Fröhlicher Friedhof von Săpânţa, Rumänien

Der Fröhliche Friedhof in Săpânţa, Rumänien, ist aufgrund seiner farbenfroh bemalten Holzkreuze und den humorvoll-spöttischen Nachrufen weltweit einzigartig - © FRASHO / franks-travelbox
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Der Fröhliche Friedhof im rumänischen Săpânţa ist aufgrund seiner farbenfroh bemalten Holzkreuze und den humorvoll-spöttischen Nachrufen weltweit einzigartig.

Der Fröhliche Friedhof befindet sich in der Ortschaft Săpânţa im Nordwesten Rumäniens in der Region Maramureș. Seinen ungewöhnlichen Namen hat der Fröhliche Friedhof (rumänisch: „Cimitirul Vesel”) aufgrund seiner kunstvoll gestalteten, farbenprächtigen Kreuze, die noch dazu mit einem ironischen Nachruf des jeweiligen Toten versehen sind.

BILDER: Fröhlicher Friedhof von Săpânța

 

Die Menschen in Săpânţa zelebrieren den Tod. Ist ein Dorfbewohner verstorben, kleidet sich die gesamte Dorfgemeinschaft in Schwarz und besucht ihn in seinem Haus, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Nach drei Tagen Trauer wird er in einem feierlichen Marsch mit offenem Sarg zu seiner letzten Ruhestätte geleitet. Doch dann ist es auch schon wieder vorbei mit der Trauer, denn in Săpânţa gibt es den einzigen Friedhof, wo den Toten nachgeredet wird.

Der Fröhliche Friedhof beherbergt mittlerweile an die 800 blau gestrichenen Kreuze, die alle mit einem kleinen Spitzdach geschützt sind. An diesen Kreuzen ist sowohl in meisterhaft gefertigten Bildchen als auch in geschnitzten Texten das Leben des Begrabenen auf humorvolle Weise dargestellt. Auch wenn man der Rumänischen Sprache nicht mächtig ist, allein die detailverliebten Bilder zu betrachten ist ein absolutes Highlight.

Die Künstler am Fröhlichen Friedhof

Grab des Künstlers Stan Ioan Pătraş, der 1932 die erste kunstvolle Grabinschrift am Fröhlichen Friedhof von Săpânţa für einen Verwandten schuf, Rumänien - © FRASHO / franks-travelbox
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Verantwortlich für die kunstvollen Kreuze war bis 1977 der heimische Künstler Stan Ioan Pătraş, der im Jahr 1932 die erste kunstvolle Grabinschrift für einen Verwandten schuf. Der Brauch fand Gefallen, und wollte jeder in Săpânţa für seine verstorbenen Angehörigen ein farbenfrohes Kreuz und einen geschnitzten Nachruf.

Auf seinem eigenen Kreuz, das er noch selbst gefertigt hat, steht auszugsweise geschrieben: „Seit dem 14. Lebensjahr musste ich Geld verdienen. Aus 62 Ländern haben sie mich bis gestern besucht, aber wer jetzt noch kommt, der wird mich nicht mehr finden.” Sein Nachfolger ist Dumitru Pop, der Besucher auch gerne einmal in sein bescheidenes Heim einlädt.

Die Holzhütte des Holzkünstlers sieht genauso fantastisch aus wie der Friedhof. Nahezu jeder Quadratzentimeter ist mit Schnitzereien verziert. Die wohl berühmtesten Porträtarbeiten an den Wänden zeigen den rumänischen Ex-Diktator Ceausescu und seine Frau sowie den gesamten Stab des einstigen Zentralkomitees der Sozialistischen Partei Rumäniens.

Der Fröhliche Friedhof von Săpânţa in Rumänien beherbergt an die 800 blau gestrichenen Kreuze, die alle mit einem kleinen Spitzdach geschützt sind - © FRASHO / franks-travelbox
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Pop kann von diesem Geschäft mittlerweile gut leben. Ein Kreuz kostet mit mehreren hundert Euro ein paar Monatsgehälter eines einfachen Mannes, wodurch sich viele Bewohner diesen noblen Tod nicht leisten können. Pop hat auch schon in die USA, nach Deutschland, Österreich, England und Italien exportiert. Bestellungen kommen einfach an Dumitru Pop, Săpânţa, Rumänien.

Mittlerweile hat sich der Fröhliche Friedhof zu einer beliebten Touristenattraktion entwickelt. Der Fröhliche Friedhof bietet eine ganz außergewöhnliche Sehenswürdigkeit, denn überall sonst auf der Welt wird dem Thema Tod mit großem Respekt und Ernsthaftigkeit begegnet. Nicht jedoch in Săpânţa. Dort schwebt der Ruf eines Toten, den er sich im Leben erarbeitet hat, noch viele Jahre über ihm.

In Form von geschnitzten Texten wird am Fröhlichen Friedhof von Săpânţa das Leben des Begrabenen auf humorvolle Weise dargestellt, Rumänien - © FRASHO / franks-travelbox
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Witzige Anekdoten aus dem Fröhlichen Friedhof in Săpânţa

Mahnmal an die Lebenden:
„Der Schnaps ist eine Schlange, die uns Trauer und Mühsal bringt. Wem der Schnaps gut schmeckt, dem wird es so ergehen wie mir.”

Aus der Zeit der ungarischen Besetzung:
„Ich habe 58 Jahre gelebt. Weh mir, ich bin schlecht verstorben. Saulic Ion mein Name. Im Garten in Belmezáu hab ich meine Schafe grasen lassen, als sich ein schlechter Ungar näherte. Er hat mir in den Kopf geschossen, meinen Kopf vom Körper getrennt und so mich ins Grab gebracht. Er sei für immer verflucht!”

 

Arrogante Selbstverliebtheit:
“Solange ich auf der Welt lebte, haben mir zu viele Dinge gut gefallen. Ich habe gut gelebt wegen einem schönen Mann neben mir. Lieber Mann, du sollst gut weiterleben, wegen mir wirst du sowieso eifersüchtig sein, solange du lebst. So eine wie mich wirst Du nicht wieder finden.”

Politische Kritik:
“Solange wir auf der Welt waren, pflanzten wir schöne Obstbäume. Die Alte hat immer den Faden gesponnen und ich erntete Äpfel. Ich habe viel geerntet, aber viele Äpfel haben wir nicht gegessen, weil wir sie der LPG liefern mussten.”


 

Jedes der meisterhaften Kreuze am am Fröhlichen Friedhof von Săpânţa ist zu hundert Prozent handgefertigt und absolut einzigartig, Rumänien - © FRASHO / franks-travelbox
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Kirche von Săpânța

Wer den fröhlichen Friedhof von Săpânţa besucht, sollte unbedingt auch einen Blick in die dazugehörige Kirche werfen. Dies wird wegen der Prominenz des Friedhofes mit seinen farbenprächtigen Kreuzen von vielen Besuchern versäumt. Auffällig ist, dass die Kirche – im Gegensatz zu vielen orthodoxen Kirchen in Rumänien – sehr geräumig und auch sehr hell ist. Das Highlight der Kirche sind die ausgesprochen gut erhaltenen Wand- und Deckenmalereien. Durch das viele Licht, das durch die großen Fenster in die Kirche flutet, sind auch alle Details der Malereien gut zu erkennen. Die Kirche wird nach wie vor genutzt und ist damit auch ein wichtiger Bestandteil des Lebens in der Ortschaft Săpânţa.

BILDER: Kirche von Săpânța

 

Tragik neben der Fröhlichkeit

Neben den humorvoll-spöttischen Kreuzen des Fröhlichen Friedhofs liegt in Săpânţa hinter einer hohen Hecke von der Hauptstraße verborgen noch ein zweiter, um einiges ernsterer Friedhof. Hier stehen in unzählige halb verwitterte Grabsteine für die jüdischen Bewohner von Săpânţa die 1944 von den Nationalsozialisten in die Konzentrationslager verschleppt wurden und nie mehr zurückkehrten. Die wenigen „Spinka”-Juden („Spinka” ist jiddisch für „Săpânţa”), die zurückkehrten, flohen weiter nach Israel oder in die USA und so wurde halb Sapanta ausgelöscht.