Hafenstadt Sur, Oman

Die Hafenstadt Sur ist noch heute Zentrum des Dhau-Baus. Der wunderschöne Hafen und die traumhaften Strände von Sur können jedoch nicht nur mit den traditionellen Holzbooten erkundet werden.

Die Stadt Sur im nordöstlichen Oman hat seinen Besuchern einiges an Sehenswürdigkeiten zu bieten. Entlang seiner malerischen Corniche könnt ihr die traditionellen arabischen Holzboote und zwei historischen Festungen bestaunen. Die traumhaften Strände in der Umgebung von Sur zählen zu unseren 10 schönsten Stränden im Oman.

Anzeige

BILDER: Sur

Anfahrt nach Sur

Die omanische Stadt Sur liegt fast ganz am östlichsten Zipfel der arabischen Halbinsel 150 Kilometer südöstlich Muscat. Die zweite Hälfte der Strecke fährt man mittlerweile auf einer 4-spurigen Autobahn bis vor die Tore der Stadt. Das Zentrum von Sur ist mit seinen wenigen Geschäften, Restaurants und Hotels leicht zu überschauen.

Sehenswürdigkeiten von Sur

Im Westen von Sur zeugen Villen vom neuen Reichtum seiner Bewohner, während im Wohnviertel zwischen dem Geschäftszentrum und den Dhau-Werften immer noch traditionell geschnitzte Holztüren zu finden sind. Die Türen mit Blütenmotiven zeugen vom ostafrikanischen und indischen Einfluss und viele davon wurden in ihren Ursprungsländern gefertigt und in Einzelteile zerlegt nach Sur verschifft.

Besonders sehenswert sind auch die beiden hübschen weißblauen-Minarette der Moschee von Sur, die sich weit über die Dächer der Stadt erheben.

Anzeige

Tipp: Wer plant, mit dem Auto weiter in den Süden (wie etwa entlang der Küste bis Salalah) zu fahren, sollte die Chance nutzen, in den kleinen Supermärkten in Sur seine Lebensmittelvorräte aufzustocken. Bis Salalah sind die Einkaufsmöglichkeiten sehr bescheiden.

Corniche von Sur

Dhaus, die traditionellen Holzboote der Omanis, sind im Hafen von Sur allgegenwärtig - © FRASHO / franks-travelbox
© FRASHO / franks-travelbox

Die lange geschwungene Hafenpromenade entlang der Lagune von Sur verläuft um den gesamten Stadtkern und zählt zu den schönsten im Oman. Ihr Ende markiert ein schmucker Leuchtturm vor dem schneeweißen Hintergrund der Häuser. Am Vormittag tummeln sich hier die Fischer, die ihren Fang abladen und am Nachmittag ist die Corniche fest in der Hand der flanierenden und Fußball spielenden Jugend.

Dhaus: Traditionelle Holzboote in Sur

Im Dhau-Museum von Sur, Oman, sind entlang der Hafenstraße die schönsten Exemplare der traditionell arabischen Holzboote ausgestellt - © FRASHO / franks-travelbox
© FRASHO / franks-travelbox

Es gibt nur noch wenige Orte auf der Welt, an denen noch die traditionellen Boote der arabischen Welt, die Dhaus, entstehen. Sur im nordöstlichen Oman ist einer davon. In den Werften am Hafen von Sur werden die Dhaus heute noch wie vor 200 Jahren gebaut und teils mit traditionellen Methoden von Hand gefertigt – ohne elektrisch betriebene Maschinen und ohne Konstruktionspläne.

Neben heimischem Holz wird für den Bau der Dhaus auch Baumaterial aus Indien, Malaysia und Myanmar verwendet. Aus elastischer Zeder oder Akazie entsteht der Rumpf, für Kiel und Planken wird robustes Teakholz verwendet.

Die eleganten Dhaus entstehen für einflussreiche Scheichs, wohlhabende Geschäftsleute aus Katar oder den Emiraten oder den amtierenden Sultan höchstpersönlich. Je nach Luxusausstattung kostet ein solch hölzernes Schmuckstück bis zu 200.000 omanische Rial (rund 400.000 Euro).

Stapellauf oder Schiffstaufe mit Champagner gibt es übrigens nicht – Alkohol ist schließlich verpönt im arabischen Raum. Auch Schiffs-TÜV ist unbekannt, die Dhaus werden einfach zehn Tage lang Probe gefahren.

Anzeige

Dhau-Museum in Sur

Die 300 Tonnen schwere Fatah al-Khair aus dem Jahr 1920 thront als eines der letzten Dhaus als Denkmal auf einer Plattform am Ufer von Sur, Oman - © Jorg Hackemann / Shutterstock
© Jorg Hackemann / Shutterstock

An der Uferstraße kann man in einem Freiluftmuseum die Dhaus bewundern, die die omanischen Seefahrer schon vor Jahrhunderten bis nach Indien, China und Sansibar getragen haben.

Das Highlight im Dhau-Museum ist die eindrucksvolle Fatah al-Khair aus dem Jahr 1920, ein 300 Tonnen schweres, majestätisch geschwungenes Schiff, das als eines der letzten seiner Art als Denkmal auf einer Plattform am Ufer von Sur thront. Sultan Qaboos ließ das fast schon verrottete Wrack in den 1990er-Jahren restaurieren und machte das stolze Schiff zum Symbol von Sur.

In einem kleinen, nur sporadisch geöffneten Besucherzentrum kann man alles über die verschiedenen Arten von Dhaus erfahren. Das Dhau-Museum von Sur kann den ganzen Tag über kostenlos besichtigt werden.

BILDER: Dhau Museum in Sur

Schiffbau-Geschichte von Sur

Sur war einst wichtigster Hafen für die Routen in den Osten und Süden und Schiffsbauzentrum des Landes. Bereits vor vielen hundert Jahren befuhren die omanischen Seeleute auf diesen gewaltigen Dschunken aus Holz die sieben Weltmeere und erreichten auf ihnen ferne Länder, wie Indien, China oder Sansibar. Angeblich trieb Sur bereits im 6. Jahrhundert mit Ostafrika regen Handel.

Zentrum für den Schiffsbau ist Sur heute noch, verlor jedoch ab dem 16. Jahrhundert seine Bedeutung für den Seehandel. Ein paar der einst glorreichen Werften sind heute noch vorhanden und es laufen immer noch einige Dhaus vom Stapel.

Die Nachfrage an Dhaus ließ in den letzten Jahren leider stark nach und so wanderten viele Dhau-Hersteller vor allem in die Vereinigten Arabischen Emirate aus, wo sie zum Beispiel am Dubai Creek ihr Handwerk nicht zuletzt für die Touristen weiterführen.

Fort Sinesilas und Fort Bilad Sur

Eine der vier Rundtürme der Festung Sinesilas in der Stadt Sur, Oman - © ByelikovaOksana/Shutterstock
© ByelikovaOksana/Shutterstock

Die beiden Festungen von Sur liegen an der Hauptstraße nach Al-Kamil. Das klassisch rechteckige Fort Sinesilas mit seinen vier Rundtürmen ist leicht am Eingang mit den Schiffssteuern zu erkennen. Etwas weiter stadtauswärts, inmitten von Oasengärten, liegt das etwas kleiner Fort Bilad Sur, welches erst 1990 für Besucher eröffnet wurde.

Al-Ayjah

Der kleine Ort Al Ayjah liegt genau gegenüber der Dhau-Werften von Sur und ist von der Stadt zu hundert Prozent abhängig. Geschäfte und Arbeit für seine Bewohner gibt es in Sur, deren einzige Möglichkeit nach Sur zu kommen, früher die Fährboote über die Lagune waren.

Heute lockt Al-Ayjah nicht nur mit seiner Festung und einer kleinen Werft, sondern vor allem mit den malerisch verwinkelten Gassen, die von alten Häusern mit wunderbar geschnitzten Hoztüren gesäumt werden.

Ras Al Jinz

Strand bei Ras Al Jinz, Oman - © FRASHO, franks-travelbox
© FRASHO, franks-travelbox

Von Sur aus lohnt sich ein Abstecher nach Ras Al Jinz in die östlichste Ecke der arabischen Halbinsel. Hier befindet sich das Ras Al Jinz Turtle Reserve, eines von zwei Schutzgebieten für Meeresschildkröten im Oman.

Der traumhafte Strand zählt zu unseren 10 schönsten Stränden im Oman. Außerdem bietet Ras Al Jinz die einmalige Gelegenheit Wasserschildkröten in der Nacht bei der Eiablage oder am Morgen das Schlüpfen der Jungen zu beobachten.


Geschichte von Sur

Bereits seit dem 6. Jahrhundert wurden in Sur Handelswaren aus Ostafrika umgeschlagen, das damalige Handelszentrum war jedoch die nahe gelegene Stadt Qalhat. Diese wurde allerdings ebenso von den Portugiesen zerstört, wie sie auch Sur unter ihre Herrschaft brachten. Sur erlebte ein knappes Jahrhundert später seine größte Blütezeit.

Nach Vertreibung der Portugiesen und der Zerstörung von Qalhat übernahm Sur vom 17. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts die Rolle des führenden Handelszentrums neben der omanischen Landeshauptstadt Muscat. Täglich ankerten bis zu 150 Schiffe im Hafen von Sur. Mit dem Wintermonsum segelten die meist mit Datteln beladenen Schiffe nach Süden, wo sie ihre Ladung gegen Gewürze, Stoffe, Hirse, Kaffe, Mangrovenholz und später auch Sklaven eintauschten. Mit dem Sommermonsum ging es dann zurück in den Oman oder weiter nach Indien.

Im 19. Jahrhundert jedoch ging die Bedeutung von Sur Stück für Stück verloren. Britannien setzte das Verbot des Sklavenhandels durch, die traditionellen hölzernen Dhaus wurden durch moderne Dampfschiffe verdrängt und das Sultanat Sansibar in Ostafrika geteilt. Die Zerstörung der Stadt durch saudi-arabische Wahhabiten im Jahr 1865 und die Öffnung des Suez-Kanals als alternative Handelsroute mit Indien führte zum letztendlichen Niedergang von Sur.

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige