Bergwelt von Musandam, Oman

Mit Allradantrieb gelangt man zu den schönsten Plätzen in der Gebirgswelt von Musandam, allerdings sind die anspruchsvollen Strecken nichts für Anfänger, Oman © Styve Reineck / Shutterstock

Mit dem Geländewagen die schroffen, menschenleeren Berge Musandams zu erforschen zählt zu den Höhepunkten einer Oman-Reise. Auf den steilen Pisten gilt es mächtige Gipfel, tiefe Schluchten, grüne Ebenen und einsame Strände zu entdecken.


Keine Region im Oman ist so ursprünglich wie die zerklüftete Bergwelt der Halbinsel Musandam an der nördlichen Spitze der arabischen Halbinsel. Die omanische Exklave ist entweder mit dem Flugzeug oder mit dem Auto durch die Vereinigten Arabischen Emirate zu erreichen.

Die meisten Straßen auf Musandam sind nicht asphaltiert, deshalb gibt es auf der Halbinsel auch mehr Boote als Autos. Mit Allradantrieb gelangt man zu den schönsten Plätzen auf Musandam, allerdings sind die anspruchsvollen Strecken nichts für Anfänger. Unerfahrene Bergfahrer sollten sich sicherheitshalber einem der Tourenanbieter in der Hauptstadt Khasab anschließen.

Tipp

Vor allem im Winter können auf Musandam zwar seltene, aber heftige Regenschauer niedergehen. Die unüblichen Wassermassen führen zur Unpassierbarkeit vieler Pisten und zur Stornierung von Flügen.

Von Ras al Khaimah nach Khasab

Wer mit dem Auto nach Musandam reist, kommt an der 70km langen Straße zwischen Ras al Khaimah nach Khasab nicht vorbei. Und hier beginnt bereits das Abenteuer. Die Küstenstraße E11 wurde direkt in die Hajar-Berge hineingehauen, deren Flanken teilweise senkrecht ins Meer abfällt und immer wieder atemberaubende Blicke auf einsame Buchten und das Meer mit seinen Öltankern und Containerschiffen ermöglicht. Ein unvergessliches Erlebnis!

Durch die zerklüftete Bergwelt von Musandam im Norden der arabischen Halbinsel führen nur wenige Pisten, die jedoch alle eine besondere Faszination aufweisen, Oman © Patrik Dietrich / Shutterstock

Offroad: Offroad-Fans können auch die Strecke von Dibba nach Khasab wählen. Sie führt mitten durchs Gebirge und ist der schönsten Offroad-Strecken im Oman. Vierradantrieb ist hier allerdings unabdingbar (hilft aber nach starken Regenfällen auch nicht weiter) und ein ortskundiger Führer ist zu empfehlen. Nach etwa zwei Drittel des Weges ist die restliche Strecke bis Ras al Khaimah asphaltiert. Für die etwa 85km sollten 5 Stunden eingerechnet werden, da an zwei Checkpoints Papiere, Versicherung und Gepäck kontrolliert werden.

Tipp

Eine weitere Strecke von Dibba nach Khasab führt mitten durch omanisches Territorium auf den Jebel Harim, den höchsten Berg Musandams, über das wunderschöne As-Sayh-Plateau und durch das Wadi Khasab. Die 100km lange Piste ist allerdings militärisches Sperrgebiet und europäische Touristen bekommen nur in Ausnahmefällen eine Durchfahrtsgenehmigung von der Polizei in Dibba.

Von Khasab auf den Jebel Harim

Die Piste von Khasab in das Gebirgsmassiv des Jabel Harim führt zuerst über einen aufgeschütteten Damm, der Khasab vor Überflutungen schützt. Durch das Wadi Khasab geht es steil und in engen Kurven vorbei an eindrucksvollen Felsformationen, Abgründen und Geröllhalden. Immer wieder fällt der Blick auf die Terrassenfelder, die die seltenen Regenfälle auffangen, wenn sie sintflutartig die Flanken des Berges hinunterstürzen. Entlang der Piste stehen Wassertanks, die mit Trinkwasser gefüllt sind.

As Sayh Plateau

Völlig überraschend taucht etwa 15km vor dem Gipfel des Jebel Harim eine paradiesische Ebene in der zerklüfteten Bergwelt auf. Das As Sayh Plateau liegt auf gut 1.100 Metern Seehöhe und wird von Ziegen bevölkert, die auf einer weitläufigen Grasfläche unter Mandelbäumen und Dattelpalmen ihren Hunger stillen.

Jebel Harim

Nach dem idyllischen As Sayh Plateau führt die Piste wieder steil bergauf. Leider geht es nicht ganz bis auf den 2.087m hohen Gipfel des höchsten Berges Musandams. Auf etwa 1.600m Seehöhe ist nach längeren Steigungen bei einer militärischen Anlage Endstation und das militärische Sperrgebiet beginnt. Allerdings kann man den Gipfel mit seinen Sendemasten sehen und auch der überwältigende Panoramablick über Musandam ist die Anreise allemal wert!

Tipp

Der genaue Beobachter findet auf der Anhöhe unterhalb des Sperrgebiets historische Felszeichnungen und nach kurzer Weiterfahrt eine Felswand, in der Fossilien eingeschlossen sind. Die Muscheln und anderen Meereslebewesen im Kalkstein beweisen, dass die Hajar-Berge vor 250 Millionen Jahren unter dem Meeresspiegel lagen!

Ar Rawdah Bowl

Weiter geht es nach Süden am Militärgebiet vorbei bis zum 25km entfernten Checkpoint Rawdah. Wer diese Strecke allerdings noch auf sich nehmen möchte, muss mindestens noch einen halben Tag für Hin- und Rückfahrt einkalkulieren, beziehungsweise eine Übernachtungsmöglichkeit (Zelt oder Auto) mitbringen. Die Ar Rawdah Bowl lohnt allerdings die Anfahrt. Auf den idyllischen Grünflächen des mehrere Quadratkilometer umfassenden Beckens gedeiht umgeben von mächtigen Bergen die größte Konzentration an Akazienbäumen im gesamten Oman. Es duftet nach Gras und Waldblumen. Im zugehörigen Dörfchen Rawdah leben etwa 10 Familien.

In der Ar Rawdah Bowl in den wilden Bergen Musandams gedeiht die größte Konzentration an Akazienbäumen im gesamten Oman © Turki Al-Qusaimi / Shutterstock

Von Khasab über Khor Nadj nach Sal al Ala

Kurz nach dem Wadi Khasab gabelt sich die Piste und führt in Richtung Osten zur malerischen Bucht Khor Nadj und zur grün überzogenen Ebene Sal al Ala.

Bait Al Qafl

Kurz nach der Gabelung kann ein originales „Bait Al Qafl“, „Haus mit Schloss“, bewundert werden. Diese steinernen Häuschen wurden früher von Hirten zum Aufbewahren von Vorräten verwendet und mit einem Geheimschloss vor Dieben geschützt. Bemerkenswert ist auch seine Bauweise. Zuerst wurden die Vorratsbehälter in die Erde gegraben und danach wurde das Haus rundherum gebaut. Die großen Behältnisse hätten nämlich sonst nie durch die Tür gepasst.

Die steinernen Vorratshäuschen auf der omanischen Halbinsel Musandam heißen ´Bait al Qafl´ und waren durch ein ausgeklügeltes Schloss vor Diebstahl sicher © Joseph Calev / Shutterstock

Khor Nadj

Etwa 4km nach dem Bait Al Qafl zweigt die Piste nach Norden ab und führt auf eine 700m hohe Anhöhe, von der man einen wunderbaren Blick auf das Meer und die darunterliegende Bucht genießen kann. Ihr Name bedeutet „Hilfe“, da hier früher Seefahrer und Händler lagerten bis die Unwetter auf dem Meer vorbei waren. Über zahlreiche Serpentinen geht es abwärts bis zum idyllischen Strand von Khor Nadj, dem einzigen Fjord Musandams, der mit dem Auto zu erreichen ist. Campen ist am breiten Sandstrand übrigens erlaubt.

Sal al Ala

Nach dem Bait Al Qafl gerade aus geht es durch das gleichnamige Wadi weiter bis zur paradiesischen Sal al Ala Bowl. Hier regnet es genug, dass die Ebene mit einem Teppich aus Gras und Blumen überzogen ist, auf dem ähnlich wie in der Ar Rawdah Bowl Mandelbäume und Akazien wachsen. Vor allem im Frühjahr ist der wunderbare Flecken Grün von Campern ziemlich bevölkert. Zurück nach Khasab geht es auf demselben Weg.

Tipp

Die Ausflüge in Musandams Bergwelt von Khasab aus beginnen am besten bei Shell-Tankstell im Süden der Stadt. Hier sollte man seinen Wagen unbedingt noch einmal volltanken, um für alles Unvorhergesehene gewappnet zu sein.

Entspannung in Zighy Bay

Nach den anstrengenden Fahrten durch die Berge lohnt sich ein entspannender Aufenthalt im Luxus-Hotel Six Senses Hideaway im ehemaligen Fischerdort Zighy Bay. Im Süden von Musandam gelegen ist Omans spektakulärstes Spa-Resort nur 2 Stunden von Khasab entfernt. Nur aus Natursteinen am knapp 2km langen Privatstrand errichtet, bietet es exzellente Küche direkt aus dem Meer, Wellness, Fitness, Badefreuden und exzellente Tauchgebiete. Wer keinen Allradantrieb zur Verfügung hat, muss allerdings mit dem Boot anreisen – oder mit dem Paraglider einfliegen.


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