Ruinen von Kilwa Kisiwani und Songo Mnara, Tansania

Die Große Moschee von Kilwa Kisiwani wurde 1050 errichtet und Anfang des 14. Jahrhunderts zum größten Sakralbau der Ostküste Afrikas ausgebaut, Tansania - © renatehenkel / Fotolia
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Kilwa Kisiwani und Songo Mnara liegen im Süden Tansanias an der Küste des Indischen Ozeans. Die Ruinen eindrucksvoller Bauten zeugen vom damaligen Reichtum der ehemaligen Handelsstädte.

Die beiden historischen Hafenstädte Kilwa Kiswani und Songo Mnara liegen knapp 300km südlich von Dar-es-Salam vor der Küste im Südosten Tansanias. Die Städte liegen auf zwei benachbarten Inseln im Indischen Ozean gut einen Kilometer vor dem Festland entfernt und waren einst bedeutende Hafenstädte für den florierenden Handel mit Indien. Seit 1981 zählen sie zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Ruinenstadt Kilwa Kiswani

Kilwa Kiswani ist die nördliche der beiden Ruineninseln vor der Küste Tansanias. Heute leben dort etwa 500 Menschen in einfachen Lehmhütten und ärmlichen Verhältnissen. Doch vor etwa 800 Jahren war in Kilwa Kiswani alles anders.

Aus der im Jahr 1520 verfassten Kilwa-Chronik geht hervor, dass Kilwa Kiswani im Jahr 975 vom persischen Begründer der Schiraz-Dynastie Ali Ibn Hasan gegründet wurde. Seine Nachkommen bauten die Stadt zu einer der bedeutendsten Städte an der Ostküste Afrikas aus. Für begehrte Handelswaren wie Gold, Silber, Perlen, indische Düfte, persische Keramik, China-Porzellan und arabische Luxus-Steine war Kilwa erste Anlaufstelle im Indischen Ozean. Zahlreiche bedeutende Bauwerke zeugten vom Reichtum der Hafenstadt. Doch Ende des 14. Jahrhunderts begann der Niedergang von Kilwa Kisiwani. Es wurden fast keine Münzen mehr geprägt und die Prachtbauten begannen aus Geldmangel langsam zu verfallen. Anfang des 15. Jahrhunderts schien es noch einmal bergauf zu gehen und einige Gebäude konnten restauriert und sogar neue errichtet werden, doch im 17. Jahrhundert war es dann endgültig vorbei mit dem Reichtum. Im 18. Jahrhundert wurde Kilwa Kiswani zu einer Sklavenhandelsstadt und kam 1784 unter die Herrschaft der Busaidi-Dynastie des Oman. Bald darauf wurde Kilwa Kiswani als Markt- und Handelsstadt vom 15km nördlich gelegenen Kilwa Kivinje abgelöst.

Sehenswürdigkeiten in Kilwa Kiswani

Von der damaligen florierenden Hafenstadt zeugen noch einige eindrucksvolle Bauwerke. Die Große Moschee von Kilwa Kisiwani wurde 1050 vom ersten Sultan von Kilwa errichtet und Anfang des 14. Jahrhunderts zum größten Sakralbau der Ostküste Afrikas ausgebaut. Die 16 Kuppeln der Moschee ruhten auf einem regelrechten Wald aus 30 Säulen und bedeckten eine Fläche von über 100m².

Der Husuni Kubwa ist der eindrucksvolle Palast des Sultans, der im 14. Jahrhundert direkt an der Küste erbaut wurde. Damals war er das größte steinerne Gebäude südlich der Sahara mit kunstvoll dekorierten Gewölben, idyllischen Innenhöfen und einer kleinen Moschee. Der zweite Sultanssitz in Kilwa Kisiwani ist der Makutani-Palast westlich der Großen Moschee, der jedoch architektonisch wesentlich einfacher errichtet ist als der Husuni Kubwa.

Die Gereza (wörtlich „Gefängnis”), eine eindrucksvolle Festungsanlage, stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert. Damals ließ sie vermutlich der Iman von Maskat, der osmanischen Hauptstadt, auf den Überresten einer Festung aus dem 15. Jahrhundert errichten. Bis heute sind zwei runde und ein eckiger Turm sowie der quadratische Kern der Festung mit einigen Baracken erhalten geblieben. Das Portal der Gereza ist seit 2012 im Nationalmuseum in Dar-es-Salam zu sehen.

Ruinenstadt Songo Mnara

Die Ruineninsel Songo Mnara liegt südlich von Kilwa Kisiwani und beeindruckt durch ihre Prachtbauten aus Korallenstein aus dem 14. bis 16. Jahrhundert. Ganze fünf Moscheen wurden auf der kleinen Insel errichtet, die von zahlreichen Friedhöfen umgeben sind. Leider sind die Ruinen nicht so gut erhalten wie auf Kilwa Kisiwani. Heute sind mehrere großzügig angelegte Steinhäuser und ein etwa 800m² großer Palast zu besichtigen.

Seit 2004 stehen Kilwa Kisiwani und Songo Mnara auf der Liste des gefährdeten Welterbes. Wind und Wetter setzen den historischen Bauten seit Jahrhunderten zu. Ausreichende Maßnahmen, um die bedeutenden Stätten weiter zu erhalten, wurden bis jetzt noch nicht gesetzt.