Festung Karatepe, Türkei

Karatepe ist eine hethitische Festung im Süden der Türkei und war der Fundort einer zweisprachigen Inschrift in Phönizisch und Hieroglyphen-Luwisch, Türkei - © bumihills / Shutterstock
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Karatepe ist eine hethitische Festung im Süden der Türkei und neben der hethitischen Hauptstadt Hattuša die bedeutendste archäologische Ausgrabungsstätte der Hethiter-Zeit. Unter anderem war dies der Fundort einer zweisprachigen Inschrift in Phönizisch und Hieroglyphen-Luwisch, was die Entschlüsselung der gesamten hethitischen Hieroglyphen in Anatolien ermöglichte.

„Karatepe” bedeutet übersetzt „Schwarzer Hügel” und bezeichnet eine neusteinzeitliche Ruinenstätte in der Provinz Osmaniye in der südlichen Türkei. Neben der hethitischen Hauptstadt Hattuša stellt die ehemalige Festung den wichtigsten archäologischen Fundort aus der Hethiter-Zeit dar. Die Entdeckung ihrer Überreste erfolgte 1946 vom deutschen Archäologen Helmuth Theodor Bossert, der in den nächsten vier Jahren das Gebiet im Auftrag der Universität Istanbul genauer unter die Lupe nahm. Die Grabungen dauern bis heut an und stehen nun unter Leitung des Deutschen Archäologischen Instituts. Die Ergebnisse der Ausgrabungen sind als beeindruckendes Freilichtmuseum für Besucher zugänglich.

Errichtung der Festung Karatepe

Erbaut wurde die Festung Karatepe Ende des 8. Jahrhunderts vor Christus vom damaligen Herrscher Azatiwataš, der der Burg den hethitischen Namen Azatiwataya verlieh. Die Burg stand gemeinsam mit dem Königspalast im Süden des heutigen Taurusgebirges und lag direkt an der bedeutenden Fernhandelsroute Akyol am Fluss Ceyhan. Die Nähe zur Karawanenstraße war einerseits gut für die Wirtschaft, andererseits auch gefährlich. Der Palast musste daher gut geschützt werden.

Statue in Karatepe, einer hethitischen Festung im Süden der Türkei und neben der hethitischen Hauptstadt Hattuša die bedeutendste archäologische Ausgrabungsstätte der Hethiter-Zeit - © bumihills / Shutterstock
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Das erste Hindernis für mögliche Angreifer oder Plünderer waren die beiden Mauerringe, ein innerer und ein äußerer, die den Berg mit dem Königshaus umgaben. Durch zwei monumentale Toranlagen gelangte man in das Innere des Mauerkreises. Aus den Sockeln dieser Maueranlagen wurden kunstvolle Reliefs herausgearbeitet, die Azatiwataš und seinen Hofstaat darstellen. Die Einzigartigkeit dabei besteht in der Darstellung von alltäglichen Szenen, wie zum Beispiel einer stillenden Mutter, Segelschiffen oder des Herrschers bei seinem Mahl anstatt der üblichen Götter- und Heldenverehrungen. Neben den Toren stehen ebenfalls äußerst professionell gefertigte Löwenstatuen.

Bemerkenswert waren die Kanalsysteme zur Entwässerung, die den gesamten Baukomplex bis hin zu den Burgmauern durchzogen.

Der Schlüssel zu den Hethiter-Hieroglyphen

Einen der bedeutendsten Funde stellte sicherlich eine zweisprachige Inschrift auf einer Tafel dar – in Phönizisch und Hieroglyphen-Luwisch. Da die Forscher Phönizisch entziffern konnten, machte dieser Fund die Entschlüsselung hethitischer Hieroglyphen möglich. So konnten plötzlich alle hethitischen Schriften aus Anatolien bis ins 2. Jahrtausend vor Christus übersetzt werden.

Im heutigen Freilichtmuseum sieht man die Überreste der einst so bedeutenden Hügelfestung. Zwei verkohlte Ruinen waren einst der Palast und der Getreidespeicher. Die Überreste der Mauern mit den Toranlagen, den Reliefs und den Löwen sind noch gut zu erkennen. Eine 3m hohe Statue des Wettergottes steht innerhalb der Tore.

Legende: Die Festung von Karatepe diente angeblich Homer als Vorbild für seine Beschreibung von Troja in der Ilias. Diese Theorie ist jedoch äußerst umstritten.