Shell Beach, Guyana

Eine Lederschildkröte am Shell Beach von Guyana im Norden des Landes, einem idealen Brutplatz für die Meeresschildkröten  - © Stephanie Rousseau / Shutterstock
© Stephanie Rousseau / Shutterstock

Der Shell Beach im Norden Guyanas besteht tatsächlich aus feinsten Muschelschalen, was ihn zum idealen Brutplatz für vier der acht existierenden Arten von Meeresschildkröten macht. Die Nistplätze stehen unter strengem Schutz, in den Nächten von März bis Juli können die Weibchen bei der Eiablage beobachtet werden.

Der Shell Beach von Guyana befindet sich im Norden des Landes in der Provinz Barima-Waini an der Atlantikküste. Bestehend aus lauter winzigen Muschelschalen und -splittern macht er seinem Namen alle Ehre. Seine Hauptattraktion besteht jedoch keineswegs in den kleinen hartschaligen Meerestieren. Die tierische Sehenswürdigkeit, um die es sich am Shell Beach handelt, kommt zwar auch aus dem Meer, ist jedoch vierbeinig und gepanzert.

Der Shell Beach ist aufgrund seiner Beschaffenheit aus Muschelschalen ein ausgezeichneter Brutplatz für vier der acht existierenden Meeresschildkrötenarten. Die Karettschildkröte, die Grüne Meeresschildkröte, die Oliv-Bastardschildkröte sowie die Lederschildkröte haben diesen 140 Kilometer langen Sandstreifen auserkoren, um des Nachts ihre Eier abzulegen. Der Shell Beach umfasst insgesamt neun Strände, wie zum Beispiel den Almond Beach, den Gwennie Beach, den Tiger Beach, oder den Foxes-Beach.

Strenger Schutz der Schildkröten

Die Schildkröteneier wurden über 100 Jahre lang von den am Shell Beach ansässigen Caribs und Amerindians ausgegraben und zu Rührei verarbeitet, ihre Eltern fielen oft Jägern zum Opfer, die auf ihr Fleisch aus waren. Mittlerweile stehen die Schildkröten jedoch durch mehrere Organisationen unter strengem Schutz. Der Shell Beach selbst ist seit Oktober 2011 durch einen längst fällige Regierungsbeschluss ebenfalls geschützt, sowie den Erhaltungsbedingungen der Schildkröten und ihren Brutstätten unterworfen, die bereits in den 1960ern ihren Anfang nahmen.

So zum Beispiel beschäftigt sich die Eerepami Regenwaldstiftung von Guyana seit 2009 einerseits mit dem aktiven Schutz der Schildkröten und ihrer Gelege sowie der Einbeziehung der lokalen Behörden und Bevölkerung in die Schutzmaßnahmen. Ihre Mitglieder überwachen in Zusammenarbeit mit der Guyana Marine Turtle Conservation Society die Strände, zählen die Tiere und ihre Eier und achten auf einen nachhaltigen Tourismus. Ziel ist, die Bewusstseinsbildung auf Fischerdörfer entlang dem 140 Kilometer langem Shell Beach auszuweiten, sowie Jugendliche für die Weiterführung der Schutzmaßnahmen zu begeistern.

Wann legen die Schildkröten ihre Eier?

Jedes Jahr in den Monaten von März bis Juli kann das einzigartige Schauspiel der Eiablage beobachtet werden. Schildkrötenweibchen kämpfen gegen die Brandung, um sich den Strand empor zu arbeiten und in mühevoller Arbeit ein Nest zu graben, in dem anschließend bis zu 100 Eier abgelegt werden. Nach getaner Arbeit wird das Gelege wieder mit Sand verschüttet, die Mutter macht sich auf den Weg retour ins kühle Nass und überlässt ihre Brut dem Schicksal. Hört sich vielleicht im ersten Moment grausam an, doch diese Methode funktioniert schon seit Millionen von Jahren. Die Art der Lederschildkröte ist mit einem Alter von unglaublichen 95 Millionen Jahren tatsächlich älter als die Dinosaurier!

Die stolzen Geschöpfe werden leider immer noch gefangen, teilweise gezielt, teilweise unbeabsichtigt durch Netze, die ursprünglich nicht für sie bestimmt waren. Wer jedoch das mühevolle Ablegen der Eier einer entschlossenen Schildkröten-Mutter einmal unter dem Sternenhimmel beobachtet hat, wird sich den Verzehr einer Schildkrötensuppe das nächste Mal dreimal überlegen.

Weiterführende Links:

Die Eerepami Regenwaldstiftung über das Projekt zum Schutz der Schildkröten

Das Schildkrötenschutz-Projekt der Guyana Marine Turtle Conservation Society (englisch)