Phosphat-Abbaugebiet, Nauru

Der Phosphatabbau auf der Südsee-Insel Nauru hat große Teile des paradiesischen Eilandes in eine karge Mondlandschaft verwandelt - © ARM program - PD/Wiki
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Nauru wurde im 20. Jahrhundert durch den Abbau und Export von Phosphat zu einem der reichsten Länder der Welt. Nach dem beispiellosen Verfall der Wirtschaft Naurus ist auch von den Phosphatfeldern nicht mehr als eine karge Mondlandschaft übriggeblieben, gleichzeitig Touristenattraktion und Mahnmal.

Die kleine Südsee-Insel Nauru war noch bis vor einem Jahrzehnt hinter Saudi-Arabien das reichste Land der Welt gemessen am Pro-Kopf-Einkommen. Dies war ihrem umfassenden Phosphat-Vorkommen zu verdanken, welches seit Anfang des 20. Jahrhunderts in großem Stil abgebaut, um nicht zu sagen, ausgebeutet wurde.

Anfänge und Blüte des Phosphat-Abbaus auf Nauru

1906 war der britische Schiffsoffizier Albert Ellis der erste, der das Phosphat-Vorkommen auf Nauru industriell fördern ließ. Gemeinsam mit der deutschen Regierung gründete er die „Pazifische Phosphatkompanie“. Nach dem Ersten Weltkrieg ging Nauru an Großbritannien, Neuseeland und Australien, das Recht auf das Phosphat erhielten die Briten. Gut 50 Jahre später kauften die Nauruer die Schürfrechte an ihrem eigenen Land – und wurden reich.

Phosphat entsteht über Jahrtausende aus Vogelkot und -skeletten, von denen Nauru als Zugvogel-Station genug zu bieten hatte. Es wird zu Düngemittel und Sprengstoff weiterverarbeitet, beides wurde im 20. Jahrhundert in Europa dringend benötigt. Nach der Unabhängigkeitserklärung Naurus wurde die Phosphat-Firma verstaatlicht und die Regierung ließ den Großteil der Gewinne der Bevölkerung zukommen.

Die Nauruer brauchten plötzlich nicht mehr arbeiten, holten Arbeitskräfte aus China, setzen sich auf ihrer immer dicker werdenden Hinterteile und schwelgten im Luxus. Jeder besaß eine chinesische Putzfrau und zwei Autos bei einem Straßennetz von knapp 30km und kaufte Luxusgüter aus dem Ausland.

Niedergang von Wirtschaft und Umwelt

Doch Misswirtschaft, Fehlinvestitionen und Korruptionen machten auch vor dem paradiesischen Eiland im Pazifik nicht halt, zwangen Nauru sogar in die Knie. Ende der 1990er Jahr war der gesamte Reichtum aufgebraucht und auch das Phosphat nahezu versiegt. Diabetes drückte die durchschnittliche Lebenserwartung in Nauru auf unter 50 Jahre.

Im Jahr 2000 wurde der Phosphat-Export eingestellt, teilweise gelang es Nauru, Schadenersatzforderungen von Australien durchzusetzen, da durch die Ausbeutung der Phosphatfelder das Land weitgehend zerstört worden war. Seit 2004 wird Phosphat wieder in geringem Ausmaß vor allem nach Indien, Südafrika und Deutschland exportiert, die Vorkommen sollten jedoch in den nächsten Jahrzehnten vollständig erschöpft sein.

Der Rückgang der Phosphatindustrie brachte die Streichung von 800 Arbeitsplätzen mit sich, wodurch die Arbeitslosigkeit auf Nauru um 10% anstieg. Das Pro-Kopf-Einkommen liegt nach dem beispiellosen Verfall der Wirtschaft Naurus nun ähnlich niedrig wie bei den benachbarten Pazifikstaaten.

Der Phosphat-Abbau hat die paradiesische Insel Nauru beihnahe ruiniert - © VEKHA / Shutterstock
© VEKHA / Shutterstock

Das große Problem am so lukrativen Phosphatabbau ist die massive Schädigung der Umwelt. Die Regionen, in denen Phosphat abgebaut wurde, sind für die Natur unbrauchbar gemacht und gleichen einer kargen Mondlandschaft. Die trostlosen Felder der nackten Korallenfelsen sind heute eine Touristenattraktion und gleichzeitig Mahnmal, was der Mensch an der Natur alles anrichten kann.

Phosphat-Abbau und Wirtschaft heute

Heute kontrolliert das staatliche Unternehmen „Republic of Nauru Phosphate (RONPhos)“ den Phosphatabbau auf Nauru, es wird jedoch zunehmend versucht, ausländisches Geld nach Nauru zu bekommen. Mehrmals bereits musst sich Nauru gegen Vorwürfe von Geldwäsche und Anlagenbetrug gegenüber der OECD wehren.

Der Phosphat-Abbau ist nach wie vor Naurus wichtigster, um nicht zu sagen einziger, Wirtschaftszweig. Dadurch, dass große Teile der Landschaft durch die Minen zerstört wurden, kann nur ein kleiner Teil der Insel für den Anbau von Kokosnüssen, Bananen und Ananas genutzt werden. Lebensmittel und Süßwasser müssen importiert werden, als neuerlicher Versuch, das Land unabhängiger werden zu lassen ist ein Ausbau der Fischerei angedacht. Dazu wurde in der Anibare-Bucht der erste Hafen Naurus errichtet.

Die weitgehend tote Kraterlandschaft Nauru auch nur äußerst schwierig zum touristischen Urlaubsland ausgebaut werden. Dies kann jedoch auch ein Vorteil sein. Durch die fehlende touristische Infrastruktur wird Nauru vielleicht ewig ein Geheimtipp in der Südsee bleiben, auf dem noch jahrzehntelang Ruhe, Frieden und Einsamkeit zu finden sind.