Sighet Memorial in Sighetu Marmatiei, Rumänien

Das Sighet Memorial präsentiert in einem ehemaligen politischen Gefängnis auf eindrucksvolle Weise die Schrecken des Kommunismus in Rumänien - © FRASHO / franks-travelbox
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Das Sighet Memorial in der rumänischen Stadt Sighetu Marmației präsentiert in einem ehemaligen politischen Gefängnis auf eindrucksvolle Weise die Schrecken des Kommunismus in Rumänien.

Sighetu Marmației, eine Stadt im äußersten Norden Rumäniens, auch kurz unter “Sighet” bekannt, wurde sowohl im Zweiten Weltkrieg als auch in der darauffolgenden Herrschaft des Kommunismus Schauplatz politischer Verfolgung und Unterdrückung.

BILDER: Sighet Memorial in Sighetu Marmatiei

 

An das totalitäre Regime und die Opfer des Kommunismus und dessen Widerstands erinnert heute das Sighet Memorial, eine Gedenkstätte, die aus einem Museum und dem Internationalen Zentrum für Studien über den Kommunismus besteht. Es wurde 1993 vom rumänischen Schriftsteller-Ehepaar Ana Blandiana, der Vorsitzenden der Bürger-Allianz, und Romulus Rusan, dem heutigen Leiter der Gedenkstätte, ins Leben gerufen. 1998 ernannte der Europarat das Sighet Memorial zu einer der wichtigsten Gedenkstätten Europas. Bis 1997 noch unter Druck der postkommunistischen Regime wurde das Denkmal schließlich auch von der nationalen Regierung anerkannt und unterstützt.

Sighet Museum

Das Sighet-Museum befindet sich im Gebäude der einstigen Strafvollzugsanstalt von Sighet. Das Gefängnis wurde bereits 1897 unter österreichisch-ungarischer Herrschaft errichtet und 1948 in ein politisches Gefängnis der Kommunisten umgewandelt, welches aufgrund der strengen Haftbedingungen (keine Heizung und karge Mahlzeiten) bis 1989 berüchtigt war. In insgesamt 50 Ausstellungsräumen, die sich in ehemaligen Gefängniszellen befinden, werden die furchtbaren Geschehnisse zu Zeiten des Kommunismus in Rumänien präsentiert. Dabei ist das Museum penibel darauf bedacht, sich an originale Fakten zu halten und auf Dokumentationslücken hinzuweisen.

Im Museum im ehemaligen Gefängnis in Sighet, Rumänien, ist die düstere Stimmung bis heute noch zu spüren - © FRASHO / franks-travelbox
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Zu den Gefangenen zählten führende Kirchenmitglieder, Spitzenpolitiker und Minister der „falschen“ Parteien, Generäle und kritische Kommunisten. Zu den berühmtesten Insassen zählten der rumänische Ministerpräsident und Führer der Nationalen Bauernpartei Iuliu Maniu, der als einer der Väter der rumänischen Demokratie gilt, oder der später selig gesprochene katholische Bischof Anton Durcovici. Einige Todeszellen erinnern heute an ihre berühmten Insassen, in manchen Zellen kann das unmenschliche Gefängnisleben nachvollzogen werden und andere beschäftigen sich mit dem totalitären Regime im Allgemeinen. Ein Raum im Sighet Memorial ist zum Beispiel all jenen historischen Bauten gewidmet, die für den Parlamentspalast in Bukarest zerstört wurden.

Der Saal des Kitsch-Kommunismus im Sighet Memorial in Rumänien zeigt das „goldene Zeitalter“, welches Rumänien nach dem Zweiten Weltkrieg vorgegaukelt wurde - © FRASHO / franks-travelbox
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Gebets- und Meditationsstätte

Im Jahr 1996 wurde das Sighet Memorial in Rumänien um eine unterirdische Gebets- und Meditationsstätte erweitert. An den Wänden der Rampe zum „Raum der Besinnung und des Gebets“ sind die Namen von 8.000 Opfer aus den Gefängnissen, Lagern und Deportationsorten in Rumänien vermerkt. Im Innenhof und am Armenfriedhof in Rauchsteinplatten eingraviert prangen die Namen weiterer Insassen, die einst aus politischen Gründen in Sighet inhaftiert waren.

An den Wänden der Rampe zur unterirdischen Gedenkstätte am Sighet Memorial sind die Namen tausender Opfer aus den Gefängnissen in Rumänien eingraviert - © FRASHO / franks-travelbox
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Denkmal „Der Opferzug“

In einem Innenhof des weitläufigen Gefängnisses befindet sich das im Jahr 1998 von Aurel Vlad geschaffene Bronze-Denkmal „Der Opferzug“. Die 18 Gestalten des Denkmals ziehen mit teils erhobenen Händen auf eine Mauer zu, die ihnen – ähnlich wie der Kommunismus – die Freiheit raubt und den Blick auf den Horizont versperrt. Die unverwechselbare Form der Statuen wurden mittlerweile zu einem Art Wahrzeichen des Sighet Memorials.

Das Bronze-Denkmal „Der Opferzug“ im Sighet Memorial in Rumänien wurde im Jahr 1998 von Aurel Vlad geschaffen - © FRASHO / franks-travelbox
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Internationales Zentrum für Studien über den Kommunismus

Der zweite Teil des Sighet Memorials ist das Internationale Zentrum für die Studien über den Kommunismus in der rumänischen Hauptstadt Bukarest, welches von Romulus Rusan geleitet wird. Neben der Forschungsabteilung beherbergt das Zentrum auch ein Archiv, einen Verlag, eine Abteilung für Zeitzeugen und Ausstellungsräumlichkeiten. Hier wurden Dokumente, Fotografien, Zeitzeugen-Berichte und Objekte gesammelt, die anschließend im Museum ausgestellt wurden.

Internationale Sommerschule für Jugendliche

Seit 1998 ist auch die Internationale Sommerschule für Jugendliche Teil des Sighet Memorials. Die Leitung der Sommerschule unterliegt dem französischen Historiker Stéphane Courtois, der 1997 für die Herausgabe des „Schwarzbuches des Kommunismus“ bekannt wurde. Jedes Jahr im Juli unterrichten hier Historiker, Journalisten, Schriftsteller, Ärzte, Wirtschaftler, Komponisten und internationale Filmemacher.

Weiterführende Links:

Offizielle Website des Sighet Memorials