Der erste Urlaub mit Baby: Alles über das Reisen mit Kleinkindern

Wenn Geburt und die ersten Monate gut überstanden sind, zieht es viele reisefreudige Eltern wieder hinaus in die Welt. Wenn der Nachwuchs mitkommt, sollten sie nicht nur in Sachen Reiseziele und Jahreszeit einiges beachten.

Schwangerschaft muss nicht vom Reisen abhalten. Allerdings gibt es durchaus einige praktische Erschwernisse. Viele Länder sollten zum Beispiel aus medizinischen Gründen gemieden werden und bei Flugreisen besteht ein gewisses Thromboserisiko. So manche Airline nimmt Hochschwangere nicht gerne an Bord oder verlangt ein ärztliches Attest. Die USA erschweren im letzten Trimester die Einreise ganz besonders – da innerhalb der Vereinigten Staaten Geborene automatisch die US-Staatsbürgerschaft besitzen.

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Ist das Baby auf der Welt, möchten viele Eltern naturgemäß wieder frei reisen können – selbstverständlich mit ihrem Kind. Reisen mit Säugling bringt allerdings einige Einschränkungen und Besonderheiten mit sich. Neben Reiseziel und Jahreszeit müssen auch einige weitere Faktoren berücksichtigt werden.

Disclaimer: Grundsätzlich sollten Eltern von Babys vor jeder weiteren Reise Rücksprache mit ihrem Kinderarzt halten. Gab es während der Schwangerschaft oder der Geburt Komplikationen, sollten sich auch die frisch gebackenen Mütter eine medizinische Freigabe einholen.

Urlaub mit Baby? Urlaub adé!

Der Sandstrand auf der Insel Bora Bora in Französisch-Polynesien erfüllt alle Südsee Klischees der Besucher - © wilar / Shutterstock
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Eines muss bei allen möglichen Reiseformen von vornherein klar sein: Reisen mit Baby ist kein Urlaub! Typische Betreuungsprogramme in Hotels und Ähnlichem greifen in aller Regel bei Kindern unter drei Jahren nicht. Auch wenn der Nachwuchs die Fremdbetreuung bereits aus dem Kindergarten gewohnt ist, ist das keine Garantie, dass auch die Spielgruppe am Urlaubsort angenommen.

Was die Unterbringung anbelangt, sollten Eltern überlegen, wie sehr sie selbst eine kleine Auszeit vom Alltag nötig haben. Ferienhäuser mit Selbstversorgung bieten zwar viel Flexibilität, aber kaum Komfort.

Wer wenigstens bei den Punkten Einkauf und Kochen etwas Urlaub genießen möchte, sollte eher auf Hotels mit umfassendem Service-Angebot setzen – frei nach dem Motto „das haben wir uns verdient“.

In vielen Urlaubsregionen haben sich neuerdings sogenannte Babyhotels etabliert. Diese richten sich ganz speziell an die Bedürfnisse von Familien mit sehr jungen Sprösslingen und bieten dazu reichhaltige Pflege-, Wellness- und Erlebnisangebote.

Manche dieser Hotels bieten stundenweises Babysitten auch am Abend an, wenn die Kleinen bereits schlafen. Ob sie ihren Sprössling am Urlaubsort in der Obhut einer fremden Person lassen möchten, muss allerdings jedes Elternpaar selbst entscheiden.

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Im Endeffekt müssen sich Eltern darüber im Klaren sein, dass der Urlaub sie sehr wahrscheinlich wie zuhause 24/7 in die Pflicht nehmen wird.

Eine Lösung, wie man als Paar vielleicht doch zu etwas Erholung im Urlaub kommt? Oma und Opa mit einpacken!

Reisen mit Kleinkind: Besondere Ansprüche

Reisen mit Baby - © Lila Pharao / franks-travelbox
© Lila Pharao / franks-travelbox
  • Aufgrund der besonderen Empfindlichkeit sehr junger Babys sollte der erste Urlaub möglichst nicht vor dem Ende des dritten Lebensmonats starten.
  • Der kindliche Schädelknochen wächst erst mit zirka 1,5 Jahren vollständig zusammen. Außerdem ist die Haut noch dünn und empfindlich. Keinesfalls sollten deshalb Ziele mit starker Sonneneinstrahlung und/oder Hitze angesteuert werden (und damit alles in Äquatornähe).
  • Der angeborene Nestschutz als Immunabwehr lässt nach etwa sechs Lebensmonaten nach. Zu dieser Zeit sind Säuglinge anfälliger für Infektionen, da die Immunabwehr erst aufgebaut werden und lernen muss. Die Reiseziele sollten deshalb deutschen bzw. europäischen Hygienestandards entsprechen.
  • Familien mit Baby, die im Flachland leben, sollten im Urlaub nicht in große Höhen reisen. Hier kann es beim Baby mitunter schneller zur Höhenkrankheit kommen.
  • Last but not least können Säuglinge zwar (insbesondere mit passender Kleidung) gewisse Temperaturschwankungen problemlos ertragen. Dennoch sollte sich das Klima am Urlaubsort nicht zu extrem von unserem unterscheiden – nicht zuletzt, was die Luftfeuchtigkeit anbelangt.
  • Auch die etwaig vorhandene Packliste muss auf den Urlaub mit Baby und Kleinkind angepasst und um alles Notwendige erweitert werden. Dann fällt vor der Abreise zumindest das Kopfzerbrechen weg, welche Dinge im Koffer landen müssen.

Reiseziele mit Babys: Mildes Klima weltweit

Auch auf dem Kinderspielplatz im Dinosaurierpark von Sucre dreht sich alles um die ausgestorbenen Riesen-Echsen, Bolivien - © Matyas Rehak / Shutterstock
© Matyas Rehak / Shutterstock

Natürlich ist es für den allerersten Urlaub möglich, einfach in Deutschland oder zumindest den angrenzenden europäischen Ländern zu bleiben. Diesbezüglich laden die familientauglichen Urlaubsziele an der Adria ebenso ein, wie es die Sehenswürdigkeiten Großbritanniens tun.

Wen es jedoch weiter weg zieht, der findet rund um den Globus weitere Ziele, die sich dank der gemäßigten Temperaturen selbst mit Kindern unter zwei Jahren entdecken lassen. Grundsätzlich gilt: Je weiter weg vom Äquator ein Land liegt, desto besser eignet es sich als Reiseziel mit Baby aufgrund der weniger gefährlichen Sonneneinstrahlung.

  • Schweden: Ist gerade in heißen Sommermonaten eine sehr gute Alternative, das Klima bleibt hier auch im Hochsommer angenehm. Die Vielfalt der Natur sowie sehr viele kindgerechte Angebote tun ihr Übriges.
  • Neuseeland: Besonders, wenn man sich von der subtropischen Nordhälfte der Nordinsel fernhält, ist Neuseeland ein perfektes Reiseziel für den Winter auf der Nordhalbkugel – weil dann dort Sommer mit milden 25°C herrscht.
  • Südafrika: An der Südspitze des afrikanischen Kontinents sind selbst die Sommertemperaturen deutlich erträglicher als diejenigen der weiter nördlich liegenden Staaten. Und es gibt für Familien jede Menge zu entdecken.
  • Kalifornien: Ist durch die küstennahe Lage in weiten Teilen von einem angenehm milden Klima geprägt und durch die vielen Sehenswürdigkeiten ganzjährig ein attraktives Reiseziel.
  • Mallorca: Kann gerade im Frühling und Herbst mit bestem Säuglings-Klima aufwarten. Die riesige deutschsprachige Community ist eine große Hilfe, nicht zuletzt bei Arztbesuchen.
  • Costa Rica: Insbesondere am Golf von Mexiko ein karibischer Traum, ganz besonders für kalte europäische Wintermonate.

Unterwegs mit Baby: An- und Abreise

Unterwegs mit Baby - © FRASHO / franks-travelbox
© FRASHO / franks-travelbox

Die Zeiten, in denen Babys ohne eigenes Ausweisdokument verreisen konnten, sind schon lange vorbei. Sobald die Reise die Staatsgrenzen überschreitet, muss ein Kinderreisepass vorhanden sein. Dieser ist von Land zu Land unterschiedlich lange gültig. Ferner sollten Eltern unbedingt überprüfen, ob und welche Einreisebestimmungen im Zielland für Kinder dieses Alters gelten.

Sind derartige Formalien geklärt, geht es an die Praxis von An- und Abreise:

  • Fliegen mit Babys ist aus unterschiedlichen Gründen eine Herausforderung. Besonders sehr lange Flüge sind wegen dem längeren Aufenthalt bei geringerem Umgebungsdruck komplex. Hier gilt deshalb besonders: Vorher den Kinderarzt fragen. Unbedingt sollten Eltern auf Sitzplätze in der jeweils vordersten Reihe achten. Hier lassen sich im Flieger vorhandene Bettchen befestigen – deutlich besser, als den Nachwuchs die ganze Zeit im Arm zu halten.
  • Autofahren ist dagegen für die meisten Babys absolut problemlos. Ab drei Monaten können längere Strecken (über zwei Stunden) angegangen werden. Diese sollten jedoch unbedingt in Etappen unterteilt und mit großzügigen Pausen unterbrochen werden. Ein sehr guter, rückenschonender Kindersitz ist dafür Voraussetzung.
  • Reisen mit dem Zug ist noch entspannter. In vielen Bahnlinien existieren mittlerweile eigene Kleinkinderabteile mit mehr Platz, sowie großen Tischen und Bänken. Hier können sich Baby und Eltern bequem die Beine vertreten und spielen.

Neben der Art des Reisens spielt zudem das gesamte Verhalten der Familie ringsherum eine entscheidende Rolle, wie wohl sich Säuglinge dabei fühlen – und wie entspannt sie dementsprechend bleiben:

  • Grundsätzlich mehr Zeit einplanen als gewohnt. Mit Kind dauert alles länger und jegliche Hektik macht das Kind nervös. So mancher Flughafen ist dankenswerterweise auf ungeduldige Kleinkinder eingestellt und winkt Familien auf der Fast Lane durch den Check-In oder zum Boarding.
  • Bei Flügen unbedingt mit der Airline abklären, was in Sachen Kinderwagen, Bettchen usw. am Schalter aufgegeben werden muss und welche Übergepäckgebühren anfallen.
  • Falls möglich, die An- und Abreise mit den Schlafenszeiten timen. Auf kurzen Strecken sind der späte Vormittag und der Abend ideal. Auf langen Strecken sollte sogar unbedingt eine abendliche oder nächtliche Abreise erfolgen. Im Auto entgeht man so auch der größten Hitze.
  • Bzgl. Nahrungsaufnahme ist Stillen unterwegs die praktischste Lösung – nicht nur, weil dabei sämtliche Herausforderungen anderer Fütterungsmethoden entfallen. Auf Flügen sollten Babys insbesondere bei der Landung trinken. Durch das Schlucken gleichen die Babyohren den steigenden Druck automatisch aus und es gibt keine Schmerzen.
  • Enorm empfehlenswert ist es, Musik mit beruhigenden Klängen auf das Handy zu laden – etwa Meeresrauschen und Vogelgezwitscher, bei größeren Kindern auch schon Kinderlieder oder Hörspiele. Zusammen mit weichen Over-Ear-Kopfhörern hat der Sprössling erstens vertraute Klänge im Ohr und kann zweitens beunruhigende Geräusche, wie Flugzeug-Turbinen, besser ausblenden.
  • Zudem sollten Eltern sich eisern an eine Maxime halten: Bloß nicht von anderen Mitreisenden nervös machen lassen. Mit einem so jungen Menschen zu verreisen, bedeutet immer mehr Umstände. Diese sind auch vom Umfeld zu respektieren.

Der erste Urlaub mit Baby: Allgemeine Tipps

Allgemeine Tipps - © Aidman / stock.adobe.com
© Aidman / stock.adobe.com

Wenn die Anreise gut überstanden wurde und es keine Herausforderungen durch Zeitumstellung beziehungsweise Jetlag gibt, dann kann der Urlaub losgehen. Allerdings sind Eltern gut beraten, die folgenden Tipps zu beherzigen:

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  • Insbesondere bei vergleichsweise warmem Klima erst einmal akklimatisieren. Das heißt, mit dem Nachwuchs nicht gleich am ersten Tag stundenlang im Freien sein.
  • Sonnenschutz ist das oberste Gebot. Das Baby sollte konsequent eine (atmungsaktive) Mütze tragen, die idealerweise auch Nacken und Augen beschattet, und mit höchstem Lichtschutzfaktor eingecremt werden. Im ersten Lebensjahr dürfen Kinder niemals der direkten Sonnen ausgesetzt sein. Auch danach gilt Aufenthalt im Schatten zwischen 11 und 15 Uhr, vor allem in südlichen Gefilden. Sonnenbrillen für Babys sind nicht nötig. Da der Nachwuchs sowieso im Schatten bleibt, können Eltern sich diese Ausgabe sparen.
  • Stillende Mütter sollten mitunter auf Reaktionen des Babys durch die geänderte Ernährung gefasst sein. Natürlich gelten im Urlaub dieselben grundsätzlichen Ernährungsregeln für Stillende.
  • Spätestens nach der Ankunft an der Rezeption die Kontaktdaten eines örtlichen Kinderarztes geben lassen und im Handy einspeichern.
  • Gerne einschlägige Reise-Apps nutzen, um vor Ort besonders babygerechte Aktivitäten zu finden – natürlich solche mit besonders guten Bewertungen.

Und was das allgemeine Verhalten am Urlaubsort anbelangt, so gibt es prinzipiell keinen Unterschied zu zuhause. Das heißt: Alle Aktivitäten mit Fokus auf die Tauglichkeit für das und mit dem Baby aussuchen, immer etwas mehr Zeit einplanen und entspannt bleiben.

Ganz gleich, ob es ein Café mit Blick auf die Golden Gate Bridge ist oder ein Nachmittag am Meer in einer mallorquinischen Bucht. Gerade der erste Urlaub als Eltern ist immer ein unvergessliches Erlebnis – selbst wenn der kleine Reisebegleiter sich in späteren Jahren vermutlich nicht mehr daran erinnern wird.

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