Ruinenstätte Ingapirca, Ecuador

Ingapirca liegt in den südlichen Anden in Ecuador und ist die wichtigste präkolumbianische Ruinenstätte des Landes - © Rafal Cichawa / Shutterstock
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Ingapirca ist Ecuadors bedeutendste präkolumbianische Inka-Ruinenstätte und liegt in den südlichen Anden auf einer Seehöhe von über 3.000 Metern.

Ingapirca liegt in den südlichen Anden in Ecuador in der Provinz Cañar etwa 50km nördlich von Azogues und ca. 80km nördlich von Cuenca und ist die wichtigste präkolumbianische Ruinenstätte des Landes. Ingapirca bedeutet so viel wie „Inkamauer”, ihre genaue Bedeutung für die Inka, die angeblich nicht länger als 50 Jahre in Ecuador verweilten, gibt den Wissenschaftlern heute noch Rätsel auf.

Als Ingapirca von den spanischen Eroberern in Ecuador entdeckt wurde, bezeichneten sie es als „Castillo”, Burg, dass die präkolumbianische Anlage jedoch deutlich mehr als nur der Befestigung diente, ist heute klar. Forschern zufolge handelt es sich bei Ingapirca um eine spirituell bedeutende Kultstätte des kleinen indigenen Volkes der Kañari, deshalb wird die Anlage auch Hatun Kañar genannt („Groß Kañar”). Davon ist heute aber nicht mehr viel zu sehen, nur einige Reihen unbehandelter Steine gehen noch auf die Kañari zurück. Ihr bedeutendstes Überbleibsel ist der so genannte Huanca Kañari, ein Felsbrocken aus Vulkangestein, auf den die Strahlen der untergehenden Sonne beinahe waagrecht treffen und der wohl ein wichtiges Grabmal markiert.

Ruinen der Inka

Die Ruinenstätte Ingapirca liegt liegt in den südlichen Anden auf einer Seehöhe von über 3.000 Metern, Ecuador - © Paul S. Wolf / Shutterstock
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Die heutigen Ruinen stammen fast vollständig von den Inka, die Ingapirca ebenfalls nutzten und die Anlage in einer Bauweise erweiterten, die bereits aus den Tempelanlagen der Inka in Cuzco bekannt ist. Nahtlos fügten sie behauene Steinblöcke ohne Bindemittel aufeinander und erschufen so einen Sonnentempel, einen Mondtempel, Lagerräume, Grabstätten, Bäder und ein Observatorium, um den Lauf zu Sonne und Mond zu beobachten. Ebenfalls typisch für die Inka sind die trapezförmigen, erdbebensicheren Eingänge und die Ausrichtung der Anlage nach astronomischen Kriterien, die es zum Beispiel ermöglichten, den längsten und kürzesten Tag im Jahr an den Sonnenstrahlen an einer Mauer ablesen zu können.

Außerdem nutzten sie die auf 3.100 Metern Seehöhe gelegene Anlage als Raststätte an der Inkastraße von Tobembac (heute Cuenca) in die Hauptstadt Quito.

Skizzen aus dem 19. Jahrhundert zeigten, dass die Bauten von Ingapirca damals noch um einiges vollständiger waren. Im Lauf der Zeit wurden jedoch ganze Lastwagenladungen von Steinen aus Ingapirca abtransportiert und für die Errichtung anderer Gebäude in der Umgebung genutzt worden seien, so zum Beispiel die Kirche im angrenzenden gleichnamigen Dorf. Erst 1975, als die Verwaltung von Ingapirca einer lokalen Stelle übergeben wurde, nahm dieser Raubbau ein Ende.

Unterwegs in Ingapirca

Die wenigen Mauern, die nicht von den Spaniern und den Bewohnern der Umgebung zu Gunsten ihres Hausbaus zerstört wurden, sind heute noch zu besichtigen. Dabei sind den Erkundungen durch die Besucher keine Grenzen gesetzt – die ganze Anlage darf betreten und erforscht werden. Fundstücke der Inka sind ein einem kleinen Museum ausgestellt, in dem auch über die Restaurierungsarbeiten in den vergangen Jahrhunderten berichtet wird.

Viele Besucher sind daher vom ersten Anblick etwas enttäuscht, da sie sich Ruinen im Ausmaß von Perus Machu Picchu oder Mexikos Chichén Itzá erwartet hätten und stattdessen nur „einige Steinhaufen” vorfinden.

Für den Besuch von Ingapirca sollte ein ganzer Tag veranschlagt (etwa 7 Stunden hin und retour von Cuenca aus) und aufgrund der großen Seehöhe mit plötzlichem Wetterumschwung gerechnet werden. Wer Genaueres über die Ruinen erfahren möchte (vor allem auf Englisch), sollte sich in Cuenca einen Führer organisieren, denn die Tempelanlage selbst ist weder beschildert, noch gibt es ausführliche Informationsbroschüren oder ähnliches. Oder man nimmt an einer der organisierten Ausflüge zu Fuß, zu Pferd oder per Bus bzw. Taxi nach Ingapirca teil. Busverbindungen nach Ingapirca gibt es von Cuenca, Canar und El Tambo aus.

Fest der Sonne

In der dritten Woche im Juni jeden Jahres findet das Inti Raymi statt, das Fest der Sonne. Zu dieser Zeit erwachen die alten Ruinen unter bunten Kostümen und farbenfrohem Schmuck zu sprühendem Leben.