Altstadt von Alba Iulia, Rumänien

Vor dem Palatul Princiar in Alba Iulia erinnert ein Reiterdenkmal an Mihai Viteazul, der Ende des 16. Jahrhunderts einen Vorläufer von Rumänien gründete - © FRASHO / franks-travelbox
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Als Wiege der Nation und Symbol für den Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit spielte Alba Iulia in der Geschichte Rumäniens stets eine bedeutende Rolle und beeindruckt heute durch ihre Festungsmauern und die prächtige Krönungskathedrale.

Alba Iulia, auch Weißenburg oder Karlsburg genannt, liegt mitten am Hochplateau von Transsilvanien. Alba Iulia gehört zu den ältesten Siedlungen Rumäniens und geht in ihrem Ursprung noch auf die dakische Zeit zurück. Im Lauf der Zeit war sie Hauptstadt vieler Reiche und wurde von Römern, Slawen und Ungarn beherrscht. Die Nationalversammlung in Alba Iulia nach dem Ersten Weltkrieg ist den Rumänen bis heute als Moment der nationalen Einheit von „Großrumänien“ im Gedächtnis.

BILDER: Alba Iulia

Sehenswürdigkeiten von Alba Iulia

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Karlsburg konzentrieren sich auf die Altstadt innerhalb der sternförmig angelegten Festung von Alba Iulia. Außerhalb der Festung dominieren sozialistische Plattenbauten, die – meist vergeblich – durch Tischchen und bunte Schirme von Pizzerien und Cafés freundlicher gestaltet werden sollen. Ein Rundgang durch den Stadtkern von Alba Iulia beginnt am besten am Piata Unirii (Platz der Einheit), wo sich auch ein großer Parkplatz befindet.

Orthodoxe Kathedrale (Krönungskathedrale)

Vom Piata Unirii geht es durch den idyllischen Parcul Unirii (Park der Einheit) zum Stadttor Nummer 4 (dem Poarta IV). Dahinter liegt linker Hand die prächtige Orthodoxe Kathedrale von Alba Iulia. Da sie im Jahr 1922 für die Krönung von Ferdinand I. und Maria als Königspaar des neuen Großrumänien errichtet wurde, wird das eindrucksvolle Gotteshaus auch als Krönungskathedrale bezeichnet.

 Die prächtige Orthodoxe Kathedrale von Alba Iulia wurde im Jahr 1922 für die Krönung von Ferdinand I. und Maria als Königspaar des neuen Rumänien errichtet - © FRASHO / franks-travelbox
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Römisch-Katholische Kathedrale

Direkt gegenüber der orthodoxen Kathedrale liegt mit der Römisch-Katholischen Kathedrale St. Michael die nächste Sehenswürdigkeit von Alba Iulia. Hier liegt János Hunyadi begraben, von 1446 bis 1452 König von Ungarn. Der von außen schlicht anzusehende Kirchenbau wurde im 11. Jahrhundert errichtet. Sie ist damit nicht nur die längste, sondern auch älteste Kirche von Rumänien.

 Die Römisch-Katholische Kathedrale von Alba Iulia aus dem 13. Jahrhundert zählt zu den wertvollsten mittelalterlichen Baudenkmälern Siebenbürgens, Rumänien - © FRASHO / franks-travelbox
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Erinnerung an Mihai Viteazul

Zwischen den beiden Kathedralen führt die Strada Mihai Viteazul, der Ende des 16. Jahrhunderts einen Vorläufer von Großrumänien gründete. Nach der Römisch-Katholischen Kathedrale erinnert ein Reiterdenkmal an den einstigen Regenten, der auch Michael der Tapfere genannt wird.

Hinter der Statue thront der einst prächtig verzierte und heute eher schmucklose Palatul Priniciar, einstige Residenz des Fürsten, die nach seiner Zeit von den Türken zerstört wurde.

Sala Unirii (Saal der Einheit)

Der Sala Unirii in Alba Iulia schrieb im Jahr 1918 Geschichte, als im ehemaligen Militärcasino die Entstehung eines neuen Rumänien beschlossen wurde - © FRASHO / franks-travelbox
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Gegenüber liegt der Sala Unirii, der im Jahr 1918 Geschichte schrieb, als im ehemaligen Militärcasino die Entstehung von Großrumänien beschlossen wurde. Die Einigung wurde damals von 100.000 Rumänen bejubelt. Dokumente und Fotos im Saal der Einheit erinnern noch heute an das geschichtsträchtige Großereignis.

Muzeul Unirii (Museum der Einheit)

Auf der anderen Seite der Strada Muzeului liegt das Museum der Einheit. Das Anfang der 1850er-Jahre errichtete Militärgebäude mit der imposanten Fassade informiert seine Besucher über die Geschichte Alba Iulias von den Dakern über Römer, Slawen und Ungarn bis heute. In über 100 Ausstellungsräumen auf zwei Stockwerken werden im Museum der Einheit unter anderem die Schlachten mit den Türken, die Revolution von 1848 und die Einigung 1918 präsentiert.

Biblioteca Bathyány und Palatul Apor

Spaziert man die Strada Muzeului weiter entlang, gelangt man zur Biblioteca Bathyány, die in einer einstigen barocken Kirche untergebracht ist, und heute wertvolle Bücher und Schriften aus dem 9. Jahrhundert beherbergt. 1792 entstand hier das erste astronomische Observatorium Rumäniens. Schräg gegenüber liegt der Palatul Apor. Dieser stammt aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und war einst Residenz des Grafen Apor.

Das Stadttor III von Alba Iulia ist mit seinen Figuren, Statuen und Reliefs der antiken Mythologie spektakulär anzusehen, Rumänien - © FRASHO / franks-travelbox
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Stadttore und Festungsmauern von Alba Iulia

Wieder zurück und weiter auf der Strada Mihai Viteazul gelangt man zu den Stadttoren I, II und III von Alba Iulia, die um einiges spektakulärer anzusehen sind, als jenes bei der Orthodoxen Kathedrale. Vor dem prächtigen Poarta III erinnert der kolossale Obeliscul Horea, Cloșca și Crișan aus Granit mit Engelsstatue und Relief an drei Helden eines Bauernaufstandes.

Vor dem Poarta III erinnert der kolossale Obeliscul Horea, Cloșca și Crișan an die drei Anführer des Bauernaufstandes von 1784, die in Alba Iulia hingerichtet wurden, Rumänien - © FRASHO / franks-travelbox
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Die Zitadelle von Alba Iulia zählt heute zu den eindrucksvollsten Bollwerken Europas. Die gesamte Festung besteht aus sieben Basteien, die mit einer 12km langen Festungsmauer in Sternform verbunden sind. Ebenfalls sehenswert ist die Festungsparade, die mit uniformierten Soldaten jeden Tag um 11:30 stattfindet.

Die Zitadelle von Alba Iulia, Rumänien, besteht aus sieben Basteien mit einer 12km langen Festungsmauer und zählt heute zu den eindrucksvollsten Bollwerken Europas - © FRASHO / franks-travelbox
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Geschichte von Alba Iulia

Mildes Klima und fruchtbarer Boden machten die Gegend um Alba Iulia schon in den ersten Jahrhunderten vor Christus für das Daker-Volk interessant. Das damalige Apoulon der Daker wurde 106 von den Römern zerstört und als Apulum wieder aufgebaut. Im 6. Jahrhundert ging die Stadt, oder was nach dem Rückzug der Römer Ende des 3. Jahrhunderts noch übrig war, an die Slawen, die Alba Iulia Balgrad (Weiße Burg) nannten und so die Basis für den späteren deutschen Namen Weißenburg legten. 300 Jahre später zogen die Ungarn unter dem Herrscher Gyula in die Region ein und nannten die Stadt Gyulafehérvár (Gyuals Weißenburg). Daraus entstand später das heutige Alba Iulia (eigentlich „Weißer Julius“).

Zwischen 1541 und 1690 war Alba Iulia Regierungssitz und Hauptstadt von Transsilvanien und wurde weiter ausgebaut. Am 1. November 1599 rief der damalige Fürst Mihai Viteazul die Einigung von Transsilvanien, Walachei und Moldau aus. Von 1714 bis 1738 wurde unter der Herrschaft des ungarischen Habsburger-Königs Karl VI. die Festung von Alba Iulia errichtet, seitdem tauchte auch der Name Karlsburg für Alba Iulia in den Geschichtsbüchern auf. Ihrer Bezeichnung als „Wiege der Nation“ seit 1599 machte Alba Iulia am 1. Dezember 1918 wiederum alle Ehre, als nach dem Ersten Weltkrieg die Rumänen aus Transsilvanien, dem Banat, den Maramures und dem Kreischgebiet ihren Anschluss an Rumänien erklärten und Ferdinand I. vier Jahr später zum König von Rumänien gekrönt wurde. Der 1. Dezember gilt heute als Nationalfeiertag. Nach dem Sozialismus wurden in Alba Iulia Millionen investiert, um die heute schmucke kleine Altstadt für den Tourismus interessant zu machen.