Ruinenstätte Qalhat, Oman

Qalhat war einst eine blühende Handelsstadt am Golf von Oman und wurde von den Portugiesen im 16. Jahrhundert zerstört, im Hintergrund die Ruine des Mausoleums von Bibi Maryam © Byelikova Oksana / Shutterstock

Qalhat war im 13. Jahrhundert im Königreich Hormuz die erste Hauptstadt Omans. Von der blühenden Handelsstadt an der Nordostküste sind heute nur noch vereinzelte Bauten halbwegs intakt.


Einst war Qalhat eine bedeutende Handelsstadt am Indischen Ozean und zweitwichtigste Stadt des arabischen Königreichs Hormuz (Ormus), nachdem die Straße von Hormuz im Norden von Musandam heute noch benannt ist.

1988 wurde Qalhat als UNESCO-Weltkulturerbe nominiert, die offizielle Ernennung lässt jedoch noch auf sich warten.

Geschichte von Qalhat

Das fast 35 Hektar umfassende Stadtgebiet war zu seiner Blütezeit mit mächtigen Mauern und Wehrtürmen befestigt. Fundstücke aus Persien und China zeugen vom regen Handel, von dem Qalhat damals lebte. Zwischen 1300 und 1508 wurde Qalhat als pulsierende Handelsstadt mit reichen Händlern, einem lebhaften Basar und einer eindrucksvollen Moschee beschrieben, unter anderem von Marco Polo und dem in der westlichen Welt gänzlich unbekannten „muslimischen Marco Polo" Ibn Battuta.

Im Jahr 1508 wurde Qalhat auf Befehl des portugiesischen General Afonso de Albuquerque zerstört, obwohl zwischen den Portugiesen und dem Königreich von Hormuz drei Jahr zuvor ein Friedensabkommen geschlossen wurde. Ihre Einwohner wurden massakriert, ihre Häuser verbrannt und ihre Flotte versenkt. Aus unbekannten Gründen wurde Qalhat nach dieser Katastrophe nie wieder aufgebaut und seine Rolle als wichtigste Hafenstadt im Nordosten des Landes ging an Muscat. Die Stätte von Qalhat fungierte fortan als Steinbruch und nach und nach brachen alle Häuser zusammen.

Besuch von Qalhat

Qalhat, heute eine unscheinbares Dorf, liegt etwa 20km nördlich der Stadt Sur in der östlichsten Region Omans und ist an der Küstenautobahne von Sur nach Quriyat ausgeschildert. Um die Ruinenstätte zu erreichen, ist Allradantrieb und ein schweißtreibender Aufstieg auf einen Hügel nötig. Es gibt weder Parkplätze noch sonstige Infrastruktur, die verfallenden Bauten stehen scheinbar einfach so in der Gegend.

Die Ruine des Mausoleums der Bibi Maryam ist das besterhaltene Bauwerk, welches von der historischen Stadt Qalhat aus dem 13. Jahrhundert übrig geblieben ist, Oman © Nico Traut / Shutterstock

Die omanische Ruinenstätte Qalhat als „historische Stadt" zu bezeichnen, ist eigentlich übertrieben. Bis auf ein paar klägliche Reste der Stadtmauern und einige Gräber ist noch ein einziges Bauwerk von der einst bedeutenden Handelsstadt am Golf von Oman übrig geblieben, das halbwegs intakt ist - das Mausoleum von Bibi Maryam. Ebenfalls noch zumindest zwei Mauern mit Fenster und Tür sind von einer ehemaligen Zisterne übrig. Trotzdem geht aus den verstreuten Trümmern von Qalhat noch ein Hauch des vor langer Zeit erloschenen Ruhmes aus.

Mausoleum von Bibi Maryam

Die Grabstätte von Bibi Maryam thront als letztes architektonisches Zeugnis einer einst großen und reichen Stadt. Das Mausoleum ist auch schon halb verfallen, die Kuppel ist eingestürzt, die einst kunstvollen Fliesenverzierungen fehlen und die darunter liegenden Steinmauern sind verwittert. Warum gerade dieses Bauwerk in verhältnismäßig gutem Zustand überlebt hat, ist den Experten ein Rätsel.

Detailansicht der Fassade der Ruine des Mausoleums von Bibi Maryam aus dem 13. Jahrhundert, Qalhat, Oman © Nico Traut / Shutterstock

Für die Entstehung des Mausoleums von Bibi Maryam gibt es einige Theorien. Laut Einschätzung der UNESCO wurde das Mausoleum einst nicht für, sondern von Bibi Maryam errichtet. Die Grabstätte sollte die letzte Ruhestätte für Baha al-Din Ayaz sein, dem zweiten Herrscher des Königreichs von Hormuz und Gatten von Bibi („Frau") Maryam.

Andere Quellen sprechen von einer Statthalterin namens Bibi Maryam, die Qalhat im Sinne der Könige von Hormuz regierte und hier begraben liegt. Und wieder andere sehen den verwitterten Bau als die einstige Moschee von Qalhat, die von den Geschichtsschreibern als Grabstätte missverstanden wurde.


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