Marae von Taputapuatea auf Raiatea, Französisch-Polynesien

Die Marae, steinerne Plätze südpazifischer Kulturen, in Taputapuatea sind die größten und ältesten von ganz Französisch-Polynesien - © Sur la route CC BY2.0/Wiki
© Sur la route CC BY2.0/Wiki

Die Marae von Taputapuatea auf der Insel Raiatea in Französisch-Polynesien waren die ersten heiligen Stätten ihrer Art. Diese jahrtausendealten Zeremonialplattformen südpazifischer Kulturen sind bedeutende historische Stätten und zeugen von der uralten Kultur Polynesiens.

In Taputapuatea an der Südostküste von Raiatea, einer zu Französisch-Polynesien gehörigen Insel im Südpazifik, befinden sich die ersten und größten Marae der gesamten Inselgruppe. Als „Marae” werden uralte, meist durch Steine abgegrenzte Plätze oder Plattformen südpazifischer Kulturen bezeichnet, die religiösen und zeremoniellen Zwecken dienten.

Religiöses Zentrum des östlichen Polynesiens

Einst galten die ersten Marae von Taputapuatea als zentraler Tempel und religiöses Zentrum des östlichen Polynesiens. Sie wurden etwa 1000 vor Christus errichtet. „Taputapu” bedeutet übrigens so viel wie „das Heiligste” und „atea” kann mit „groß” übersetzt werden.


Vorläufer der Königsthrone

Die Marae waren die ersten heiligen Areale, die dem Ehrenplatz eine erhöhte Rückenlehne zuwiesen. In ihren Anfängen wurde in der Versammlungsrunde am Platz des Häuptlings ein Steintafel aufgestellt, an den er sich anlehnen konnte. Nach und nach wurde dieser Platz durch Erdhügel erhöht und bald auch mit Stufen versehen – daraus entstanden die heutigen weltweit verbreiteten Throne der Könige. Auf Tahiti und Hiva Oa sind derartige Herrschersitze noch zu besichtigen.


 

Aus dem gesamten pazifischen Raum sammelten sich Seefahrer und Priester, um den Göttern zu opfern und ihr Wissen über die Ozeane auszutauschen. Nach und nach wurden alle Inseln in der Umgebung entdeckt und befahren. So kamen die Marae nicht nur nach Französisch Polynesien, sondern auch bis nach Tonga, Hawaii und Neuseeland. Jede dieser heiligen Stätten enthält einen Stein vom „Ursprungs”-Marae auf Raiatea, um eine spirituelle Verbindung herzustellen.

Die Marae strotzten nur so vor spiritueller Kraft und waren mit einem „tabu”, Unantastbarkeit, versehen. Doch bald begannen die ersten Kämpfe unter den Stämmen und die friedlichen Erkundungen der Inselwelten im Südpazifik hatten ein Ende. Die Marae wurden nicht mehr gepflegt und langsam aber stetig von der Natur zurückerobert.

Entdeckung und Restaurierung der Marae von Taputapuatea

1994 wurden die Überreste der Marae von Taputapuatea entdeckt und restauriert. Die Vereinigung Na Papa E Va’u Raiatea von Opoa nahm sich der Erhaltung der historischen Zeremonienstätte an und reichte die Marae von Taputapuatea als Anwärter auf das UNESCO Welterbe ein.

Die Marae von Taputapuatea auf Raiatea stellen mit einer Gesamtfläche von 300m² die größte historische Tempelanlage Polynesiens dar. Sie waren dem kriegerischen Oro, der höchsten polynesischen Gottheit geweiht. Rund um die Marae finden sich manche Bäume, die aufgrund ihres häufigen Wuchses um Marae mit den zeremoniellen Plattformen in Verbindung gebracht wurden, wie zum Beispiel der Papiermaulbeerbaum oder die glücksbringende Ti-Pflanze.

Noch heute werden die Marae von Taputapuatea von den Polynesiern respektiert. Keinem von ihnen würde einfallen, einen Stein der Marae auch nur zu verrücken, geschweige denn mitzunehmen oder Abfall liegen zu lassen. Diesen Respekt sollten auch die Touristen den ehemals heiligen Stätten zollen.