Kernavé in Litauen

Die Stadt Kernavé im Pajauta-Tal ist die älteste bekannteste Hauptstadt Litauens, die Hügel sind das einzige, was davon noch zu sehen ist - © Birute Vijeikiene / Fotolia
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Die litauische Stadt Kernavé im Pajauta-Tal ist die älteste bekannteste Hauptstadt Litauens, seit dem 9. Jahrtausend vor Christus war sie permanent besiedelt. Die Vergangenheit des Baltikums lebt in Museen und historischen Festivals wieder auf.

Die litauische Stadt Kernavé im Pajauta-Tal ist die älteste bekannteste Hauptstadt Litauens. Sie befindet sich in der Provinz Širvintos gut 30km nordwestlich der aktuellen Hauptstadt Vilnius direkt an der A2 von Vilnius Richtung Riga. Die historischen Gebäude sind verschwunden, doch die Überreste und das geschichtsträchtige Flair sagenumwobener Könige und Großfürsten sind immer noch vorhanden. Seit 2004 ist die Ausgrabungsstätte von Kernavé Teil des Weltkulturerbes der UNESCO.

Geschichte von Kernavé

Die ersten Siedlungen im Gebiet von Kernavé reichen bis ins 9. Jahrtausend vor Christus zurück, seitdem war die ehemalige Hauptstadt permanent besiedelt. Hier wurde die älteste Medgrinda Litauens gefunden. Der hölzerne Unterwasserweg, der der Verteidigung der Stadt diente, stammt aus dem 4. bis 7. Jahrhundert. Im 13. Jahrhundert wurde Kernavé noch von fünf stattlichen Wehrburgen verteidigt, die jeweils auf einem Hügel errichtet wurden und für die damalige Zeit enorme Bollwerke darstellten. Die erste geschichtliche Erwähnung der so genannten Schüttberge erfolgte im Jahr 1279 in der Livländischen Chronik, als der damalige Großfürst Traidenis von den Deutschrittern besiegt wurde, die im Jahr 1390 die Stadt völlig niederbrannten. Die Einwohner, die überlebten, bauten die Stadt nicht wieder auf, sondern siedelten sich auf einem höher gelegenen Hügel an.

Die archäologische Stätte in Kernavé ist einen Besuch wert, die konservierten Überreste von Kernavé sind ein Traum jeden Archäologen, Litauen - © Birute Vijeikiene / Fotolia
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Heute sind die Hügel das einzige, was von der einstigen Hauptstadt noch zu sehen ist. Aus der Ferne erinnern die sanften grünen Grashügel an einen überdimensionierten Golfplatz.

Besuch von Kernavé

Trotzdem ist der geschichtsträchtige Ort einen Besuch wert. Die vielen Schichten aus Erde und Lehm konservierten die Überreste von Kernavé und sind ein Traum jedes Archäologen. Die ältesten Funde, die zwischen den Hügeln ausgegraben wurden, stammen aus dem 3. und 4. Jahrhundert. Der größte der Hügel wird „Thron von Mindaugas” genannt und soll der Sitz des sagenumwobenen Großfürsten gewesen sein, der Mitte des 13. Jahrhunderts von Papst Innozenz IV. sogar zum König gekrönt wurde. Vor der Bekehrung der Balten zum Christentum wurden auf einem zweiten Hügel, dem „Opferberg” Opferzeremonien abgehalten. Der letzte Lizdeika Litauens, ein heidnischer Oberpriester, soll sich angeblich mit den heiligen Jungfrauen und dem heiligen Feuer auf einen dritten Hügel, den „Berg des Lizdeika” zurückgezogen haben. Ein Museum entführt Besucher in die Welt des Baltikums von der Altsteinzeit bis heute.

Neben dem Hauch von Vergangenheit bietet sich von den Hügeln auch ein traumhafter Panorama-Blick auf das Tal des Flusses Neris.

Die Siedlung Kernavé zählt heute noch einige hundert Einwohner und hat auch einige neuere Sehenswürdigkeiten zu bieten, wie zum Beispiel eine karmesinrote Kirche aus dem Jahr 1920, in der kirchliche Holzfiguren ausgestellt sind. Gleich daneben sind die ausgegrabenen Fundamente der alten Kirche aus dem Jahr 1379 zu sehen, unter denen sich Gräber aus dem 15. bis 19. Jahrhundert befinden. Auch zwei Kapellen befinden sich ganz in der Nähe. Die hölzerne stammt aus dem 13. Jahrhundert und begann im Jahr mit dem Bau der neuen Kirche zu verfallen, da sie nicht länger benutzt wurde. Die steinerne Kapelle im späten klassizistischen Stil aus dem 19. Jahrhundert beherbergt das Mausoleum der Romer-Familie. Die Nischen mit den Namen derer, die sich in den Särgen befanden und auch der Abgang in die Krypta sind heute noch zu sehen.

Am 6. Juli findet das Krönungsfest des Großfürsten Mindaugas statt, außerdem werden archäologische Expeditionen angeboten. Im Rahmen der „Tage der lebendigen Archäologie” Anfang Juli kann man den Meistern altertümlichen Handwerks beim Töpfern, Schmieden, Glasblasen und Schuhe machen über die Schulter schauen. Um die Vergangenheit von Kernavé wieder aufleben zu lassen, werden und Ritterspiele veranstaltet mittelalterliche Schlachten nachgestellt.

Seit 1967 finden in Juni die traditionellen Rasa-Festivals statt, in dem die Göttin des Sommers und der Blumen geehrt wird. Das Festival wurde von Studenten ins Leben gerufen und soll einerseits der Reinigung der Seele, andererseits als Protest gegen die aufgezwungene sowjetische Kultur dienen.