Tempel Coricancha in Cusco, Peru

Der Tempel Coricancha in der ehemaligen Inkahauptstadt Cusco in den Anden des südöstlichen Peru - © Christian Vinces / Shutterstock
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Der Tempel Coricancha in Cusco war die allerheiligste Stätte der Inka und laut Überlieferungen mit purem Gold und Silber ausgeschlagen. Die unvorstellbaren Reichtümer wurden durch die spanischen Eroberer geraubt und der Tempel zerstört. Auf seinen Fundamenten steht nun das Konvent Santo Domingo, in dem jedoch einige der originalen architektonisch perfekten Inkamauern freigelegt wurden.

Der Tempel Coricancha, auch Qoricancha geschrieben, befindet sich in der ehemaligen Inkahauptstadt Cusco in den Anden des südöstlichen Peru. Coricancha, was soviel wie goldener Tempel oder goldener Hof bedeutet, wurde 1438 als die allerheiligste und wichtigste Stätte des gesamten Inkareiches errichtet.

Sechs weitere Tempel umrahmten den Coricancha, die der Mutter Mond, dem Blitz- und Donnergott, dem Venuskult, den Plejaden, dem Gott des Wetters und des Regenbogens geweiht waren.

Innerhalb der ehrwürdigen Hallen des Coricancha hielten die Inka Krönungen, Hochzeiten, Bestattungen und bedeutende Riten ab, er war Hauptwirkungsstätte des Hohepriesters, des Villac Umu. Der heilige Tempel des Sonnengottes Inti und des Schöpfergottes Viracocha durfte nur nüchtern, barfuß, den Weisungen eines Villac Umu folgend und zum Zeichen der Demut mit einer Last auf den Schultern betreten werden.

Unglaubliche Reichtümer des Coricancha

Die Pracht, von der der demütige Besucher empfangen wurde, war schlicht und ergreifend überwältigend. Der Boden und die Wände des Sonnentempels waren mit 700 Platten aus purem Gold verkleidet, vor einer mit Smaragden und Türkisen reich geschmückten Wand thronte die Sonnenscheibe in Menschengestalt, ebenfalls aus massivem Gold. Bei Sonnenaufgang fing sie die Sonnenstrahlen ein und das Gold und die Edelsteine erstrahlten in ein einem wahrlich überirdischen Licht. In trapezförmigen Nischen in den Wänden saßen Königsmumien mit goldenen Masken in kostbare Gewänder gekleidet auf goldenen Thronen, die traditionell von Dienern mit rituellen Speisen und Getränken versorgt wurden.

Der Tempel Coricancha in Cusco bei Nacht, er war die allerheiligste Stätte der Inka und laut Überlieferungen mit purem Gold und Silber ausgeschlagen, Peru - © Christian Vinces / Shutterstock
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Der Raum nebenan diente Mama Killa, der Mondgöttin und war dementsprechend in purem Silber gehalten. Das Pendant zur goldenen Scheibe des Sonnengottes war eine 10 Meter hohe und fast eine Tonne schwere Scheibe in Frauengestalt, gefertigt aus silbern schimmerndem Platin. Auch hier wachten stumm Mumien, diesmal die einbalsamierten Königinnen der früheren Reiche.

Gold als „Schweißperlen der Sonne” und Silber als „Tränen des Mondes” wurden auch in mehreren Gärten ganz aus den edlen Metallen verehrt. Der Chronist Pedro Cieza de León erzählte von Parkanlagen vor den Tempelhöfen, deren Grashalme, Äste, Früchte, Schlangen, Käfer und Brunnen ganz aus Silber und Gold gefertigt waren.

Zerstörung durch die Spanier

Aufgrund dieser reichen Opfergaben hielten die Spanier Coricancha für einen besonders heiligen Ort. Dies hinderte sie jedoch nicht daran, die heiligen Zeremonien zu zerschlagen, den Tempel völlig zu zerstören und die enormen Schätze einzuschmelzen, als sie im 17. Jahrhundert in Peru einfielen. Auf den geebneten Fundamenten des Coricancha bauten sie das Konvent Santo Domingo. Lediglich einige architektonisch perfekte Inka-Mauern, die sich heute innerhalb und um das Konvent Santo Domingo in Cusco befinden, zeugen von dem einst prachtvollen Bauwerk.

Ein Erdbeben im Jahr 1950 beschädigte das Konvent und legte dafür jedoch einen Teil der längst vernichtet geglaubten, jedoch scheinbar unverwüstlichen Mauern des uralten Sonnentempels frei. 4 Kammern des Originaltempels können nun besichtigt werden. Durch die trapezförmigen Öffnungen in der Mauer kann man in perfekter Symmetrie die Öffnung in der jeweils nächsten Kammer sehen.

Die fantastisch gearbeiteten Mauern bestehen wie bei Inkamauern üblich, nur aus perfekt aneinandergefügten Steinen, die noch dazu erdbebensicher waren, kein Mörtel war nötig. Nach oben werden sie immer schmaler, was die Höhe der Mauern noch betonen sollte. Heute muss der ehemalige Prunk der Coricancha soweit möglich durch Fantasie herbeigerufen werden, die Spanier beschrieben ihn mit „mehr Reichtum als man sich vorstellen kann”.

Museu Coricancha

Mumien, Textilien und Kultgegenstände aus Keramik und Metall aus dem Coricancha sind heute in einem kleinen unterirdischen Museum an der Avenida Sol zu bestaunen.