Festungen von Cartagena, Kolumbien

Die Festungen von Cartagena sind ein einzigartiges Beispiel für die Militärarchitektur der spanischen Eroberer, Kolumbien - © RCH / Fotolia
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Die Festungen von Cartagena in Kolumbien sind ein einzigartiges Beispiel für die Militärarchitektur der spanischen Eroberer aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Die mächtigen Bollwerke machten die damals äußerst bedeutende Hafenstadt Mittelamerikas zu einer uneinnehmbaren Festung.

Cartagena liegt an der Küste Kolumbiens und war in der frühen Eroberungszeit Süd- und Mittelamerikas gemeinsam mit La Habana in Kuba und San Juan in Puerto Rico die bedeutendste Hafenstadt im mittelamerikanischen Raum.

Entstehung von Cartagena

Die Stadt Cartagena wurde im Jahr 1533 als kleines Archipel in der Karibik gegründet. Seine Lage im Golf von Darien, etwa 100km westlich der Mündung des Rio Magdalena erwies sich als strategisch äußerst günstig. Der schmale Landstreifen, der durch einer Folge von Buchten vom Festland getrennt ist bietet einerseits viele Ankerplätze und andererseits natürliche Barrieren, die die Stadt vor Angriffen schützen. Etwa 100 Jahre nach seiner Gründung war Cartagena der zentrale Zwischenlagerplatz für (nicht immer ganz legal erworbene) Güter, bevor sie nach Spanien weiter verfrachtet wurden.

Die Bedeutung von Cartagena schlug sich bald in wachsendem Reichtum nieder und die Stadt wurde mit Palästen, Parks und Kirchen in katalanischem und andalusischem Stil ausgeschmückt. Dass es im wohlhabenden Cartagena einige Schätze zu holen gab, sprach sich rasch unter diversen berüchtigten Piraten herum, und so wurde im Jahr 1586 der bekannte Militärbaumeister Bautista Antonelli von der spanischen Regierung mit der Befestigung der Stadt beauftragt.

Antonelli nahm seinen Auftrag sehr ernst und schuf im 16. und 17. Jahrhundert die ersten imposanten Festungen von Cartagena, die 1984 gemeinsam mit dem historischen Zentrum von Cartagena zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt wurden.

Uneinnehmbares Cartagena

Die insgesamt 12 Verteidigungsanlagen, die aus Festungen, Geschützen und Wällen bestanden machten Cartagena über fast zwei Jahrhunderte zu einem uneinnehmbaren Stützpunkt. Erst im Jahr 1697 gelang Baron Pontis ein erfolgreicher Angriff auf die Stadt. Diese Niederlage war der Anstoß für den weiteren Ausbau der Befestigungsanlagen, wie sie in ihrer mächtigen Ausdehnung heute noch erhalten sind. Diese sind heute die weitläufigsten und am besten erhaltenen Bollwerke der Neuen Welt und stellen ein herausragendes Beispiel für die Militärarchitektur aus dem 16. bis 18. Jahrhundert dar.

Die Festung San Felipe de Barajas in Cartagena, Kolumbien - © Toniflap / Fotolia
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Das Meisterstück der Befestigungsanlagen und erfolgreichste Verteidigungsmaßnahmen ist die imposante Burg San Felipe de Barajas, die im Osten der Stadt auf einem Felsen thront. Benannt nach dem spanischen König Philip IV. war es mit Lebensmittellagern, Waffenkammern und einem Labyrinth an unterirdischen Zugängen ausgestattet. Ergänzt wurde das gewaltige Fort San Felipe de Barajas um eine Vielzahl an weiteren Verteidigungsanlagen und Bollwerken.

Das Fort San Sebastián de Pastelillo auf der Insel Manga erhielt seinen Namen aufgrund seiner niedrigen Höhe (Pastelillo bedeutet soviel wie Muffin), um nicht von den Kanonen des Fort San Felipe de Barajas getroffen zu werden. Der innere Teil der Bucht wurde von der kreuzförmigen Festung Santa Cruz de Castillogrande bewacht, auf der anderen Seite der Hafeneinfahrt das etwas kleinere San Juan de Manzanillo. Das ebenfalls kreuzförmige San Luis de Bocachica Fort ragte einst als einzige Festung über die Meerenge.

Zu seiner Unterstützung wurden nahe des Ufers der Insel Tierrabomba die beiden Geschützstationen Chamba und Santiago errichtet, von denen es heute nur noch Überreste zu sehen gibt. Das Fort wurde 1741 von Admiral Edward Vernon zerstört (Cartagena konnte dennoch nicht eingenommen werden). Ein paar Überreste des Bollwerks sind heute noch neben in der Nähe des anschließend errichteten neoklassizistischen Forts San Fernando de Bocachica zu sehen. Dieses wurde näher am Meer gebaut als sein Vorgänger und in einer runderen Form, um statt Kanonen Platz für Musketiere zu schaffen. Die Geschützstation San José de Bocachica gehörte laut Plan zum Fernando de Bocachica entworfen, richtete sich jedoch hauptsächlich gegen Schiffe und war daher zum Großteil unter Wasser gebaut.

Ebenfalls zur Verstärkung des San Fernando de Bocachica diente die Geschützstation Angel San Rafael, die weltweit einzige Festung für die Verteidigung nach innen. Ein paar Kanonen zielen zwar auch nach außen und unterstützen die Geschütze von San Fernando, sein Hauptziel war es jedoch, die Angreifer in einen scheinbar unbeabsichtigt geöffneten Tunnel etwa 500 Meter neben San Fernando zu locken. Sie sollten denken, dass dieser unbewachte Eingang eine leichte Einnahme des gewaltigen Bollwerks ermöglichte, auf der anderen Seite des Durchschlupfes erwartete sie selbstverständlich ihr blaues Wunder in der Gestalt von mehreren hundert Musketieren mit der Waffe im Anschlag. Damit diese ausgeklügelte tödliche Falle, auch Teufelsloch genannt, von den Angreifern auch sicher entdeckt wurde, diente die Santa Barbara Geschützstation als Lockvogel, die die feindlichen Truppen ins Hinterland abzogen. Die Anlage verschwand über die Jahre, von ihr sind heute nur noch die Grundmauern übrig.

Diese mächtigen Verteidigungsanlagen waren der spanischen Krone noch nicht genug, die gesamte Stadt wurde außerdem von einer gewaltigen, 11km langen Stadtmauer umgeben, die über 20 kleinere Festungen und vier Notausgänge enthielt. Das Festland konnte von Cartagena aus nur über eine einzige Brücke erreicht werden.

Viele der Forts wurden im Lauf der Jahre restauriert und dienen nun der Stadt Cartagena als vortreffliche Sehenswürdigkeit für Touristen, die die Besucher in die wilde Zeit der spanischen Eroberer und Piratenüberfälle versetzt.

Weiterführende Links:

Detailinfo zum Fort San Felipe de Barajas auf Wikipedia (Englisch)