Heraklion (Iraklio) auf Kreta, Griechenland

Heraklion, die Hauptstadt Kretas, offenbart inmitten mächtiger Stadtmauern ihre blühende Vergangenheit, Griechenland - © FRASHO / franks-travelbox
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Von außen gesehen ist Heraklion eine wenig attraktive Betonbauten-Stadt. Auf den zweiten Blick offenbart die Hauptstadt Kretas inmitten mächtiger Stadtmauern ihre blühende Vergangenheit mit venezianischen Mauern und Renaissance-Villen, durchmischt von hervorragenden Museen und gemütlichen Tavernen mit typisch kretischer Küche.

Heraklion ist die Hauptstadt Kretas und damit auch wirtschaftliches, kulturelles, administratives und touristisches Zentrum. In der größten Stadt der Insel gibt es die meisten Einwohner, den meisten Stahlbeton und Asphalt, die meisten Museen, die meisten Hotels, Tavernen und Bars, das ausgelassenste Nachtleben und die meisten Touristen.

Anreise nach Heraklion

Für die meisten Kreta-Reisenden stellt Heraklion mit dem einzigen internationalen Flughafen Kretas das Tor zum Inselurlaub dar. Vom Flughafen fährt etwa alle 10 Minuten ein Bus ins Stadtzentrum (wesentlich günstiger als ein Taxi).

Im größten Hafen der Insel halten täglich auch zahlreiche Ausflugsboote und Kreuzfahrtschiffe. Nachdem man mit dem Mietwagen auf der Nationalstraße Agia Pelagia passiert hat und sich die Straße langsam zum Meer neigt, fällt der Blick über das vergleichsweise gigantische Häusermeer.

Wenn sich die Straße langsam zum Meer neigt, fällt der Blick über das vergleichsweise gigantische Häusermeer von Heraklion, der Hauptstadt Kretas, Griechenland - © FRASHO / franks-travelbox
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Geschichte von Heraklion

Die Entstehung von Heraklion geht auf die minoische Zeit zurück. Damals, vor etwa 3500 Jahren, war Heraklion der Seehafen des nahe gelegenen Knossos, dessen berühmter Palast des Königs Minos heute zu den wichtigsten archäologischen Stätten Griechenlands zählt. Seine heutige Lage verdankt Heraklion allerdings den Arabern, die Kretas heutige Hauptstadt im Jahr 824 errichteten. Die Venezianer und Türken bauten die damals Candia genannte Stadt weiter aus und errichteten mächtige Befestigungsanlagen, wie das gewaltige venezianische Fort am Hafen.

Heraklion heißt die Stadt erst seit 1898, als Kreta von den Türken befreit wurde. Damals wurden alle osmanischen Bauten zerstört, die Bomber im Zweiten Weltkrieg vernichteten wiederum zwei Drittel der historischen Altstadt. Der folgende Wiederaufbau erfolgte ohne viel Rücksicht auf historische Strukturen, dennoch ist in Heraklion ein gewisser Zauber und Charme erhalten geblieben.

BILDER: Altstadt von Heraklion

Sehenswürdigkeiten in der Altstadt von Heraklion

Der historische Stadtkern ist die wichtigste Sehenswürdigkeit von Heraklion und kann bequem an einem Tag zu Fuß erkundet werden. Abgesehen von der Altstadt besteht Heraklion zum Großteil aus wenig ansprechenden Betonfassaden. An drei Seiten von den historischen Befestigungsanlagen umschlossen fällt die Orientierung im Stadtzentrum leicht – im Zweifel geht es immer entlang der Stadtmauer. In den verwinkelten Sackgassen gibt es zahlreiche hübsche Stadthäuser zu entdecken, dazwischen immer wieder Überreste aus längst vergangenen Tagen in Form von Ruinen, Brunnen oder Statuen.

Zahlreiche Café und Tavernen sorgen beim Stadtbummel für Stärkung zwischendurch und nette Shops und Souvenirläden bieten typisch kretische Erinnerungsstücke für zuhause an.

Tipp: Parkplätze sind in Heraklion Mangelware und vor allem im Zentrum zum Großteil empfindlich teuer. Am besten etwas außerhalb in einer Seitengasse parken und zu Fuß in die Altstadt marschieren (was leider auch leichter gesagt als getan ist). Ein guter Tipp ist auch der Parkplatz „Central Parking“ beim Archäologischen Museum.

Alter Hafen und venezianische Festung Koules

Der historische Hafen von Heraklion auf Kreta, Griechenland, wurde gemeinsam mit der mächtigen Festung Koules von den Venezianern angelegt - © FRASHO / franks-travelbox
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Der historische Hafen von Heraklion wurde gemeinsam mit der mächtigen Festung Koules am Ende der langen Mole von den Venezianern angelegt und war damals einer der bedeutendsten Häfen der Republik Venedig. Ihr Inneres erinnert mit dicken Holztüren und düsteren Gewölben voller Schießscharten an eine mittelalterliche Burg. Vor den gemütlichen Cafés und Tavernen schaukeln heute Fischerboote neben schnittigen Segelyachten auf den glucksenden Wellen. Einziger Nachteil: An der Promenade braust immer der Wind.

Die zugehörige Stadtmauer ist über 5 Kilometer lang und mit ihren Wallgräben, Türmen und Bastionen nahezu vollständig erhalten. 21 Jahre lang hatten die Türken keine Chance, die Stadt einzunehmen. Sie ist breit genug, um darauf zu marschieren und sogar mit dem Rad zu fahren – und damit ideal zur Orientierung und um die sehenswerte Altstadt von Heraklion „von oben“ zu erleben.

Platia Venizelou und Morosini Brunnen

Über die Fußgängerzone der klassizistisch geprägten Straße des 25. August geht es an der Loggia aus dem 17. Jahrhundert, dem heutigen Rathaus und schönsten Gebäude von Heraklion, und den beiden Kirchen Agiou Titou mit dem hochverehrten Schädel des Hl. Titos und Agio Markou mit ihrer kunstvollen Holzdecke und dem Stumpf eines Minaretts, vorbei bis zum Platia Venizelou, einem der beiden Hauptplätze von Heraklion. In den beiden Bäckereien an der Südseite soll es die besten „Bougatsa“ (verschieden gefüllte Strudel) der ganzen Stadt geben.

In seiner Mitte thront der Morosini-Brunnen. Er wurde 1628 vom venezianischen Gouverneur Francesco Morosini errichtet, um die Trinkwasserversorgung von Heraklion zu verbessern. Der so genannte „Löwenbrunnen“ gilt als inoffizielles Zentrum von Heraklions Altstadt.

Der Morosini- oder Löwenbrunnen gilt als inoffizielles Zentrum in der Altstadt von Heraklion auf Kreta, Griechenland - © FRASHO / franks-travelbox
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Ekaterini-Platz und seine Kirchen

Drei Häuserblocks südwestlich vom Platia Venizelou liegt der Agia-Ekaterini-Platz, der von gleich drei Kirchen umrahmt wird. Die gewaltige Kathedrale Agias Minas aus dem 19. Jahrhundert fällt als erstes ins Auge. Sie zählt zu den größten Kathedralen Griechenlands, ist heute Bischofssitz von Kreta und beeindruckt vor allem durch ihre imposante Innenausstattung.

Die Minas-Kathedrale in Heraklion auf Kreta zählt zu den größten Kathedralen Griechenlands und beeindruckt durch ihre imposante Innenausstattung - © FRASHO / franks-travelbox
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Ebenfalls Agios Minas wird eine kleine zweischiffige Kirche etwas unterhalb der Kathedrale genannt. Diese ist jedoch meist für Besucher geschlossen. Die dritte im Bunde ist die Agia Ekaterini Sinaiton aus dem Jahr 1555. Unter ihren Kuppeln werden heute keine Heiligen Messen mehr abgehalten, stattdessen dient die Kirche als Ikonenmuseum mit Stücken aus dem 15. und 16. Jahrhundert.

Museen in Heraklion

Alle Museen von Heraklion zu besichtigen ist in einem zweiwöchigen Kreta-Urlaub nahezu unmöglich, zumal die meisten Reisenden nur einen oder vielleicht zwei Tage in der Hauptstadt weilen. Unbedingt gesehen haben sollten Sie jedoch das Archäologische Nationalmuseum mit der weltweit größten Sammlung von Europas erster Hochkultur.

Archäologisches Nationalmuseum

Für einen Rundgang durch das weltberühmte Archäologische Nationalmuseum von Kreta sollten Sie mindestens 2 Stunden einplanen. Nach dem Nationalmuseum in Athen beherbergt das Museum in Heraklion Griechenlands wichtigste Sammlung antiker Artefakte und die weltgrößte Ausstellung der minoischen Kultur. Zu den Highlights gehören der Diskos von Phaistos mit der ältesten Inschrift der Welt, die 4.000 Jahre alten Schlangengöttinnen aus Fayence und das kunstvoll gearbeitete Stierkopf-Rhyton.

Die berühmten Schlangengöttinnen im Archäologischen Museum auf Kreta, Griechenland, sind rund 4.000 Jahre alt - © FRASHO / franks-travelbox
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Historisches Museum von Heraklion

Das Historische Museum liegt nur wenige Gehminuten vom Zentrum entfernt und präsentiert Kreta im Lauf der Geschichte vom 4. Jahrhundert nach Christus bis heute. Es schließt damit zeitlich an die Ausstellungsstücke im Archäologischen Nationalmuseum an. Zu sehen sind unter anderem die kretische Folklore-Kunst und Kretas einziges Gemälde des Malers El Greco. Kretas berühmten Schriftsteller Nikos Kazantzakis ist ein eigener Saal gewidmet.

Naturhistorisches Museum von Heraklion und Cretaquarium

Neben der interessanten Flora und Fauna Kretas und des Mittelmeerraums beeindrucken hier 10m hohe Dinosaurier und im Simulator kann ein Erdbeben hautnah erlebt werden. Tierliebhaber werden auch das Cretaquarium interessant finden. Im größten Aquarium der Insel wird die Unterwasserwelt des Mittelmeers präsentiert.

Ikonenmuseum in der Kirche Agias Ekaterinis

Die Agias Ekaterinis Kirche beherbergt die schönste Ikonensammlung von ganz Kreta. Nicht weit entfernt, in der Odos Chandakos, befindet sich das Atelier von Voula Manoussakis, einer bekannten Ikonenmalerin, die sich bei ihrer Arbeit gerne über die Schulter schauen lässt. Auch ein paar sehr nette Cafés sind in derselben Gasse zu finden.

Shopping und Essen in Heraklion

Zum Shoppen finden Sie sich in Heraklion am besten in der Odos 1866 ein. Die traditionelle Marktgasse von Kretas Hauptstadt strotzt nur so vor typisch kretischen Läden und geht vormittags fast im Gedränge unter. Souvenirs von kitschig bis kunstfertig, duftende Inselkräuter, feinstes Olivenöl, frisch gerösteter griechischer Kaffee und vieles mehr gibt es hier zu erstehen. Und wo so viele Marktstände sind, sind auch die urigen Tavernen nicht weit. Die kleine Odos Theodosaki bietet beste kretische Hausmannskost mit Gemüse, Fisch und Fleisch.

Shops, Cafés, Bars und Tavernen sind in Heraklion, der Hauptstadt Kretas, zur Genüge vorhanden, Griechenland - © FRASHO / franks-travelbox
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Tipp: Im Georgiadi Park findet zweimal wöchentlich ein Biomarkt mit einem breiten Angebot an Obst und Gemüse, Oliven, Schafkäse, Fisch, Fleisch, Trockenfrüchten und Nüssen statt.

Auch die Odos Daidalou, die beim Morosini-Brunnen abzweigt und bis zum Platia Eleftherias führt, lockt Shoppingfreunde mit zahlreichen Geschäften, die Heraklion die Atmosphäre einer modernen Großstadt verleihen. Für herzhafte Speisen ist auch die Odos Marinelli die richtige Adresse. Hier befinden sich einige Rakidika, benannt nach dem Raki, Griechenlands typischen Anisschnaps. Sie sind perfekt für Gourmets, die sich in der kretischen Küche durchkosten möchten, denn die Portionen sind so klein und günstig, dass man gleich zwei bis drei davon bestellt – dazu werden offener Wein und ein perfekter Sonnenuntergang serviert.

Grabstätte von Nikos Kazantzakis

Etwas weiter vom Stadtzentrum entfernt (etwa innerhalb von 15 Gehminuten zu erreichen) liegt auf der Martinengo-Bastion, dem südlichsten Punkt der Stadtmauer, die letzte Ruhestätte von Nikos Kazantzakis. Wegen seiner unorthodoxen Ansichten blieb ihm die Bestattung auf einem kirchlichen Friedhof verwehrt. Der kretische Schriftsteller wurde vor allem mit seinem Roman „Alexis Sorbas“ berühmt, der auch verfilmt wurde. Das schlichte Grab ist nicht umzäunt und trägt die von ihm selbst gewählte Inschrift: “Den elpiso tipota. Den fowame tipota. Ime leftheros.” (“Ich hoffe nichts. Ich habe vor nichts Angst. Ich bin frei.”) Allein der Ausblick auf Heraklion ist absolut sehenswert!