Tiermarkt in Nizwa, Oman

Der freitägliche Tiermarkt am Fuß der Festung von Nizwa zählt zu den größten Spektakeln im Oman © ChameleonsEye / Shutterstock

Der freitägliche Tiermarkt am Fuß der Festung zählt zu den größten Spektakeln im Oman und zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Nizwa. Aus nah und fern treffen sich die Einheimischen, um ihre prachtvollen Rinder und Ziegen lautstark feilschend zum besten Preis an den Mann zu bringen. 


Jeden Freitag findet ab ca. 7:00 Uhr früh ein großer Tiermarkt direkt beim unübersehbaren Rundturm der Festung von Nizwa statt. Von nah und fern treffen sich Omanis, um lautstark um Ziegen, Schafe, Rinder, Kaninchen und Geflügel zu feilschen. Gleichzeitig ist der „Goat Market“ eines der größten Spektakel des Oman, bei dem Touristen live dabei sein können. Dementsprechend groß ist der Besucherandrang und das authentische Bild aus Männern mit Turban und Krummdolch, die über die tierische Ware diskutieren, wird vom Knipsen und Surren der Handys und Kameras getrübt. 
 
Als Besucher fühlt man sich am Tiermarkt von Nizwa in eine andere Zeit versetzt. Wären nicht auch die Handys der Omanis, auf denen ebenso lautstark telefoniert wird, könnte man meinen, man befinde sich im Mittelalter. Laut, staubig, stinkend und zunehmend heißer präsentieren sich die rustikalen Verkaufsverhandlungen. Es kann auch passieren, dass man sich in Windeseile vor einer durchgegangenen Kuh in Sicherheit bringen muss oder sich plötzlich im Schaf-Stau befindet. 

Der Vieh-Verkauf am berühmten Tiermarkt von Nizwa, Oman, folgt einem strengen Ritual © ChameleonsEye / Shutterstock

Vieh-Verkauf in Nizwa

Der Vieh-Verkauf folgt einem strengen Ritual. Die Tiere werden in einem Kreis aus Interessenten vorgeführt und der Verkäufer ruft Preise in die Menge. Die potenziellen Käufer prüfen die Tiere und rufen ihrerseits Preisvorstellungen zurück. Dauert das „Verkaufsgespräch“ zu lange, ohne sich zu einigen, muss der Verkäufer den Preis weiter senken oder es in der nächsten Woche wieder versuchen. Ist ein Käufer gefunden, wechseln Geld und Vieh den Besitzer. 90 omanische Rial für eine Ziege gelten als wirklich guter Preis, das sind 175 Euro. Junge Burschen stehen um die Männer herum um zu lernen und bald selbst in die Geschäfte einsteigen zu können.

Junge Burschen stehen am Tiermarkt von Nizwa um die Männer herum um zu lernen und bald selbst in die Geschäfte einsteigen zu können, Oman © clicksahead / Shutterstock

Frauen dürfen mitentscheiden

Die Verhandlungen auf dem Tiermarkt von Nizwa werden ausschließlich von Männern geführt. Doch auf den zweiten Blick sind auch die Frauen sichtbar. Sie stehen, in prächtige Gewänder gehüllt und kostbar geschmückt, im schattigen Abseits und beobachten interessiert das Geschehen. Gehört ein Tier seiner Frau (viele Ziegen haben weibliche Besitzer), stimmt sich der Mann oftmals rasch unter vier Augen mit ihr ab, bis sie entweder nickend zustimmt oder fuchtelnd ablehnt. Manche Kaufabschlüsse werden auch übers Handy bestätigt, oder es wurde bereits zuhause im Vorfeld über den Mindestpreis entschieden. 

Einmalige Fotomotive in Hülle und Fülle

Für Besucher interessant sind nicht nur die Verhandlungen, sondern auch die unvergesslichen Eindrücke, die es derart authentisch wohl kaum mehr wo auf der Welt zu sehen gibt. Die Männer mit ihren Statussymbolen Krummdolch, Patronengürtel und Vorderladergewehr präsentieren sich ebenso stolz wie die Frauen, die etwas im Abseits stehen aber deswegen nicht weniger herausgeputzt sind. Alles eine beliebte „Fotobeute" der Touristen. Spätestens um 11:00 Uhr - meist schon früher wegen der Hitze - ist alles vorbei.

Am Tiermarkt von Nizwa, Oman, wird mit dem lieben Vieh alles andere als zimperlich umgegangen © ChameleonsEye / Shutterstock

Die Schattenseiten des Tiermarkts

Tierschützer würde am Viehmarkt von Nizwa wohl der Schlag treffen, denn mit dem lieben Vieh wird hier alles andere als zimperlich umgegangen. Ziegen und Rinder, die sich weigern, ihrem neuen Besitzer zu folgen, werden brutal an der Leine gezerrt, Kaninchen sitzen in Drahtkäfigen auf engstem Raum zusammengepfercht und Hühner verschwinden nach dem Kauf in Kartons ohne Licht- und Luftlöcher. So manche „Ware“ überlebt die Hitze und den Stress am Tiermarkt nicht, doch mit mitleidigen (oder schadenfrohen) Blicken wird nur ihr Besitzer bedacht, dem ein Geschäft durch die Lappen gegangen ist. Besucher sollten sich darauf einstellen, dass Tierrechte hier nicht allzu groß geschrieben werden oder dem Markt am besten fernbleiben. 


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