

Kolmanskop ist eine verlassene Siedlung im Süden von Namibia, die einst durch Diamantenfunde die reichste Gemeinde Afrikas war. Heute holt sich die Wüste die stattlichen Herrenhäuser nach und nach zurück.

Die Siedlung Kolmanskop, oder auch Kolmannskuppe, liegt im Süden von Namibia etwa 10km östlich der Hafenstadt Lüderitz. Der Ort ist eine der skurrilsten Sehenswürdigkeiten Namibias, denn es handelt sich bei Kolmanskop um eine Geisterstadt, die nach und nach wieder von den Sanddünen der Wüste zurückerobert wird.

Kolmanskop wurde im Jahr 1905 im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika gegründet. Seinen Namen erhielt die Siedlung angeblich von einem Mann namens Coleman aus dem Volk der Nama, der dort mit seinem Ochsenkarren in einer Düne stecken blieb.

BILDER: Kolmanskop

 

Kolmanskop im Diamantenrausch

Nur drei Jahre nach der Gründung fanden 1908 die beiden Eisenbahnarbeiter August Stauch und Zacharias Lewala die ersten Diamanten, als sie den benachbarten Bahnhof „Grasplatz” errichteten. Was danach passierte kann man sich vorstellen. Aus der gesamten Umgebung kamen eifrige Diamant-Sucher, die ihr Glück versuchen wollten. Um unkontrollierten Diamantenabbau zu verhindern, wurde die Region rund um Lüderitz zum Diamantensperrgebiet, an dessen Nordgrenze sich Kolmanskop zum Diamantensucher-Camp entwickelte. Nachdem 1930 die umliegenden Diamantenfelder abgebaut waren, wurde der Diamantenabbau in Kolmanskop komplett eingestellt. Die meisten Bewohner verließen Kolmanskop und überließen ihre stattlichen Häuser der Wüste.

Eine Ruine in der Geisterstadt Kolmanskop im südlichen Namibia wird von der Wüste zurückerobert - © Jandrie Lombard / Shutterstock
© Jandrie Lombard / Shutterstock

Geisterstadt Kolmanskop

In den 1960er-Jahren wurde Kolmanskop vom letzten Einwohner verlassen. Doch die Häuser und Einrichtungen blieben. Teilweise mitsamt dem Mobiliar. Man hatte ja genug Geld, um sich anderswo eine neue Existenz aufbauen zu können.

Und so taucht die einst reichste Siedlung Afrikas heute wie ein unheimliches Spukdorf aus der namibischen Wüste auf. Kolmanskop ist heute ein Paradebeispiel dafür, dass sich die Natur alles wieder zurückholt, was der Mensch sich einst genommen hat.

Die Häuser sind halb im Sand begraben, in den Vorräumen und auf den Veranden wächst spärliches Buschwerk. Das Mobiliar verschwand nach und nach, zerfiel oder wurde entwendet. Die Ruinen fielen immer mehr auseinander und trotzdem kann man heute noch den einstigen Reichtum von Kolmanskop erahnen.

Der Wüstensand dringt in jede Ruine in der Geisterstadt Kolmanskop ein, Namibia - © kkaplin / Shutterstock
© kkaplin / Shutterstock

In den 1990er-Jahren nahm sich Lüderitz der Geisterstadt Kolmanskop an und begann, das ehemalige Diamantensucher-Camp zu einem Freiluftmuseum umzufunktionieren. Die schönsten Gebäude wurden restauriert und originalgetreu möbliert. Gegen Eintrittsgebühr können die verlassenen Häuser im Zuge von Führungen erkundet werden, anschließend kann man auf eigene Faust durch die Geisterstadt streifen.

Tipp: Die einzigen Unterkünfte in der Nähe von Kolmanskop gibt es im 10 Kilometer entfernten Lüderitz. Campen ist dort nur schwer bis gar nicht möglich (ständiger Wind, Sandstürme, zu felsiger Boden, um Zeltheringe einzuschlagen). Am Leuchtturm am Diaz Point oder in Lüderitz kann man übernachten, in der Stadt gibt es auch einige Unterkünfte. In dem verschlafenen Städtchen gibt es nicht all zu viel zu sehen.

Die Geisterstadt Kolmanskop galt, auch aufgrund der nur 400 Einwohner, einst als reichste Stadt Afrikas, Namibia - © Tania Steyn / Shutterstock
© Tania Steyn / Shutterstock

Aufstieg und Fall von Kolmanskop

1908 fanden die beiden Eisenbahnarbeiter August Stauch und Zacharias Lewala die ersten Diamanten, als sie den benachbarten Bahnhof „Grasplatz” errichteten. Dadurch wurde in Kolmanskop ein Diamantensuch-Boom ausgelöst. Die Funde waren hervorragend, die Diamantsucher konnten enorme Reichtümer anhäufen und aus den einfachen Hütten in Kolmanskop entstanden bald prachtvolle Herrenhäuser nach deutschem Vorbild. Diese waren mit allem erdenklichen Luxus ausgestattet, den man sich mitten in der namibischen Einöde für Geld kaufen konnte.

Trotz den widrigen Lebensbedingungen, die in dieser Sandwüste herrschten (kein Regen, kein Wasser, keine fruchtbare Erde, nur Sand, Sandstürme und diese furchtbare Hitze) hatte Kolmanskop bald an die 400 Einwohner. Damals war Kolmanskop die reichste Gemeinde des ganzen afrikanischen Kontinents.

Zu den imposanten Wohnhäusern kamen Unterkünfte für die Arbeiter in den Diamantenminen hinzu, Verwaltungs- und Dienstgebäude, ein Krankenhaus, in dem übrigens die erste Röntgenstation der gesamten südlichen Hemisphäre errichtet wurde, ein Elektrizitätswerk, eine Eisfabrik, damit die Bewohner ihre Kühlschränke kühlen konnten, eine Metzgerei, ein Versammlungshaus mit Theater, Turnhalle und Küche, eine Kegelbahn, eine Schule und sogar ein Schwimmbad – zwar nur mit Salzwasser, aber immerhin.

Die Lebensmittel und das Trinkwasser wurden aus dem rund 1.000km entfernten Kapstadt in Südafrika nach Kolmanskop transportiert, zu dessen Zweck bald eine eigene Schmalspurbahn für Kolmanskop angelegt wurde. Baumaterialien und Luxusgüter wurden direkt aus Deutschland bezogen.

Doch das Glück in dieser afrikanischen Oase war nicht von langer Dauer. Als ab 1930 die Diamantminen versiegten, wurde der Abbau immer weiter nach Süden verlegt und in Kolmanskop gab es bald nichts mehr, was seine anspruchsvollen Bewohner noch gehalten hätte. Der letzte Einwohner verließ Kolmaskop im Jahr 1960.