Capela de São Francisco de Assis in Pampulha, Belo Horizonte, Brasilien

Die Capela de São Francisco de Assis befindet sich in Belo Horizonte im Stadtteil Pampulha und ist das letzte Projekt von Oscar Niemeyer, Brasilien - © Anthony Correia / Shutterstock
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Die Capela de São Francisco de Assis in der brasilianischen Stadt Belo Horizonte wurde vom berühmten Architekten Oscar Niemeyer entworfen. Aufgrund ihres ganz speziellen Erscheinungsbildes wurde in der auffälligen Kirche erst ein einziges Mal eine Messe gefeiert.

Die Capela de São Francisco de Assis („Kirche des Heiligen Franziskus von Assisi”) in der brasilianischen Stadt Belo Horizonte befindet sich im bekannten Stadtteil Pampulha und ist deshalb auch schlicht und einfach als „Kirche von Pampulha” bekannt. Mit ihrer außergewöhnlichen Form ist sie eines der bekanntesten Postkartenmotive von Belo Horizonte.

Von weitem erkennt man nicht, dass diese fantastische architektonische Komposition eine Kirche darstellen soll. Das moderne Erscheinungsbild mit der zeltartigen Überdachung lässt eher auf eine konventionelle Veranstaltungshalle anstatt auf einen spirituellen Ort schließen.

BILDER: Capela de São Francisco de Assis in Belo Horizonte

 

Wie viele Gebäude in Pampulha wurde auch die Kirche São Francisco de Assis vom weltberühmten brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer errichtet. Das Besondere an Niemeyers Capela ist, dass sie weder tragende Balken noch Säulen aufweist. Niemeyer experimentierte hier erstmals mit dem Baustoff Beton, womit er der Kirche ihre auffällige zeltartige Form verpassen konnte.

Diese futuristische Kirche war das letzte Gebäude, welches aus der bekannten Reihe der „Pampulha Architectural Group” eröffnet wurde und galt als krönendes Meisterwerk Niemeyers.

Auffälliges Erscheinungsbild der Capela de São Francisco de Assis

Das Besondere an Niemeyers Capela de São Francisco de Assis ist, dass sie weder tragende Balken noch Säulen aufweist, Belo Horizonte, Brasilien - © Anthony Correia / Shutterstock
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Die vier mächtigen Betonkuppeln der Capela de São Francisco de Assis sind an der Außenfassade mit kunstvollen blau-weißen Mosaiken geschmückt. Die prachtvoll bemalten Kacheln stammen von Candido Portinari, einem großen Malermeister der brasilianischen Moderne. Dieser schuf im Inneren der Kirche auch die imposanten Paneele der Via Crucis, des Kreuzwegs. Die vierzehn meisterhaften Tafeln zählen zu den bedeutendsten seiner Werke. Ansonsten ist das Innere der Capela im Gegensatz zu vielen barocken Kirchen In Pampulha eher einfach gehalten. Traditionell zu sehen gibt es einen schlichten Altar, einen gewellten Chor, eine Kanzel und eine Sakristei. Besonders bemerkenswert ist die gewundene Treppe zum Chor, die vollständig aus Beton und ohne Stützstreben nur oben und unten befestigt ist.

Auch der idyllische Garten, der die Kirche São Francisco de Assis umgibt, stammt von Künstlers Hand. Hier zeichnet der Garten-Architekt Roberto Burle Marx verantwortlich.

Streit um die Kirche São Francisco de Assis

Die Kirche wurde zwar im Jahr 1943 im Auftrag des Bürgermeisters Juscelino Kubitschek offiziell eingeweiht, bisher jedoch nur ein einziges Mal für eine Messe genutzt. Künstler und Kleriker diskutieren nämlich immer noch über die künstlerische oder sakrale Bedeutung des auffälligen Bauwerks. Die kirchliche Welt der Umgebung war bei der Errichtung der Kirche nahezu empört, ein solch ungewöhnliches Gebäude Haus Gottes zu nennen. Wo der Malermeister Portinari einen Hund neben Franz von Assisi schuf, sahen die Kleriker einen Wolf.

Während Oscar Niemeyer in seinem Werk den „Hangar Gottes auf Erde” sah, bezeichnete Erzbischof Antonio des Santos Cabrai die kleine Kirche als gewöhnlichen „Schuppen” oder gar als „Bombenbunker des Teufels” und brachte zum Ausdruck, dass diese Kirche seiner Meinung nach für religiöse Zwecke unpassend sei. Nach ihrer Einweihung war es 14 Jahre lang verboten, die Kirche anzubeten. Erst 1956 fand die erste und bis jetzt einzige Messfeier statt.

Heute wurde die Kirche São Francisco de Assis dennoch als erstes modernes Bauwerk ins historisch und künstlerische Erbe von Minas Gerais aufgenommen und wird als Städtisches Denkmal gepflegt und erhalten. Im Jahr 1959 wurde die Capela de São Francisco de Assis in Belo Horizonte von Erzbischof João Rezende Costa erneut eingeweiht. Damals erkannte er das markante Gebäude offiziell als „Hommage an den Schöpfer” an.