Kryžių Kalnas (Hügel der Kreuze) in Siauliai, Litauen

Am Kryžių Kalnas (Hügel der Kreuze) bei Siauliai befinden sich ca. 100.000 christliche Kreuzen in den verschiedensten Farben, Formen und Größen, Litauen - © Andrea Seemann / Fotolia
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Am Hügel der Kreuze in Litauen nahe der Stadt Siauliai haben Katholiken seit hunderten von Jahren als Zeichen der Dankbarkeit, der Trauer oder des Widerstandes mittlerweile über 100.000 Kreuze in allen Formen und Größen errichtet.

Der Kryžių Kalnas (Hügel der Kreuze) in Litauen nahe der Stadt Siauliai in der gleichnamigen Provinz ist ein bekannter katholischer Wallfahrtsort, der stark vom Tourismus geprägt ist. Wie der Name schon vermuten lässt, befindet sich auf dem Hügel eine unglaubliche Anzahl an christlichen Kreuzen in den verschiedensten Farben, Formen und Größen.

Der nur etwa 10m hohe Hügel der Kreuze liegt etwa 12km nördlich von Siauliai und ist über eine Abzweigung der A12 zu erreichen. Ein Hinweisschild weist den Weg.

Entstehung des Hügels der Kreuze

Die Anfänge des Hügels der Kreuze gehen auf zwei verschiedene Legenden zurück. Manche behaupten, einem Mann sei im Traum eine weiße Frauengestalt erschienen, die ihm auftrug, auf dem Hügel ein Kreuz zu errichten, damit seine Tochter geheilt werde. Andere wiederum erzählen die Geschichte eines Fürsten aus Vilnius, der nach Riga zu einem Prozess reiste und hoch und heilig versprach, auf seinem Rastplatz ein Kreuz zu errichten, sollte er den Prozess gewinnen. Die Tochter wurde natürlich geheilt und der Fürst gewann den Prozess, in beiden Fällen eilte der Ruf des Hügels über das Land. Feststeht, dass der Hügel bereits im 14. Jahrhundert zu Kreuzritterzeiten als Gebets- und Opferplatz genutzt wurde.

Am Hügel der Kreuze bei der Stadt Siauliai haben Katholiken als Zeichen der Dankbarkeit, der Trauer oder des Widerstandes mittlerweile über 100.000 Kreuze errichtet, Litauen - © Andrea Seemann / Fotolia
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Die ersten Kruzifixe auf dem Hügel erschienen Mitte des 19. Jahrhunderts, als Angehörige die Kreuze als Denkmäler an die Opfer des November- und Januaraufstands gegen die Russen errichteten. Der Brauch wurde aufgenommen und Mitte des 20. Jahrhunderts zählte die Pilgerstätte bereits etwa 400 Kreuze. Weitere Kreuze wurden in den darauffolgenden Jahren von Heimkehrern, die nach Sibirien verschleppt wurden, und politischen Gefangenen aufgestellt, wodurch der Hügel nach und nach zu einem Symbol gegen die kommunistische Herrschaft der Sowjetunion über Litauen wurde, was den Russen natürlich gar nicht gefiel. In einer ersten Zerstörungsaktion im Juni 1959 wurden nahezu 2.200 Kreuze von den Sowjets niedergerissen und vernichtet, die Überreste wurden mit Bulldozern plattgewalzt. Schon am nächsten Morgen standen neue Kreuze. Weitere Säuberungen in den 1970er-Jahren blieben ohne Erfolg und verschärfte im Gegenzug nur den nationalen Widerstand, der 1991 nach den Todesopfern am Fernsehturm in Vilnius seinen Höhepunkt erreichte. Kurz danach haben Studenten den mutigen Versuch übernommen, die Unmenge an Kreuze zu zählen, die sich mittlerweile auch schon neben dem Hügel ausbreiteten. Bei 50.000 haben sie aufgegeben.

Unterwegs am Hügel der Kreuze

Erreicht man den sattelförmigen Hügel der Kreuze, der auch immer wieder unter der Bezeichnung „Berg der Kreuze” zu finden ist, führt eine schmale Holztreppe nach oben. Bereits von ihrem Fuß erblickt man das unglaubliche Werk der Pilger, das über die letzten Jahrhunderten entstanden ist. Vor allem zu Hochzeiten und Geburten sowie zu den Osterfeiertagen ist ein Besuch am litauischen Berg der Kreuze angebracht. Und so erhebt sich auf dem Hügel ein regelrechtes Dickicht aus Kreuzen. Riesige Kruzifixe, Kreuze aus Holz, aus Stein, aus Eisen, einfache oder kunstvoll verzierte und Unmengen an Kreuzanhängern und Rosenkränzen, die an die größeren Kreuzen hängen. Ein wahrlich gigantischer Anblick, den auch das Oberhaupt der katholischen Kirche zu würdigen wusste. Papst Johannes Paul II. besuchte im Jahr 1993 den Hügel der Kreuze und hielt unter einem eigens errichteten Altarpavillon eine Messe für 100.000 Gläubige. Anschließende betraute er den Franziskanerorden zum Bau eines Klosters und zur Verwaltung des Hügels der Kreuze. 2000 wurde das Kloster eingeweiht und fungiert heute als Noviziatshaus für angehende Mönche.

Wer an dem heiligen Ort von Kryziu Kalnas ebenfalls etwas zurücklassen möchte, kann sein eigenes Kreuz mitnehmen, oder direkt vor Ort eines erstehen. Der Tradition nach wird das Kreuz in Verbindung mit einem Wunsch oder einer Danksagung am Hügel der Kreuze platziert. Mittlerweile ist die (geschätzte) Anzahl der Kreuze auf über 100.000 angewachsen – und das noch ohne die hunderttausende von Rosenkränzen mitgerechnet zu haben.

Weiterführende Links:

Offizielle Website des Kryžių Kalnas (Hügel der Kreuze) (englisch)