Bibi Chanum Moschee in Samarkand, Usbekistan

Die Bibi Chanum Moschee wurde im Jahr 1404 nach fünfjähriger Bauzeit fertiggestellt, ihr Auftraggeber war der mittelasiatische Herrscher Timur Lenk, Usbekistan © Zufar / Shutterstock

Die gewaltige Bibi Chanum Moschee befindet sich in der usbekischen Stadt Samarkand und war im 15. Jahrhundert eine der größten und prachtvollsten Moscheen der gesamten islamischen Welt.


Die Bibi Chanum Moschee befindet sich in der historischen Stadt Samarkand im Osten Usbekistans und war im 15. Jahrhundert eine der größten und prachtvollsten Moscheen der gesamten islamischen Welt.

Die Bibi Chanum Moschee wurde im Jahr 1404 nach fünfjähriger Bauzeit fertiggestellt. Ihr Auftraggeber war der mittelasiatische Herrscher Timur Lenk, auch bekannt unter dem Namen Tamerlan, einem der mächtigsten Herrscher der islamischen Welt, dessen Reich von Syrien bis nach Indien reichte. Er ließ eine Moschee errichten, in der sich die gesamte männliche Bevölkerung Samarkands zum Gebet versammeln konnte, und ließ auf seinen Feldzügen dazu die besten Baumeister, Steinmetze und Dekorkünstler aus Aserbaidschan, Mittelasien, Persien und Indien nach Samarkand verschleppen. Benannt wurde die gewaltige Djuma-Moschee (Freitagsmoschee) angeblich nach Timurs Lieblingsfrau Bibi Chanum, deren Existenz jedoch nicht belegt ist. Der Legende nach soll sie die Fertigstellung der Moschee nach seinem Tod kurz vor der Vollendung überwacht haben.

Mangelhafte Architektur der Bibi Chanum Moschee

Angeblich hielt die Architektur der Moschee den ehrgeizigen Plänen Timurs nicht stand und schon bald fielen die ersten Steine aus der Kuppel auf die Gläubigen. Es ging das Gerücht um, dass dies die Rache Gottes für den blutigen Feldzug Timurs nach Indien war, im Zuge dessen er die Stadt Delhi dem Erdboden gleichmachte und die Bevölkerung, 100.000 Menschen, einfach vernichtete.

Die Bibi Chanum Moschee wurde das letzte Mal vom Usbekenherrscher Abdullah Chan II restauriert, danach wurde sie ihrem Schicksal überlassen. Erdbeben zerstörten die mächtigen Mauern, Bewohner plünderten sie auf der Suche nach Baumaterial und bauten so nahezu die gesamte Galerie mit ihren Marmorsäulen ab, Wind und Wetter taten ihr übriges. Mitte des 20. Jahrhundert war von der einst prächtigen Moschee nur noch eine traurige Ruine übrig. Die gewaltigen Ausmaße des Sakralbaus beeindruckten die Besucher Samarkands dennoch. Als die Sowjets in Usbekistan regierten, wurden erstmals Untersuchungen und Sicherungen der baufälligen Mauern vorgenommen, die groß angelegte Renovierung durch die usbekische Regierung startete Ende des 20. Jahrhunderts mit den drei Kuppelbauwerken und dem Portal.

Gewaltiges Erscheinungsbild der Bibi Chanum Moschee

Die Außenmauern der Bibi Chanum Moschee umschließen ein Areal von knapp 20.000m2, welches an der Nordostseite durch ein monumentales an die 40m hohes Portal betreten werden kann. Durch ein gewaltiges Bronze-Tor gelangt man in den knapp 5.000m2 großen Innenhof, der von Monumentalbauten und überdachten Galerien umschlossen wird. Der Blick fällt gleich auf den riesigen Koranständer, ein mit kunstvollen Reliefs verziertes marmornes Podest in der Mitte des Innenhofs. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich ein so genannter Pischtak, eine riesige, reich verzierte Mauer, die einen tief eingelassenen Iwan (Torbogen) umfasst.

Dahinter verborgen befindet sich das gewaltigste Bauwerk der Moschee, ein 40m hoher Kuppelbau, in dem sich das zentrale Mihrab, die traditionelle nach Mekka ausgerichtete Gebetsnische befindet. Er kann nur von der Seite aus und nicht durch den vorgelagerten Iwan betreten werden.

Links und rechts des Innenhofs befinden sich zwei weitere Kuppelbauten, die ebenfalls Pischtaken und Iwane aufweisen. Dreht man sich um, bemerkt man, dass auch das Eingangsportal, durch das man den Innenhof betreten hat, Pischtak und Iwan aufweisen. Somit wurde der Innenhof im klassischen persisch-islamischen Baustil des „Vier-Iwan-Schemas" errichtet.

Die aufwändige Dekoration der Schauwände, Säulen, Kuppeln und Mauern der Bibi Chanum Moschee ist ein eleganter Mix aus mittelasiatischer, persischer und indischer Tradition. Kostbare Marmorplatten in verschiedenen Formen und Farben, azurblau, goldglänzend und schneeweiß detaillierte Mosaike aus glasierter Keramik, meisterhafte Relief- und Stuckarbeiten und kunstvolle Wandmalereien machen die Bibi Chanum Moschee zu einer der eindrucksvollsten Sehenswürdigkeiten in Samarkand.

Die Bauwerke auf den vier Seiten des Innenhofs sind durch eine über 7m hohe Galerie mit Kuppeldächern miteinander verbunden, die zum Hof hin offen ist. Ursprünglich wurden die Galerien von einem Heer aus über 400 Marmorsäulen gestützt, von denen heute nur noch Bruchteile zu sehen sind. Auch von den vier schlanken 50m hohen Minaretten an den Ecken der Bibi Chanum-Moschee sind heute nur noch die Fundamente vorhanden.


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