Insel Lamu, Kenia

Die Insel Lamu vor der Küste Kenias hat seinen faszinierenden Kulturmix aus tausend Jahren von arabischen, indischen und afrikanischen Einflüssen bis heute bewahren können - © Eric Isselee / Shutterstock
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Die Insel Lamu liegt vor der Küste Kenias knapp am Äquator und hat seinen faszinierenden Kulturmix aus tausend Jahren von arabischen, indischen und afrikanischen Einflüssen bis heute bewahren können.

Die Insel Lamu liegt knapp am Äquator vor der Küste Kenias im Indischen Ozean gerade mal 100 bis 800 Meter vom afrikanischen Festland entfernt. Seit über tausend Jahren trafen sich hier Kulturen aus allen Ecken der Welt und hinterließen ihre kulturellen und architektonischen Spuren. Die historische Altstadt von Lamu Town wurde 2001 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt.

Gemeinsam mit ihren Nachbarinseln Manda und Pate bildet die Insel Lamu das Lamu-Archipel. Auf Manda befindet sich ein kleiner Flughafen, der von Nairobi oder Mombasa aus angesteuert wird, ansonsten ist Lamu von Mombasa aus auf eher beschwerliche Art mit dem Bus und anschließend mit der Fähre zu erreichen.

Tipp: Wer auf der Suche nach wilden Tieren ist, hat auf Manda die besten Chancen, mit Afrikas tierischen Bewohnern Bekanntschaft zu schließen. Nicht selten kommt hier eine Horde Affen zum Frühstück auf Besuch und auch Löwen, Giraffen, Wildhunde und Elefanten wurden schon gesichtet. Auf Pate und Lamu lassen sich die großen Wildtiere Afrikas so gut wie nicht blicken.

Die Insel Lamu ist etwa 10km lang und 6km breit, ihre von etwa 30.000 Menschen bewohnte Hauptstadt ist Lamu Town. Weitere Siedlungen tragen die Namen Kipangani, Matondoni und Shela und haben sich als malerische Fischerdörfer zu Sehenswürdigkeiten entwickelt.

Tipp: Die kleinen Fischerdörfer sind lang nicht so lebhaft wie Lamu Town. Auch dort gibt es Gästehäuser, die zwar einfach, aber sauber sind und inklusive Personal gemietet werden können. Die Einheimischen verwöhnen ihre Gäste gerne mit frischem Fisch und köstlichen Schalentieren direkt aus dem Meer. Hin und wieder wird – ganz diskret – auch Wein oder Bier ausgeschenkt. Ansonsten ist Alkohol auf Lamu streng verboten. Als Alternative werden jedoch ausgezeichnete Fruchtsäfte angeboten.

Lamus Geschichte

Die Insel Lamu wurde bereits im 5. und 6. Jahrhundert von den ersten Händlern besiedelt. Aus arabischen, indischen und afrikanischen Einflüssen entstand die Swahili-Kultur („sawahil” bedeutet „Küste” auf arabisch). Ihre Religion stammt von den omanischen Händlern – ganz Lamu ist dem Islam zugehörig. Im 14. Jahrhundert wurde Lamu stärker besiedelt, 1505 ankerten die ersten portugiesischen Kriegsschiffe vor der Insel und im Jahr 1698 erfolgte die Eroberung durch den Oman. Mitte des 19. Jahrhunderts ging die Macht in Lamu vom Oman an den Sultan von Sansibar über, einer kleinen Insel vor der Küste Tansanias, südlich von Lamu. Die Herrschaft Sansibars war jedoch nur von kurzer Dauer. Im Jahr 1890 ging Lamu ebenso wie Sansibar durch den Helgoland-Sansibar-Vertrag an die Briten, 1907 folgte die Wirtschaftskrise, nachdem der Sklavenhandel verboten wurde.

Heute gehört Lamu zwar politisch zum unabhängigen Kenia, der Einfluss der kenianischen Zentralregierung ist jedoch nur in Spurenelementen vorhanden und die „Lamuer” leben großteils autonom. Die lukrativsten Einnahmequellen auf Lamu sind Fischfang und Obsthandel, sowie der Tourismus.

Sonne, Strand und Sehenswertes

Der völlig unberührte 12km lange Sandstrand im Süden Lamus, die weitläufigen Dünenlandschaften und die idyllischen Mangrovenbuchten ziehen vor allem Rucksacktouristen an, denn Lamu ist touristisch noch kaum erschlossen. Mit dem Dhau, einem kleinen Küstensegler, können Angel- und Tauchausflüge unternommen werden, auch Segeln und Surfen ist aufgrund der angenehm kühlen Passatwinde nahezu immer möglich.

Der 12km lange Sandstrand im Süden Lamus, die Dünenlandschaften und die Mangrovenbuchten ziehen vor allem Rucksacktouristen an, denn Lamu ist touristische noch kaum erschlossen, Kenia - © / Shutterstock
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Nach wie vor gibt es auf Lamu mehr Esel als Autos, etwa 3.000 an der Zahl, und so gut wie keine Hotels. Der traumhafte Südstrand bei Shela ist völlig unbewohnt und statt breite Straßen gibt es Trampelpfade und verwinkelte Gassen. Am Hafen und auf den Märkten erhält man hervorragenden Fisch und pflückfrisches Obst zu günstigen Preisen.

Neben Sonne, Strand und Meer ist Lamu auch für seine historischen Stätten bekannt. Lamu ist eine der wenigen Orte, an der Bauwerke aus der tausend Jahre alten Swahili-Kultur erhalten geblieben sind. Die afrikanisch-arabisch-indischen Einflüsse verleihen Lamu seinen ganz speziellen exotischen Hauch. Die mehrstöckigen Häuser bestehen aus Korallensteinquadern, die ohne Mörtel aufeinander geschichtet wurden. Die ausgeklügelte Bauweise lässt den Wind durch die offenen Räume und Galerien zirkulieren, der in der afrikanischen Hitze für angenehme Kühle sorgt. Ihre meisterhaft geschnitzten Türen sind nicht nur ein Eingangstor, sondern wurden zum Sinnbild der Swahili-Kultur. In den zig Moscheen von Lamu treffen sich weißgekleidete Männer zum täglichen Gebet. Das Fort von Lamu, welches heute als Museum dient, wurde Anfang von 1812 bis 1831 vom omanischen Sultan erbaut.

Insgesamt wirkt Lamu Town äußerst idyllisch. Ein Stück echtes Afrika, das bis jetzt vom Massentourismus verschont geblieben ist. Gemeinsam mit den prachtvollen Stränden ein absoluter Touristen-Geheimtipp. Doch schaut man genauer hin, entdeckt man abblätternden Putz und bröckelnde Mauern. Lamu hat seine Blütezeit hinter sich und der Reichtum von einst beginnt zu verfallen. Doch genau das macht Lamu so reizvoll und viele Besucher kommen immer wieder hierher, um die Geheimnisse des Afrika vor 500 Jahren zu entdecken oder sich einfach durch die exotischen Eindrücke treiben zu lassen.