Grabstätten von Tierradentro, Kolumbien

Der archäologische Park Tierradentro inmitten der dichten Vegetation der nördlichen Anden der Provinz Cauca im Südosten von Kolumbien - © Yolka / Shutterstock
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Tierradentro ist eine Fundstätte in der Provinz Cauca im Südosten Kolumbiens, an der über 40 Grabstätten aus dem ersten Jahrtausend nach Christus entdeckt wurden. Die unterirdischen Grabkammern beeindrucken vor allem durch ihre spektakulären Wandmalereien und kunstvoll gefertigten Grabbeigaben.

Der archäologische Park Tierradentro befindet sich inmitten der dichten Vegetation der nördlichen Anden der Provinz Cauca im Südosten von Kolumbien etwa 100km von der Provinzhauptstadt Popayán entfernt. Seit 1995 zählen die Grabstätten von Tierradentro zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Das Gebiet wurde von von den Spaniern „Tierradentro” genannt, was soviel wie „landeinwärts” bedeutet. Anscheinend fühlten sie sich von durch die hohen Berge, engen Schluchten und verschlungenen Täler eingesperrt.

Tierradentro ist bekannt für seine beeindruckenden präkolumbianischen Grabstätten und Statuen, die in mehreren Fundstätten über die gesamte Fläche von über 2.000km² verstreut ausgegraben wurden. Unterirdische Grabkammern findet man in der ganzen Region Mittelamerikas, von Mexiko bis Argentinien, doch nirgendwo gibt es sie so zahlreich an einem Ort wie im kolumbianischen Tierradentro.

Forscher schätzen, dass der Friedhofkomplex im ersten Jahrtausend nach Christus in den schönsten Hügeln der Region geschaffen wurde, die meisten der unterirdischen Grabkammern lassen sich auf die Zeit zwischen 600 und 900 nach Christus datieren. Wer diese höhlenartigen Gruften erschaffen hat, gibt den Archäologen bis heute Rätsel auf, die unbekannten Maler und Bildhauer werden von einer Vielzahl von Mythen und Legen umrankt.

Eine der beeindruckenden präkolumbianischen Grabstätten im archäologischen Park Tierradentro in Kolumbien - © Rafal Cichawa / Shutterstock
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Besuch der Grabstätten von Tierradentro

Das typische Grabmal in Tierradentro hat einen Eingang, der nach Westen orientiert ist, eine einzigartige steinerne Wendeltreppe und eine von Säulen gestützte Hauptkammer, die 5-8 Meter unter der Erde liegt. Manche von ihnen weisen Durchmesser von 10-12 Meter auf. Rund um diese Hauptkammer sind die eigentlichen Gräber in mehreren Nebenkammern angeordnet.

Die Deckengewölbe, Wände und Pfeiler der Grabkammern sind reich mit verschiedenfarbigen geometrischen Mustern verziert und weisen auch Abbildungen von Tieren auf. Manche Szenen davon deuten auf das Leben der früheren Bewohner und Begräbnisrituale hin, aus denen Wissenschaftler Hinweise auf die vergangene Kultur lesen.

Die Statuen stellen meist Männer und Frauen dar, deren Hände über der Brust überkreuzt sind und die eine große Ähnlichkeit mit den Statuen von San Augustin, eines weiteren archäologischen Parks in Südkolumbien, der ebenfalls zum UNESCO Weltkulturerbe gehört, aufweisen.

Die Versorgung der Bevölkerung war damals anscheinend so gut, dass sich einige Künstler auf die Konstruktion der Gräber und eigens angefertigter Artefakte spezialisieren konnten. Letztere wurden sogar mit Nachbardörfern gegen Gold und Muscheln gehandelt. Viele der Statuen und Grabbeigaben wurden leider von Grabräubern entwendet, bevor Tierradentro und seine Grabkammern unter Schutz gestellt wurden.

Highlights der Gräber von Tierradentro

Aus den antiken Sehenswürdigkeiten in Tierradentro kann man einige Highlights hervorheben. Die unterirdischen Gräber auf der Höhe von San Andrés sind vor allem aufgrund ihrer Größe und ihren einzigartigen geometrischen Mustern in rot und schwarz sehenswert, ebenso wie die reich verzierte Koboldhöhe. Die Höhe von Segovia ist ein riesiger Platz mit einer Fläche von etwa 13.000m². Um diesen sind die 30 imposantesten und am tiefsten gelegenen Grabstätten angelegt. Die Muster und Reliefs an den Wänden der Kammern sind von einer atemberaubenden Kunstfertigkeit.

Ebenfalls eindrucksvoll dekoriert sind die 70 nebeneinander angeordneten Gräber auf dem künstlichen Hügel der Höhe von Aguacate. Hier sind vor allem Statuen zu bestaunen, die vor einem bunten Hintergrund aus Malereien und gefärbten Vertiefungen im Fels bestehen. Auch am El Tablón („Das Brett”) fällt das Auge in erster Linie auf Statuen. Dabei gibt es kleine, beinahe schmucklose Menschenfiguren und kolossale über zwei Meter große, welche beim Betrachter einen deutlich länger anhaltenden Eindruck hinterlassen.

Tierradentro ist heute eine archäologische Sehenswürdigkeit, die Besucher aus der ganzen Welt anzieht und der abgeschiedenen Region in der Gemeinde von Inza einen gehörigen wirtschaftlichen Aufschwung bescherte.

Dennoch wird im nahe gelegenen Dorf San Andres de Pisambalá immer noch mit Pferden auf den Feldern gearbeitet und in den Hinterhöfen werden Kaffeebohnen zum Trocknen ausgebreitet. Als Transportmittel ist ebenfalls das Pferd deutlich beliebter als das Auto, kein Wunder in dieser unwegsamen Bergregion. Für gestresste Touristen ist das idyllische Hinterland Caucas der perfekte Ort um dem hektischen Alltag der Großstädte zu entfliehen.