Jesuitenmissionen, Paraguay

Die Missionarsstation La Sintisima Trinidad del Paraná wurde errichtet, um die Guarani-Indianer zum Christentum zu bekehren, Paraguay - © Lukasz Kurbiel / Shutterstock
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Die Missionarsstationen am Dreiländereck zwischen Paraguay, Brasilien und Argentinien wurden im 17. und 18. Jahrhundert errichtet, um die Guarani-Indianer zum Christentum zu bekehren und sie vor der Unterdrückung durch die Spanier zu schützen. Die mächtigen UNESCO-preisgekrönten Mauern können heute noch besichtigt werden.

Die Missionarsstationen La Sintisima Trinidad del Paraná, kurz Trinidad, und Jesus de Tavarangue, auch lediglich Jesus genannt, liegen in der Provinz Itapúa des südamerikanischen Staat Paraguay im Dreiländereck an der Grenze zu Brasilien und Argentinien. Generell zählen die Jesuitenmissionen in Paraguay zu den spektakulärsten religiösen Errungenschaften des Jesuitenordens und sind für Besucher auch relativ leich zu erreichen. Von der Route No 6 ist der weitere Weg zu den vier Missionarsstationen Trinidad, Jesus und San Cosme y Damián gut ausgeschildert.

Die beiden beeindruckenden Institutionen Trinidad und Jesus wurden im 17. Jahrhundert durch Mitglieder des Jesuitenordens gegründet, um die im Südamerika ansässigen Guarani-Indianer zum christlichen Glauben zu bekehren. Über 150 Jahre lang wurden sie erhalten und weiterentwickelt, heute sind nur noch einige Ruinen zu sehen. Die Überreste der einst stattlichen Gebäude wurden 1993 zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt.

Geschichte der Jesuitenmissionen

Im 16. Jahrhundert war die politische, wirtschaftliche und sozial Situation in Paraguay alles andere als rosig. Die bewaffneten Konflikte zwischen den spanischen Eroberern und den Eingeborenen ließen keinen Platz für Weiterentwicklung. Bis 1590 haben die Spanier 10 Städte und 40 Kolonien in Südamerika gegründet und die Indianer unterdrückt und zu Sklaven gemacht. Der spanische König wollte diesen Missständen zwar Einhalt gebieten, auf die Einhaltung seiner Vorschriften achtete soweit von Europa entfernt jedoch niemand. Bis zu dem Zeitpunkt, als auf Geheiß des Bischofs von Asuncion, Alonso Guerra, 1609 die ersten Missionarsstationen gegründet wurden. In den Regionen des heutigen Misiones und Itapúa wurden die ersten so genannten „reducciones” (Siedlungen) und geschützten Selbstversorger-Dörfer errichtet, wodurch sich die Lebensbedingungen für die Guarani deutlich verbesserten. Die Missionare lernten die Religion und Kultur der Indios kennen und gaben ihrer Sprache eine Schrift und den ursprünglichen Nomaden einen festen Platz zum Leben. Im allgemein ruhigeren Leben in den friedlichen Dörfern, die bis zu 3.000 Einwohner zählten, konnten Kultur, Bildung und Erziehung stattfinden und die Guarani machten unter der Führung der Missionare gewaltige Fortschritte in den Bereichen Kunsthandwerk, Ackerbau und Viehzucht.

Ruinen der Missionarsstation La Sintisima Trinidad del Paraná, Paraguay - © Lukasz Kurbiel / Shutterstock
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Missionarsstation La Santísima Trinidad del Paraná

La Santísima Trinidad del Paraná („die Allerheiligste Dreifaltigkeit von Paraná”) ist die größte und besterhaltene aller Missionarsstationen. Die 1706 gegründete reduccion beeindruckt vor allem durch ihren monumentalen Tempel, der einen Altar beherbergt, der aus einem einzigen Stück Fels gemeißelt wurde und mit Szenen aus der Verfolgung der Ureinwohner geschmückt ist. Auch das Kloster, Friedhöfe, Küchengebäude, Werkstätten und Wohnhäuser können heute noch besichtig werden. Die Ruinen wurden gänzlich restauriert und werden nun für Besucher erhalten. Am zentralen Platz beherbergt die ehemalige Sakristei ein kleines Museum sowie ein detailgetreues Modell der Missionarsstation.

Missionarsstation Jesus de Tavarangue

Auch die Missionarsstation Jesus de Tavarangue, ursprünglich gegründet im Jahr 1685, ist eine der bedeutendsten und eindrucksvollsten der Region. Die kolossale Kirche Jesu Vermächtnis (Recucción de Jesús) hätte mit einem Hauptschiff von 70×24 Metern eine der größten Sakralbauten jener Zeit werden sollen. Ihre Fertigstellung wurde jedoch 1767 durch die Vertreibung der Jesuiten unterbrochen und damit der gesamte Verfall der Missionarsstationen eingeleitet. Ihre drei mächtigen Eingangsportale sind heute noch zu sehen, ebenso die steinerne Kanzel, das Taufbecken und der Glockenturm.

Die Kirche von San Cosme y Damian wurde nie ganz fertiggestellt, jedoch als heiliger Ort verehrt. 1740 wurde die Siedlung an ihren heutigen Standort übersiedelt, bis heute überlebt haben ein Flügel des Colleges, der Friedhof und einige Häuser der Indios.