Lens, Frankreich

Blick auf Lens im Norden von Frankreich mit dem Kirchturm der Église Saint-Léger in ihrem Zentrum als markantesten Punkt - © Maitre So PD/Wiki
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Einst eines von Frankreichs bedeutendsten Zentren für den Steinkohle-Abbau liegt die nordfranzösische Stadt Lens heute sowohl touristisch als auch wirtschaftlich im Abseits. Im Zuge der Fußball Europameisterschaft 2016 wurde die ehemalige Bergbau-Stadt aus ihrem touristischen Dornröschen-Schlaf erweckt.

Lens, 200km nördlich von Paris und 35km südlich von Lille, war einst eines der landesweit bedeutendsten Gebiete für den Abbau von Steinkohle, liegt heute jedoch nicht nur geografisch im Abseits. Auf der touristischen Landkarte ist die Stadt im Norden von Frankreich praktisch nicht existent, kaum ein Frankreich-Tourist hat das ehemalige Bergbau-Zentrum auf seinem Reiseplan.

BILDER: Stadtzentrum von Lens

 

Lens – eine Geschichte von Aufschwung und Niedergang

Die ersten Kohle-Vorkommen der Region wurden im Jahr 1660 entdeckt und nach gezielter Suche sukzessive gefördert. Sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg musste Lens schwere Schäden hinnehmen, doch nach dem Krieg folgte der wirtschaftliche Aufschwung als eines der Bergbau-Zentren Frankreichs. Die Überreste der Steinkohlförderung zählen heute als Nordfranzösisches Kohlerevier sogar zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Die dunklen Kegel der Kohleberge umrahmen die Stadt Lens und erinnern an ihre große Vergangenheit als eines der Bergbau-Zentren von Frankreich - © MarnixR CC BY-SA4.0/Wiki
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1986 jedoch war es vorbei mit dem Bergbau, die letzte Kohlemine wurde geschlossen und Lens stürzte in die Depression. Heute ist die rund 30.000-Einwohner-Stadt eine der ärmsten Frankreichs, geplagt von Arbeitslosigkeit und Abwanderung.

Das Fußballstadion Stade Bollaert Delelis als einer der zehn Austragungsorte der Fußball EM 2016, und das Louvre-Lens, eine Zweigstelle des berühmten Louvre in Paris, sollten dies ändern und dazu beitragen, der touristisch kaum existenten Stadt Leben einzuhauchen.

Rundgang zu den Sehenswürdigkeiten in Lens

Lens besteht hauptsächlich aus roten Ziegelhäusern und Sozialbauten, deren bröckelnde Substanz ihr Alter verrät. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Lens liegen praktischerweise alle innerhalb einer guten Gehstunde und können mühelos an einem Tag besichtigt werden. Als Ausgangspunkt bietet sich der Bahnhof im Zentrum von Lens an. Gleich daneben, am Beginn der Rue de la Gare, befindet sich übrigens das Touristen-Informationszentrum.

Gare de Lens (Bahnhof)

Der Bahnhof von Lens wurde von 1926 bis 1927 errichtet und 1984 zu einem „monument historique“, einem historischen Nationaldenkmal von Frankreich ernannt. Das Besondere an dem Bahnhof ist seine Architektur in Form einer Dampflokomotive mit einem 23 Meter hohen Turm, der den Rauchfang repräsentiert.

Der Bahnhof von Lens repräsentiert die Form einer Lokomotive und wurde 1984 zu einem „monument historique“ von Frankreich ernannt - © Under CC BY-SA3.0/Wiki
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Église Saint-Léger

Über Rue Berthelot gelangt man zur wohl hübschesten Sehenswürdigkeit von Lens, der Église Saint-Léger. Die Hauptkirche von Lens wurde seit ihrem Entstehen im 10. Jahrhundert bereits dreimal neu errichtet. Er heutige Bau stammt aus den 1920er-Jahren. Einziges Überbleibsel ihrer Vorgängerbauten ist eine Marienstatue aus dem 17. Jahrhundert, heute zu sehen in der Kapelle für die Opfer des Ersten Weltkriegs.

Die majestätische Église Saint-Léger im Zentrum von Lens ist die Hauptkirche der Stadt im Norden von Frankreich - © Velvet CC BY-SA3.0/Wiki
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Église Saint-Edouard

Die nächste Kirche auf dem Rundgang durch Lens liegt nordwestlich der Église Saint-Léger an der Avenue Saint-Edouard. Die hübsche rote Kirche mit dem spitzen Glockenturm stammt aus dem ersten Quartal des 20. Jahrhunderts und wurde 2009 ebenfalls zum „monument historique“ erklärt.

Als Teil des Nordfranzösischen Kohlereviers zählt sie seit 2012 außerdem zum Weltkulturerbe der UNESCO. Auf dem Weg zur Église Saint-Edouard passiert man auch die Moschee von Lens und die Avenue de la fossé 12 mit ihren historischen Bergbau-Gebäuden.

Universität

Von der Église Saint-Edouard auf der anderen Seite der Route de Béthune thront das Universitätsgebäude von Lens, das Geologie, Geographie und Naturwissenschaften lehrt. Es gehört zur Universität Artois, die als eine der jüngsten Universitäten Frankreichs erst 1992 gegründet wurde. Neben Arras als Hauptsitz und Lens ist die Universität Artois auch noch in den nordfranzösischen Städten Béthune, Douai und Liévin zu finden, die alle spezifische Fachbereiche abdecken.

Kunstmuseum Louvre-Lens

Über die Avenue des Lilas geht es wieder Richtung Süden zur Église Saint-Théodore. Daneben führt die Rue de la Rochefoucauld zum Kunstmuseum Louvre-Lens, der berühmtesten und meistbesuchten Sehenswürdigkeit der Stadt.

Die weitläufigen Museumsbauten des Louvre-Lens bilden eine moderne Zweigstelle des berühmten Kunstmuseums in Paris, Frankreich - © Julien Lanoo CC BY2.0/Wiki
© Julien Lanoo CC BY2.0/Wiki

Das Louvre-Lens ist eine Zweigstelle des weltbekannten Kunstmuseums in Paris, zeigt sich jedoch mit jüngster Technik und aufgeschlossenem Zugang moderner, spritziger und lockerer als sein konservativ geprägtes – und teureres – Pendant in der französischen Hauptstadt. Es beherbergt rund 200 Exponate aus dem Pariser Louvre und anderen Museen aus der Umgebung und bietet mit dem Blick hinter die Museumskulissen eine einzigartige Besonderheit.

Stade Bollaert Delelis

Über die Allée Marc-Vivien Foe, die von der Rue Paul Bert in Richtung Norden abzweigt führt der Weg zum Stade Bollaert Delelis. Nach der Fußball EM 1984 und der WM 1998 diente das Stadion in Lens auch bei der EM 2016 als Austragungsort. Das Stadion wurde 1933 eröffnet und für die Fußball EM 2016 bis Ende 2015 um 78 Millionen Euro modernisiert. In seiner neuesten Form hat die 41.000 Zuschauer fassende Arena mehr Sitzplätze als Lens Einwohner.