Cañón de Colca (Kolkatal), Peru

Atemberaubender Blick auf den Cañón de Colca und das Kolka-Tal inmitten der peruanischen Anden - © flog / franks-travelbox
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Vom tiefsten Punkt bis zum höchsten Berggipfel gemessen ist der Cañón de Colca im Süden Perus angeblich die tiefste Schlucht der Welt. Das spektakuläre Kolka-Tal, in dem die Anden-Kondore ihre Kreise ziehen, zählt zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Perus.

Das Kolka-Tal im Süden Perus, auch bekannt als Cañón de Colca, gehört zu den tiefsten Schluchten Südamerikas. 120.000 Besucher jährlich machen die spektakuläre Schlucht zur meist besuchten Sehenswürdigkeit Perus – nach Machu Picchu und der Königsstadt Cusco.

BILDER: Cañón de Colca (Kolkatal)

 

Das atemberaubende Kolka-Tal liegt knapp 100km nördlich von Arequipa und wurde einst von den Collagua bewohnt, einem Stamm aus der Region des Titicaca-Sees. In einigen Höhlen zeugen heute noch Felsmalereien und die „Colcas” genannten Steinlöcher zur Getreideaufbewahrung von ihrer Anwesenheit. Im gesamten Tal wurden die Hänge der Anden vielfach zu Terrassen geformt, auf denen heute noch wie vor mehreren hundert Jahren Landwirtschaft betrieben wird.

Die Terrassen an den steilen Wänden des Kolka-Tals im Süden von Peru wurden für landwirtschaftliche Zwecke angelegt - © flog / franks-travelbox
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Tiefer als der Grand Canyon?

Die Einheimischen rühmen sich damit, dass der Cañón de Colca die tiefste Schlucht der Welt ist und sogar den Grand Canyon im US-Bundestaat Arizona in den Schatten stellt. Dies kommt allerdings auf den Blickwinkel an. Misst man die Tiefe der Kolka-Schlucht von der Spitze des höchsten Berges bis zum Río Colca, erhält man 3.269 Meter und der Grand Canyon ist tatsächlich „nur” 1.800 Meter tief. Vom Rand der Schlucht allerdings geht es lediglich 1.200 Meter abwärts – damit ist der Cañón de Colca aber immerhin der zweittiefste Canyon der Welt. Wäre da nicht der Cañón de Cotahuasi ebenfalls in der Nähe von Arequipa, der noch um gut 100 Meter tiefer sein sollte…

Tipp: Zwischen März und Mai – kurz nach der Regenzeit – ist das Kolka-Tal am grünsten, ansonsten zeigt es sich einen grau-braunen Mantel gehüllt. Von Mai bis Oktober muss man kaum mit Niederschlägen, dafür vor allem in der Nacht mit eisiger Kälte rechnen.

Anreise zum Cañón de Colca

Der Cañón de Colca 100km nördlich von Arequipa im südlichen Peru ist angeblich die tiefste Schlucht der Welt - © flog / franks-travelbox
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Als Ausgangspunkt für Fahrten zur Kolka-Schlucht wird am besten die Stadt Arequipa gewählt, wo auch Touren zum Canyon gebucht werden können. Hat man die ärmlichen Randbezirke Arequipas einmal hinter sich gebracht, geht es eineinhalb Stunden ständig bergauf in die faszinierende Welt der Anden. Auf knapp 4.000 Metern Seehöhe passiert man die Hochebene „Pampa de Cañahuas” mit ihren friedlich grasenden Vikunjas.

Weiter geht es durch Gebirgsbäche und Lagunen mit Lamas, Alpakas und Flamingos bis zum höchsten Punkt der Fahrt auf 4.910 Metern Höhe, von wo aus sich spektakuläre Blicke auf die schneebedecken Gipfel der Vulkane Ampato, Hualcahualca und Sabancaya ergeben. Hier bleibt einem nicht nur aufgrund der großen Höhe die Luft weg! Nach der Passhöhe schraubt sich die Straße nach etwa dreieinhalb Stunden Fahrzeit in das atemberaubende Kolka-Tal.

Tipp: Um die gesamte Faszination des Kolka-Tals in sich aufnehmen zu können, empfehlen sich Ausflüge von 2-3 Tagen, denn alleine die Anfahrt von Arequipa dauert bereits fast einen halben Tag. Wer sich noch nicht an die große Höhe gewöhnt hat, sollte vorher unbedingt 2-3 Tage in Arequipa bleiben um sich zu akklimatisieren.

Unterwegs am Cañón de Colca

Die Straße am Cañón de Colca führt durch mehrere verschlafene Dörfer mit kolonialer Architektur, von denen aus immer wieder Wanderungen in und um die Schlucht unternommen werden können. In den Siedlungen im Kolka-Tal kann die traditionelle Kultur seiner Bewohner nachvollzogen und anhand von handwerklichen Erzeugnissen ein Stück davon mit nach Hause genommen werden. An Tieren gibt es im Kolka-Tal mächtige Anden-Kondor, chilenische Flamingos, die größten Kolibris der Welt, die wilde Lama-Art der Vikunjas und hasenähnliche Viscachas zu entdecken.

Startpunkt ist das auf 3.650 Metern Seehöhe gelegene Chivay. Dies ist die größte Ortschaft im Kolka-Tal, hier finden Touristen einfache Unterkünfte, Restaurants und das Thermalbad La Calera vor traumhaftem Panorama. Ideale Gelegenheit, um sich mit einem heißen Coca-Tee aufzuwärmen! Hier wird auch die Eintrittsgebühr zur Kolka-Schlucht erhoben.

Die Straße schlängelt sich anschließend am Südrand des Canyons entlang bis nach Yanque. Vom Dach der schneeweißen Kirche ergibt sich der erste unvergessliche Ausblick über das Kolka-Tal.

Der mächtige Anden-Kondor, der größte Raubvogel der Erde, zieht über dem Cañón de Colca im südlichen Peru seine Kreise - © flog / franks-travelbox
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Weiter geht es nach Maka, wo die Landschaft immer zerklüfteter wird. Ackerbau ist hier kaum mehr möglich, statt Mais und Gemüse bedecken niedrige Büsche und Unmengen von Kakteen – 20 verschiedene Arten – die steilen Hänge. Über den fantastischen Aussichtspunkt „Cruz del Cóndor” mit seinen majestätischen Anden-Kondoren erreicht man Cabanaconde, nach ca. 75km die letzte Station im Kolka-Tal. Hier kann man den traumhaften Flair des Cañón de Colca noch einmal bei einer Wanderung zur Sangalle-Oase auf sich wirken lassen. Anschließend geht es wieder zurück nach Chivay.

Kondore am Cruz del Cóndor

Das „Kreuz des Kondors” zwischen Cabanaconde und Chivay ist der schönste Aussichtspunkt an der Kolka-Schlucht. Hier hat man vormittags gute Chancen, die schwarz-weißen Kondore zu beobachten, die auf mächtigen Schwingen durch die herrliche Berglandschaft rauschen. Der majestätische Andenkondor ist nach dem Strauß der größte Vogel der Welt und gilt als Symbol für die Bergwelt Südamerikas. Mit ihrer stattlichen Größe von über einem Meter und einer Flügelspannweite von bis zu 3 Metern lassen sich die gigantischen Raubvögel von den Aufwinden der Kolka-Schlucht in den Himmel tragen.